Eine mediative Antwort auf die Jerusalem-Frage

Jerusalem Youssef Zemhoute

Der Israel-Palästina-Konflikt ist der berüchtigste Konflikt, den der Nationalismus hervorgebracht hat. Die historischen Umstände und Begünstigungen haben einen außergewöhnlichen Verlauf hinter sich, der zur Annahme führt, dass keinerlei Lösung annähernd in Aussicht sei. Insbesondere die Delegation seitens der Briten an die US-amerikanische Regierung hatte den Konflikt noch weiter verschärft.

Während der 1930er- und 1940er-Jahre die britische Mandatsmacht zu zerfallen begann, war General Bernard Montgomery für die Verwaltung Palästinas zuständig. Anlässlich der europäischen Blitzkriege der Nationalsozialisten musste jener jedoch zurückbeordert werden, wodurch die Irgun („Zionistische Terrormiliz“) verstärkt die Kontrolle in Jerusalem übernahm und so die Staatsgründung Israels 1948 begünstigte. Der erste Staat, der den Staat Israel anerkannte, war die Türkei. Damit teilt sie ein ähnliches Schicksal wie Marokko, das das erste Land war, das die USA anerkannte.

Was im Laufe der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts geschehen ist, möchte ich nicht thematisieren, da es viel zu komplex ist. In jedem Falle sehe ich – als außenstehender Beobachter – zahlreiche Lösungsmöglichkeiten für beide Staaten, aber auch insbesondere eine Alternative zur Jerusalem-Frage, die im letzten Jahr 2017 vom US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump angestoßen wurde.

Abgesehen davon, dass der Exzeptionalismus der US-amerikanischen Außenpolitik noch vor keinem Staat Halt machte, war man doch gegenüber Israel sehr im Laissez-faire-Modus festgefahren. Sämtliche Bemühungen vorangegangener Präsidenten einen israelisch-palästinensischen Frieden zu etablieren, wurden stets von der israelischen Regierung zu Nichte gemacht. Angesichts der heiklen Situation läuft der Staat Israel endgültig Gefahr, in eine internationale Isolation zu geraten, die er dieses Mal nicht selbst angetrieben hat. Sicherlich gibt es eine klare zionistische Linie in der israelischen Innenpolitik, aber eine symbolträchtige Hauptstadtverlagerung nach Jerusalem berührt ein historisches Paradigma.

Das Paradigma, das Jerusalem in sich trägt, ist jenes der abrahamitischen Urtradition im Lande jenes Menschen, der als Urvater der jüdischen, aramäischen und arabischen Stämme gilt. Die säkulare Sphäre dieser Tatsache impliziert eine multi-ethnische Souveränität für das Gebiet Jerusalems. Das heißt, dass eine nationalstaatliche Annexion dieser historischen Stadt eine säkular-multinationale Erschütterung zur Konsequenz hätte. Zum Vergleich müsse man sich vorstellen, dass die Türken bis nach Rom vordrängen und den Vatikan unter türkischer Flagge verwalten. Eine für Europa unvorstellbare Situation, die zu einer erheblichen Krise führen würde. Im Falle Jerusalems wäre die Krise ebenso stark, vor allem was asiatische Handelsbeziehungen anbelangt.

Falls die US-amerikanische Administration dies verursacht, dann missachtet sie leider die fatalen Folgen. Die konfliktreiche Energie ist in keiner Weise erfassbar und es kann sein, dass ein multinationales Embargo gegen die USA beschlossen würde. Mit militärischer Gewalt – trotz des erheblichen Budgets – wäre dieses Embargo nicht lange durchzuhalten. Der Handel wäre damit beendet, und endet erst der weltweite Handel oder sinkt er ab, so bietet dies den Raum für martialischen Umgang und militärische Operationsgewalt.

Die Lösung für die Jerusalem-Frage, die mir vorschwebt impliziert die abrahamitische Tradition und Kultur. Die Bildung eines soliden Drittstaates, der in seiner Souveränität alle Elemente der Stadt Jerusalem vereint, als Yerushalajim & Al-Quds, hat die Chance zu einem Zentrum der historischen Versöhnung zu werden. Zudem entstünde erstmalig eine aramäisch-jüdisch-arabische Regierung, die schon als Vorstellung symbolträchtig wäre. Jener Jerusalemsstaat hätte eine deutlich größere Relevanz in der Staatengemeinschaft als Israel und Palästina, würde jedoch sämtliche bilaterale Konfliktpunkte vereinbaren und lösen können.

Ein souveräner Drittstaat hat viele Vorteile und ein großes Potenzial für die gesamte Region, EU-Politik und den kommenden asiatischen Gürtel in der Nähe. Mit einer abrahamitischen Verfassung hätte die säkulare Gesetzgebung eine Basis, in der die palästinensische Identität – , die ursprünglich Juden, Christen & Muslime einschloss, – nicht exklusiv patentiert werden kann, sondern allen Einwohnern zu Gute kommt, die seit 4, 15 und 29 Generationen dort leben. Das wäre die sinnvollste Lösung für die kommenden Generationen, die sicher nicht auf 100 Jahre Blutvergießen, Hass & Elend zurückschauen wollen.