Der Hang zum Literalismus

youssef zemhoute

Ein Essay von Youssef Zemhoute

Literatur ist eine Quelle der Inspiration für die Menschheit, und jede Gesellschaft darf literarischer Kraft und Kreativität nicht entbehren, will sie auf die Zukunft und ihre Herausforderungen vorbereitet sein. Es gibt eine große Vielfalt an Literatur, und ein großes Interesse an journalistischen Schriften. Wir finden heute viele Online-Magazine und diverse Blogs, die recht ungewöhnliche über irrsinnige bis hin zu meisterhaft geschriebenen Beiträgen vorstellen. Durch diese geistigen Ergüsse von Menschen, die große Fort- wie Rückschritte machen, kommen wir uns näher, streiten uns, vertragen uns und, was am wichtigsten ist, verstehen wir uns, denn in der Regel haben wir uns alle gern, wir Menschen. Schon von Kindesbeinen an werden wir allerdings verzogen, sodass wir systematisch auf das „Leben“ vorbereitet werden, das Leben, wie es sich die Unterdrücker vorstellen, die ursprünglich in ihrem hohen Alter gute Absichten hegten, aber deren Ideen versagten, weil sie etwas in uns nährten und nähren, das unser eigentliches Wesen zugleich auch zerstört. Allein die Tatsache, dass Gifte und Waffen zu den beliebtesten und begehrtesten Produkten der Menschen gehören, mag uns alarmieren. Wir sind doch nicht ganz so intelligent, wie wir tagtäglich uns einzureden wagen. Wir sind nur allzu schüchtern, wenn man uns lobt, aber verdienen wir tatsächlich dieses Lob. Nun denn, ich will nicht noch anmaßender werden, drum springe ich zur eigentlichen Thematik dieses Essays. Es handelt sich um den Literalismus, einer von vielen Krankheiten, die uns heute plagen. Der Literalismus kann durchaus als „der Glaube an die Eindeutigkeit aller Dinge“ und als „der Glaube an die Wortwörtlichkeit alles Gesprochenen“ dargestellt werden, aber haben wir damit alles über ihn gesagt, oder gar vielleicht zu viel. Wir möchten dem Begriff nicht Unrecht tun. Der Literalismus existiert schließlich nur in unseren Köpfen, wobei er penetrant in unsere Gesellschaften eingreift und uns verdrossen macht. Verdrossen gegenüber jeglicher Versammlung bzw. Zusammenkunft von sich liebenden Menschen, die zusammenkommen, um Rechte zu bestärken und Unrecht – wo auch immer es erscheint – zu verurteilen. Leider müssen wir es heute alle tun, nicht allein, weil wir es können, sondern vor allem, weil diejenigen, denen wir Macht anvertrauen, ihren Aufgaben nicht gerecht werden. Allerdings sind wir nicht dazu in der Lage. Der Literalismus ist eine Krankheit, die uns daran hindert zusammen zu kommen, weil wir die Eindeutigkeit dem Leben abverlangen, das an sich nicht wirklich eindeutig ist. Was im Leben ist schon eindeutig? Sprache selbst funktioniert nicht eindeutig, und sie wächst auch nicht, sondern verkommt sie viel mehr, sodass sogar die Stilistik darunter leidet. Wir meinen zu viel und beherzen zu wenig, wenn es um die Sprache geht. Die Sprache ist kein Instrument, sondern ein wesentlicher Bestandteil unserer selbst, und es gibt so viele Sprachen, die allesamt lernbar sind. Sprache führt uns Menschen zusammen, vereint uns, erzeugt ein Miteinander, weil man sich geachtet fühlt, man versteht sich und tauscht sich aus. Wenn wir nun aber meinen müssen, dass alles eindeutig sein muss, damit alles funktioniere, dann irren wir uns, denn das Leben funktioniert nicht auf diese Weise. Vielleicht funktioniert es, aber nur solange wie es das System gibt, wobei die Natur sehr stark unter unserer Herrschaft der Eindeutigkeiten leidet. Die Vielfalt, die den Völkern eigen ist, der Geschichte der Menschheit, ist reich und sehr bewundernswert. Wollen wir weiterhin auf die Vieldeutigkeit menschlicher Existenz verzichten und noch mehr zerstören als wir schon ausgerottet haben?

Der Literalismus ist nicht unbedingt eine Krankheit, die bibelfesten Tyrannen aus dem europäischen Mittelalter zuzuschreiben ist, sondern fußt sie viel mehr auf einen menschlichen Makel. Wir bevorzugen die Einfachheit der Dinge, das Vertraute und verabscheuen oftmals fremdartige Dinge, Gedanken, Gefühle, da sie in der jeweils eigenen Gesellschaft immer schon eine Wertung haben und in der Regel allen Konventionen widerspricht. Wenn wir nun die Bedeutungen, die wir kennen und uns gegenseitig zuschreiben, nicht allzu eindeutig sehen, dann beginnt die wichtigere Auseinandersetzung für uns alle, denn wir würden uns nicht mehr mit anderen Menschen streiten, sondern mit uns selbst ringen. Mal im Ernst, wer kennt sich heute, im 21. Jahrhundert schon selbst besser als er andere zu kennen glaubt? Wir übernehmen eindeutige Bedeutungen für uns selbst, weil sie uns das „Leben“ erleichtern. Wir schreiben uns sehr gerne einer Partei, einer Religion oder gar einer neuen Bewegung zu, solange wir dabei eine eindeutige Bedeutung verkörpern. Verkörpern ist hier das wichtige Wort. Wir verkörpern nur noch, beseelen aber nichts mehr. Wie können wir uns da noch selbst als Menschen erachten? Wir sind Extremisten, Chauvinisten, Faschisten, Fatalisten, Expertisten, Narzissten, ja, Egoisten. Machen wir uns nichts vor, der Literalismus ist sehr angenehm. Wir reduzieren alles auf seine mathematische Bedeutung, und auch das meinen wir nur, weil wir auch von Mathematik nicht viel verstehen. Für uns ist heute nicht nur Mathematik 1+1, nein, das ganze Leben besteht aus 1+1. Alles habe seine Funktionen, warum also wir nicht, fragte der Bauer und ging in die Stadt, weil alle Bauern dorthin gingen.

Natürlich gibt es Dinge, auch in der Sprache und in unserem Leben, die eindeutig sind, die uns gar allzu einleuchtend begegnen, aber das sind sehr wenige Dinge. Wenn wir unsere Existenzen mit mathematischen Formeln ausbessern, dann werden wir zu berechenbaren Wesen, ja, zu Maschinen, denn das Wesen einer Maschine ist ihre Eindeutigkeit. In keiner Roboterfabrik dieser Welt wird eine Maschine anfangen zu sprechen, ohne dass es ihr durch Algorithmen eingetrichtert wurde. Wir Menschen aber sind keine algorithmischen Wesen. Wenn dem so wäre, dann könnten wir eines Tages berechnen, wann und wo genau wir sterben werden. Sind wir wirklich so arrogant geworden, dass wir nicht mehr hinnehmen wollen, dass es Dinge gibt, die uns auf ewig verborgen bleiben werden?

Literalismus ist Starrsinn, Wut, Hass und er macht dumme Menschen aus uns, weil wir keine Variablen mehr kennen, sondern alles für uns eine konkrete Zahl ist, mit einer konkret nicht verstellbaren Bedeutung und nichts wird uns davon abhalten, einander zu verstehen, wenn wir glauben, dass wir alle ganz eindeutig sind. Eindeutig sind nur antike Helden, die, wenn sie schon sprechen, allzu berechenbar sind. Wäre es nicht viel interessanter mit einem Taxifahrer zu sprechen als mit Herkules? Oder lieber mit dem Nachbarn, den man oft gar nicht kennt, als mit dem arroganten Achilles. So eindeutig wie ein Held ist kein Mensch. Warum wollen wir eindeutig sein, wo wir doch so viel mehr sein können? Meine Schlussfolgerung für jeglichen Literalismus ist, dass er nichts weiter als unsere Ängste erhält, die unser Leben berechenbarer bleiben lassen. Die Schule ist ein Hort der Eindeutigkeiten, die Universität, ein Ort der scheinbaren Zweideutigkeiten, wobei der Doktor besser zum Verstehen qualifiziert ist als der Student, und der Professor besser als der Doktor, und die Dekanin stets die Macht über alle behält, weil sie bestimmt, wer seinen Arbeitsplatz behalten darf und wer nicht. Wenn sie eine 1 schreiben wollen, lassen Sie die Menschlichkeit zu 100% aus Ihren wissenschaftlichen Arbeiten heraus. Bleiben Sie mathematisch, berechnend, und man wird Sie anbeten, ob in der Oberstufe, im Berufsleben oder unter Akademikern. Das gilt heute für alle Berufe, und auch die meisten Berufe sind Höhlen für die Seele des Menschen. Wir sind vielleicht aus Höhlen hinausgewandert, aber wir müssen zurück, um unsere Seelen herauszuholen. Anderenfalls sind wir längst tot, bevor wir angefangen haben, zu leben, und als tote Menschen in trunkener Manier herumtreibend, lauernd auf den nächsten Rausch, der uns vergessen macht, woran wir uns ungern erinnern.

Über den Szientizismus

Szientizismus

Gelobt seien die Weissen Kittel!

Von Youssef Zemhoute

Charlie Chaplin blickte Albert Einstein einst an, schmunzelte und sagte: ‚Mir wird applaudiert, weil mich jeder versteht. Ihnen wird applaudiert, weil Sie niemand versteht.‘“

Der Szientizismus. Oh Wissenschaft, geheiligt sei dein Name! Beweise, unsere Gebete! Wissenschaftliche Entdeckungen, unser täglich Brot! Wissenschaftler, unsere Priester, gebt uns unsere tägliche Absolution! Der Leib (der) Studie-XY-i! Klingt erschreckend oder? Noch erschreckender ist, wenn man sich darin wiedererkennt.

Mehr oder minder leben wir in einer Gesellschaft, in der die Wissenschaftler – und dazu gehören alle Akademiker jeder Fachrichtung – sich wie Priester geben und verhalten. Was sie sagen, gülte als Gebot, Vorhersage, Prophezeihung. Experten, Forscher, Doktoren, Professoren, usw. Unsere gelobten Heiligen! Das müsse man anerkennen, wenn jemand einen Doktortitel trägt. Abgeschrieben oder nicht. Titel ist Titel. Und das ist nicht mal zynisch daher gesagt, sondern recht realitätskonform.

Jede Religionsfeindlichkeit nährt sich vom Szientizismus. Sogar Religionsfanatiker nähren sich vom Szientizismus. Wenn ich von „wissenschaftlichen Wundern im Koran“ höre, bekomme ich die Krise. Als bräuchte ich menschliche Beweisführungen, um an den unsichtbaren Gott zu glauben. Nein, die brauche ich nicht. Und ich hoffe, dass andere sie auch nicht brauchen. Käme morgen ein weltweiter Bericht in der NYTimes heraus, in dem stünde, dass Gott existiert, dann würde es mich überhaupt nicht berühren. Nicht weil die Woche darauf ein Rückruf erscheinen kann oder ein widerlegender Bericht, sondern weil es nicht Sache unserer Wissenschaften ist, jenseits der Wissenschaften hineinzugreifen. Wir wissen nur 4% vom Universum. Dabei handelt es sich um Gesetze und einige Stoffe. Wie ich finde, ist es nicht genug Wissen über die Schöpfung, um sich an den Schöpfer heranzuwagen.

Zurück zum Thema Religionsfeindlichkeit, die uns alle bekümmern sollte. Es geht nämlich nicht nur darum, Religionen aus unserem Leben zu vertreiben, sondern auch darum Spiritualität an sich zu eliminieren. Spiritualität. Das Gebet, die Andacht, der Gottesdienst, die Meditation. Nein. Der massenmediale Mainstream sagt Nein, die Gesellschaft sagt Nein. Unsere penetrant-normativen Konventionen sagen Nein. Was bringt schon das meditative Denken heute noch außer Isolation und Langeweile. Nein, der Mensch muss leben und das Leben spüren. Ein Kick jagt den nächsten Kick. Die meisten wissen gar nicht, was Kick bedeutet, und wenn wirklich etwas Adrenalin-Spannendes in ihrem Leben passiert, bekommen sie Angst und wünschen sich, dass es aufhört.

Mit Leben ist Konsum gemeint und Konsumieren heißt Zerstören. Wir sagen auch nicht umsonst, „Zeit totschlagen“, wenn wir von unseren alltäglichen Tätigkeiten sprechen. Zeit totschlagen mit Konsum. Darunter leiden Geist, Herz, Seele und sogar der Körper, wenn wir uns unsere Ernährung anschauen. Ich rede vom größeren Teil unserer Ernährung. All die Schokoriegel, Kekse, und Hamburger, die wir nicht fotografieren und hochladen.

Das alles zu hinterfragen, bringe nichts. Es macht doch Spaß. Und nein, es wird nicht besser werden, wenn wir unser Denken restaurieren. Chipstüte, Couch und Horror-Serien gehören zum höchsten der Gefühle. Bücher? Ja, okay, ab und zu. Es muss mich aber unterhalten. Lustig muss es sein, wie neuerdings 70% aller Fernsehformate (wie ich hörte; ich gucke kein TV). Nun denn. Nun gut. Ich will nicht alles schlecht reden, aber diese Worte richten sich lediglich gegen diejenigen, die Religionen schlecht reden. Habt ihr nicht auch eine Religion? Ich sehe keine Abwechslung in eurem Leben und auch ihr habt Rituale und sogar einen Gott. Wenn es nicht das Geld ist, dann ist es Anerkennung. Vielleicht aber auch treibt euch ein innerer Groll an, den ihr gegen Gott hegt. Aus welchen Gründen auch immer.

Obwohl wir heute sehen können, dass Menschen grausame Dinge tun, gibt es noch immer Menschen, die Gott dafür die Schuld geben. Ein Widerspruch. Wenn ein Mensch etwas Gutes tut, dankt er umgekehrt Gott ja auch nicht. Und diese beiden Richtungen gibt es in allen Religionen, Sekten, Kulten und Hipster-Lifestyles. unter Kriminellen sowie unter spirituellen Menschen.

Das Problem des Szientizismus ist, dass er jedes Thema „wissenschaftlich“ ausschlachten kann, sogar im Dauerlauf. Wie z. B. den Islam. Ich bin mir sicher, dass der Islam die berüchtigste Religion auf der Welt ist, weil er ständig Erwähnung findet. Islam hier. Islam da. Sogar von „islamisch“ ist ständig die Rede. Islamisches Frauenbild. Islamisches Leben. Bis sogar der Islamische Staat hinzukam. Das hat ja noch gefehlt. Nicht zu vergessen, sind auch die Feindbilder, die mitgeliefert werden. Islam täte dies, fordere jenes, sage Etliches. Dabei tut das nicht der Islam, der an sich nichts tun kann, was auf der Hand liegt. Es handelt sich nämlich um etwas Abstraktes, nicht um ein Lebewesen. Das muss man sich vor Augen führen. Auch die Absichten der Schreiber und Redakteure offenbaren sich in ihren Formulierungen. Es geht darum die Feindbilder so feindselig wie nur möglich zu gestalten.

Was ist eigentlich das Gute an Religionen? Es gibt etwas Gutes an ihnen. Auch wenn es heute schwieriger geworden ist, von religiösen Menschen gute Antworten auf diese Frage zu bekommen. Alle Religionen haben etwas Gutes. Sie liefern nämlich eine komplette Art der Lebensgestaltung mit. Sie tragen ethische Vorstellungen im Umgang mit der Welt und untermauern die Existenz der unsichtbaren Dinge bzw. der Dinge, die nicht auf Anhieb erkennbar sind, die wir auch gerne vergessen. Die Dinge, die unser spirituelles Verlangen stillen, die Sinnhaftigkeit unserer Existenz, denn die Natur funktioniert ohne Menschheit sehr gut, sogar besser. Was ist daher der Sinn unseres Lebens? Religionen liefern Antworten und verleihen unserer Existenz Ordnung und Liebe.

Der Szientizismus ist eine Art Ersatzreligion. Im Prinzip basiert er auf einer Urgesinnung des Menschen, die in älteren, vergangenen Zeitaltern anders zum Ausdruck gebracht wurde. Nämlich, was man nicht sehen und hören kann, das existiere nicht. Wenigstens ein Beweis musste vorgebracht werden. Die Hörner des Minotauren oder den abgeschnittenen Drachenzahn. Irgendein Beweis musste her. Dabei war diese Gesinnung keine wohlwollende Haltung zum Leben, sondern rührt sie aus menschlichem Zweifel her. Zweifler zweifelten an und bezweifelten alles, was ihre Lebensarten bedrohte. Was ihre Lebensarten bestärkte, das war gut und wurde widerspruchslos hingenommen. Daher wurden so viele Götter hervorgebracht. Es machte die Herrschaft über Menschen auch viel leichter, wenn ihre Würde göttlich unterschlagen wurde.

Leider kam dies auch in den Geschichten der großen Religionen vor. Dies geschah immer dann, wenn sich eine Elite in der Religion bildete, die für sich selbst eine besondere Rolle beanspruchte. Der Szientizismus ist in gewisser Weise auch eine Religion. Eigentlich ist es die am meisten praktizierte Religion auf der Welt. Der Glaube an die Wissenschaften, die unser Leben verbessern. Wir lieben es unsere Verantwortung – sowohl die gedankliche, als auch die emotionale – zu delegieren. Es ist großartig. Es gibt Wissenschaftler, die für uns denken und fühlen. Und sie sagen uns sogar, was wir über unser Denken und Fühlen und Leben zu verstehen haben, und was nicht. Der Punkt ist aber, dass wir uns auch an sie wenden und sie unser vollstes Vertrauen genießen. Manchmal sogar mehr als unsere engsten Vertrauten. Es gibt Männer, die erzählen ihrem Unternehmensberater mehr über das Unternehmen, als ihrer Geschäftspartnerin. Heikel. Misstrauen. Oder Szientizismus.

Professoren treten wie große Propheten auf. Lediglich aufgrund ihrer Titel und der öffentlichen Anerkennung dieser Titel. Ich lehne Akademien nicht ab, und das System der Wissensstufen. Allerdings dient es in erster Linie zur Unterscheidung von Lernenden und Lehrenden. Nicht zur Unterscheidung von Wissenden und Unwissenden. Und das schlimmste ist, die Wissenden können sich irren. Egal ob Professor, Forscher oder Arzt. Egal ob es ein Experte ist oder ein Berater. Irren ist menschlich, und sie sind davon nicht ausgenommen. Im Gegenteil stecken die Wissenschaften (ausnahmslos alle) noch in ihren Kinderschuhen.

Wir täten also gut daran, nicht allen Fitness- und Ernährungstipps Glauben zu schenken. Und auch nicht allen Politikwissenschaftlern und Biophysikern, die im Dienste großer Profitkonzerne agieren. Ihre Interessen sind weltlich, und sehr selten glauben sie selbst an einen Gott. Viel mehr glauben sie daran, dass der stärkere überlebt. Auch die wütenden Journalisten, die die Antireligiosität forcieren, tun dies im Glauben daran, dass Religion schädlich ist. Dabei ist es der Szientizismus, der schädlich ist, der sich hinter religiösen Parolen versteckt. Nur das, was ich sehen kann existiert. Und das nehme ich mir. Der Szientizismus sagt auch, dass Liebe eine Illusion sei. Höchstens einige chemische Reaktionen. Und er sagt, dass Menschen Religionen aufgrund ihrer Ängste haben. Und Wissenschaftler sagen, dass Menschen, die viel essen, dicker werden. Als Formel formuliert. Sie sagen sogar, dass Schönheit etwas Wissenschaftliches sei, und nichts mit Empfinden zu tun hat. Sie sagen, dass die Persönlichkeit eines Menschen, durch seine Umwelt geformt wird, und durch seine Anlage. Durch nichts anderes. Sie sagen, dass Intelligenz eine Frage der Noten ist, nicht des Lernprozesses. Sie sagen so vieles, und so vieles davon ist falsch und dumm. Ich weiß nicht, was ich mehr verachten soll. Wissenschaftliche Studien oder die Predigten von Religionsfanatikern.

Hütet euch also vor den Heiligen in Anzügen und weißen Kitteln! Sie sind falsche Propheten. Sie werden von niemand anderem gelenkt als ihrer Ideologie des selbstnährenden Wissens. Es gibt jedoch leider kein Wissen, das sich aus sich selbst nährt. Sonst müssten wir nicht lernen.

Lebensunterhalt: Weltuntergang

Lebensunterhalt: Weltuntergang

Es gibt immer mehr Professionen dank der Digitalisierung. Sie wirkt sich in Form branchenübergreifender Multidisruptionen aus. Doch von Undank auch müssen wir erfüllt sein, wenn wir den Erfolg der Untergangskulturen beobachten. Offenkundig erreicht man mehr Menschen, wenn man ihnen von bösen Machenschaften, wachsender Krisen und katastrophalen Herrschaftsstrukturen erzählt. Kurzum, das Geschäft der Verschwörungstheorien befindet sich an seinem Zenit. Heutzutage vertritt fast jeder Mensch irgendeine Verschwörungstheorie, die – therapeutisch gesehen – seine vielen Glaubenssätze lebendig hält. So haben viele Menschen sich mit einem Leben abgefunden, das sie als minderwertig empfinden – ganz unabhängig vom Einkommen -, so dass sie sich den vielen Untergangsszenarien widmen und auf neuere Katastrophen warten. Betrachtet man diese Verschwörungstheorien genauer, offenbart sich etwas Erstaunliches. Sie sind allesamt darauf ausgerichtet, dass man selbst nichts bewegen kann, ein Spielball größerer Kräfte bleibt und nichts sich wirklich ändert oder alles schlimmer werde. Was für ein Unsinn! Der Schmerz, der tief sitzt, lässt sich mit folgendem Glaubenssatz darlegen: „Ich bin völlig machtlos und kann überhaupt nichts verändern!“ Dass das eigene Leben dann von fremden Kräften erdrückt wird, ist eine logische Folge dieses Glaubenssatzes. Andere Möglichkeiten sieht man ja gar nicht oder blendet sie aus, wann immer sie aufkommen. Dieses Geschäft mit schlimmen Zuständen vieler Gesellschaften boomt und macht Menschen reicher, die davon leben, dass es Katastrophen gibt. Das ist ziemlich schlimm, weil dadurch ein informativer Teufelskreis entsteht. Allerdings liegt die Ursache teilweise darin begründet, dass die Medienkonsortien den Fehler machten, ihre Berichterstattung zu vereinheitlichen, überwiegend durch Absprachen, Netzwerke und gemeinsame Interessen. So entstand die paradigmatische Hoheit, über die ich auch einen Podcast gemacht habe. Es gibt zahlreiche Leitlinien, die eine massenmediale Gleichschaltung verursacht haben. Die Massenmedien verleihten ihrer Berichterstattung hierdurch einen verschwörerischen Stil. Wenn mehrere Sender, Sendungen und Medienmacher über eine Angelegenheit sprechen, machen sie sie groß. Dadurch entstehen im Laufe von Monaten und Jahren Paradigmen, die die Öffentlichkeit dominieren und die Gesellschaft sehr stark beeinflussen. Ein bekanntes Paradigma ist in einzelnen Begriffen fassbar. Z. B. „Arbeitsplätze“, „Solidarität“, etc. Massenmedien sind übrigens alle Medien, die stündlich bis täglich eine Masse von Lesern, Zuschauern und Zuhörer erreichen. Von einer Masse kann man ab 100 Personen täglich sprechen.

Im Laufe der Digitalisierung ist die anti-paradigmatische Hoheit zum Vorschein gekommen. Es handelt sich um die antithetischen Verschwörungskulturen der Untergangs- und Gewaltszenarien. Man wird nämlich feststellen, dass sich beide ergänzen, indem sie von Dingen sprechen, die die jeweils andere Medienhoheit nicht anspricht oder man behauptet einfach das Gegenteil. Heißt es in der paradigmatischen Hoheit, dass „die Juden“ ein großes historisches Leid hinter sich haben, behauptet die anti-paradigmatische Hoheit, dass „die Juden“ in Wirklichkeit alle die Welt beherrschen. Heißt es, Russland sei feindselig und aggressiv, positioniert sich die anti-paradigmatische Hoheit als äußerst Russland-freundlich. Dann gibt es noch kleine Feinheiten und fragmentierte Schichten dieser beiden Extreme, aber es sind Produkte, die verkauft werden. Sie haben keinerlei Wahrheitsgehalt, nimmt man sie genauer unter die Lupe. Und zwar auf beiden Seiten nicht. Nur in wenigen Elementen sind sich die gegnerischen Hoheiten einig, nämlich beim Thema Religionen, was mich nicht überrascht. Religionen stellen den Menschen und sein Handeln in Frage und besitzen eine große Macht in den Gesellschaften über Jahrhunderte hinweg. Religionen helfen dabei, mit ihren Fragen über das Leben zu reflektieren. Nichtsdestotrotz werden sie diffamiert und treten weiter in den Hintergrund und aus der Öffentlichkeit. Dies führte jedoch dazu, dass die Spiritualität zunehmend in den Vordergrund trat. Sie hat den Vorteil der Inklusivität und der ganzheitlichen Ansprache der Menschen. Sie wird ein ernsthaftes Problem für die Strukturen der Herrschaft sein, weil sie durch den einzelnen Menschen geht. Themen wie Achtsamkeit, Arbeitssinn, Kindererziehung und Lebensfreude werden wichtiger. Die Untergangsszenarien kochen in den Massenmedien zwar hoch, aber sie werden zerbrechen. Sobald das passiert, wird es eine spirituelle Revolution geben, die längst schon begonnen hat. Es gibt ein Unbehagen in der Welt, das sich gegenüber der massenmedialen Neoliberalität entwickelt.

Eine sozio-spirituelle Frage wäre zum Beispiel: Warum müssen wir das ganze Jahr herum, etwas produzieren und/oder arbeiten? Im Moment bekäme diese Frage noch keine große Resonanz, aber der Zusammenbruch der Ideologien in den Köpfen der Menschen ist in vollem Gange. Noch gibt es keinen Ersatz, abgesehen von Nationalismen und alten Zeiten. Sobald Menschen lernen, frei von allen Ideologien zu denken, werden sie sich die richtigen Fragen stellen, die vorerst im persönlichen Leben beginnen. Je schneller sich die beiden paradigmatischen Hoheiten gegeneinander zerbrechen, desto besser. Entscheidend wird daher nicht sein, wer arbeitet, sondern mit welchen Sinnhaftigkeiten jemand seinen Lebensunterhalt verdient und seine Existenz fristet. Das Geld, das die meisten Menschen verdienen, ist zudem viel zu niedrig als dass sie sich daran erfreuen könnten. Es hängt sowohl mit der Privatwirtschaft, als auch mit staatlichen Besteuerungen zusammen. Es gibt eine Niedriglohnkultur, vor allem in Deutschland. Ein Drittel des Einkommens beansprucht der Staat. Zusätzlich kommt jeder fünfte Teil von allen Einkäufen. Das ist sehr viel, wenn man unten ist und die meisten Menschen leben „unten“, womit ich die lohnabhängige Schicht meine. In einer solchen Existenz ist man automatisch empfänglich für die massenmedialen Verschwörungen, mit denen man täglich berieselt wird. „Er tötete seine Frau“ bekommt mehr Resonanz. Warum? Weil kriminelle Energien herumgeistern, die sich ausgelebt wissen wollen. Es mag krank klingen (und ist es übrigens auch), aber viele Menschen freuen sich über schlechte Nachrichten. Sie ergötzen sich daran, wenn es anderen schlechter geht, wenn andere kaputt gehen, wenn andere umgebracht werden und sterben. Diese Erkenntnis wird uns klarer vor Augen vorgeführt, weil die Statistiken dies bestätigen. Und das muss gar nicht so sein, aber derzeit ist es noch so. Man verdient sich eine goldene Nase, wenn man den anti-paradigmatischen Markt betritt. Menschen lassen sich gerne vom Weltuntergang überzeugen, besonders dann, wenn ihre eigene Lebenswelt untergegangen ist. Ja dann, sollen auch die anderen verrecken, nicht wahr?! Traurig, und von jeglichen Realitäten weit entfernt. Der große Paradigmenwechsel steht uns bevor und er wird non-binär sein, was gut ist, weil Feindbilder nicht mehr solide transportiert werden können aufgrund der Diversität.

Here’s what’s wrong with Mr. Anand Giridharadas‘ Billionaire Critic

First of all, there should be more intellectuals like Mr. Anand Giridharadas which tackle the modern day challenges within our minds, the stupid ideologies. He’s true about Bullshit stories being sold by massmedia and even into products to our societies.

In his talks, book presentations and texts he talks a lot about billionaires covering up their tax robbings by philanthropy. It’s true in many ways. Still, his critic is very short-sighted. The problem of societies today is not that some few people are super rich or richer than other masses of people. There was also a lot of risk (deadly risk btw) involved. But the root of the problem of Capitalism is that it puts Capital (money, cash, etc.) on the otherside of Work (productivity). This includes that means of livelihood are not bound to life and/or existence itself. It means that LIFE is bound to the ECONOMICAL VALUES YOU GIVE TO SOCIETY. This means if you don’t work, your value is 0. If you don’t have capital – obviously no work, no inheritance – your value is 0. Universal Basic Income won’t be an idea, it will become a necessity in the future to reduce civil purges & crime.

For a second, let’s look at the Have-nots in the United States. Why don’t they have any money or too less? They are paid badly. Sure. They can’t deal with their depths. Sure. They don’t know how to use money. Maybe. The real reason – if you allow me to break it down with financial mathematics – is that the second they start growing up they have expenses while at the same time they don’t have any natural income. All they have is Jobs by which income can be generated but the expenses keep on running and pushing while working. The biggest expenses for most American Citizens are taxes. Every 1$ of income is taxed with 10%. How come nobody talks about this? It’s a difference taking 40% from 400.000$ than taking 10% from 9.000$. It’s like running against a wall to break others standing behind them.

„Government is starving!“, says Anand Giridharadas. Well, the US government – like most governments – is losing control because they have become too fat. They are creating more problems than solving them. More laws to suffocate its citizens. One reason is that governments became too rich. Why are there so many people working in governments? You never ask this question, Sir? Well, you should. The paradigm shift we need internationally has to tackle this question: Why is human dignity and existence still submitted to human institutional entities which put individual life down for the sake of themselves and insignificant others? (insignificant regarding the personal life) This question won’t leave. It will rise. Every year governments will be questioned a little bit more. Join these questions!

I have great respect for constitutions. They manifest ethical naturality of all human beings. A government can be good if it’s not always present in everyday life. People shouldn’t have to live while dealing so many times with governments, borders, police and politicians. Life is about living it, not organizing it by power. Most people are being forced and oppressed. Not by Billionaires but by governments. Billionaires may be robbing governments but governments are robbing a lot more from the people. A billionaire can go bankrupt but a government has citizens to leverage itself in front of Banks & other countries. Who wants to be used by a government like that? Governments don’t lose their power. They enforce and keep it by means of force and weapons but who gave them the right to do so? It’s a serious question that should be asked.

The idea of citizenship is weak, for we are born human beings and not subjects to power structures controlling and organizing our lives from A to Z. Governments are not efficient. Unfortunately, they have created more problems than solutions. Billionaires are not forcing me to buy their products. Governments are forcing people to pay taxes, except for the Billionaires as politicians are afraid of their lawyers & less money for elections. It would be great in the US to make 24.000$/year tax-free for every single citizen. And then you tax 24.000$ – 36.000$ with 10%. A lot of money would be missing in the government but American Citizens could have something to live for. The society would become richer. No reason to kill each other for Sandwiches, Cash & Drugs because they are hungry, poor and desperate. They would actually have a serious life and ability to be independent from depths, rents and crimes. How about that, Mr. Giridharadas?!

Probably, you think I’m talking about Anarchy but that would be false. Nature is not Anarchy. It’s natural. There is risk in life. Anyone can die somehow somewhere by natural forces. But remanaging risk by putting it on the shoulders of weak citizens – look at the financial sector – and playing theatrical mascerades regarding politics while people are dying every day, starving and losing hope, that’s not democracy, the rule of a people. It’s Neoliberalism at its best. It’s the complete dissolving of dignity, individuality and anything with meaning. It’s the disaster of ideological ruling. Hopefully, there are some places left to drink a coffee without being governed. THAT has to be the future. There is no substitute for freedom. Not even money! Look at the old rich and influential politicians! Do they look like freely lived biographies to you? So be more honest about your critic Mr. Giridharadas and less hostile towards people with a lot of income. You didn’t care about the billionaires when they were small Have-nots paying a huge load to the government which was relatively high. Why you care about them without tackling governmental systems of oppression which are implemented every day in the U.S.? I really don’t get it. Just look at how you deal with Citizens. You have more prisoners & prostitutes than teachers & care-takers.

Thanks for reading & have a nice day!

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Spiritueller Feminismus

Es gibt viele politische Bewegungen, die sich zum Ziel setzen, die Grundrechte benachteiligter Identitäten wiederherzustellen. Besonders bedeutsam in diesem Kontext sind die feministischen Bewegungen. Allerdings braucht es auch einen alternativen Zugang zum Feminismus, um ihn und seine Früchte den Menschen – auch Männern – nicht vorzuenthalten. Feminismus darf man als das Wiederherstellen des Weiblichen Prinzips der Spiritualität verstehen. Ich bin sehr froh, dass Frauen zunehmend kooperieren und ihr eigenständiges Leben aufbauen; unabhängig unterstützen sie einander und stehen Seite an Seite. Unglücklicherweise lastete der Patriarchalismus für zu viele Jahrhunderte dort, wo Macht ausgeübt wurde. Wo auch immer Misogynie existiert, wird sie von einer Ideologie hoch gehalten, die patriarchalistischer Natur ist. Nichtsdestotrotz hat Feminismus eine sehr tiefe Bedeutung im spirituellen Sinne. In einer neoliberalen Welt aufwachsend, die sich über Zerstören und Zersprengung von Identitäten definiert –, wodurch es zur Last wird alle Anteile beieinander zu halten –, habe ich immer die innige Gewalt gespürt, die die Gesellschaft hinunter wanderte, bis in die Herzen unschuldiger Kinder. Die schlimmste Gewalt ist die Gewalt gegen die Seele, welche wiederum aus zwei Prinzipien erwächst. Ich spreche über das Männliche und über das Weibliche Prinzip, die jeder Seele zu Grunde liegen. Beide schaffen ein spirituelles Fundament starker Persönlichkeiten, die über sich selbst hinauswachsen wollen, allerdings innerlich und nicht äußerlich.

Die Grundsätze der Persönlichkeit, Leben und Verstand, finden sich gespiegelt in der jeweiligen Seele wieder. Wir verstehen die Menschenseele durch Annäherung an diese zwei Prinzipien besser. Wenn wir den Unterschied zwischen beiden Prinzipien erforschen, erkennen wir die unausgeglichenen Realitäten an. Das Männliche Prinzip beherrscht unseren Alltag im 21. Jahrhundert. Aktivität, Aktivismus, Engagement, Hin- und Herbewegen, Mobilität, Produktivität, usw. sind alles Gesichter des Männlichen Prinzips der Spiritualität. Wir untergraben daher das Weibliche Prinzip der Spiritualität, das aus Ruhe, Weichheit, Verbindung, Denken, Gelassenheit, usw. besteht. Ich würde sogar sagen, dass diese Aspekte in den meisten unserer modernen Gesellschaften verboten, oder mindestens verpönt, sind. Indem wir die kraftvollen Aspekte des Weiblichen Prinzips unterschätzen und verbieten, haben wir den spirituellen Gleichgewichtssinn ineinander zerstört.

Wir alle neigen dazu, Grenzen zu überreizen, ohne uns mal zurückzunehmen. In den Tiefen unseres individuellen Bewusstseins liegt eine riesige Belastung. Es ist die Last der Verantwortung, die mit der Macht zusammen kommt. Andererseits gibt es keinerlei Macht in uns, wenn das Gleichgewicht nicht existiert. Deshalb neigen wir dazu, außerhalb von uns nach Macht zu suchen, da wir des Weiblichen Prinzips enthoben sind. Unser Selbst ist in einem patriarchalischen Verständnis der Existenz auf Macht gerichtet. Dies führt zur Angleichung der Geschlechter in ihrem äußeren Verhalten. Da wir die menschliche Natur anhand oberflächlicher Kriterien wie Aussehen und Kleiderordnung verstehen, suchen wir immer noch nach einer inneren Macht, die diese oberflächlichen Realitäten ändert. Wir respektieren die Entscheidungen aus dem Weiblichen Prinzip nach innen kaum, wenn sie nicht als patriarchalisch respektabel eingestuft werden.

Diese Paradoxien verwirren Frauen und Männer gleichermaßen. Frauen müssen nicht nur leben und gegen alle Widrigkeiten kämpfen, nein, sie müssen alle Verwirrungen in ihrem Leben geistig verarbeiten, indem sie patriarchalische Phantasien ausleben. In Bezug auf Männer und männliche Lebensstilprobleme führt der fehlende Teil des Weiblichen Prinzips zu einer tiefen Persönlichkeitskrise bei jedem Mann auf diesem Planeten. In ihm ist das Weibliche Prinzip ebenfalls eine innere Wahrheit. Das auffälligste Merkmal eines „modernen“ Mannes ist seine verzweifelte Suche nach einer Frau, die ihm selbst Komplimente machen soll. Sein innerer Durst nach weiblichen Aspekten wird in die Außenwelt gedrängt und quält sein Bewusstsein als eine immerwährende verkörperte Projektion, die seine Aufmerksamkeit beherrscht. Jede Frau für ihn ist eine Personifikation seiner eigenen inneren weiblichen Enthauptung. Wenn er seine schreckliche Suche beenden würde, müsste er nach dem Weiblichen Prinzip suchen. Dieses Prinzip findet sich aber nur im Inneren eines Menschen. Diese unendliche Geschichte führt zu vielen unruhigen Beziehungen, weil am Ende jede Frau als Objekt und möglicher Sexualpartner betrachtet wird, und Männer i. d. R. ebenso. Die Projektionen der Menschen sind so stark, dass sie das Sozialverhalten verändern können. In erster Linie richtet sich das Verhalten nach Frauen aufgrund ihrer sexuellen Identität.

Frauen verkörpern das Weibliche Prinzip, ohne es jemals ersetzen zu können. Unser Verstand macht das spirituelle Prinzip zu einem objektivierten Prinzip in der äußeren Realität. Wir sind Meister der Objektivierung. Und wir lieben Objekte, weil der Besitz von Objekten für das Ego der einzige Weg ist, sich als Subjekt anzunehmen. Wir leugnen die Macht unseres Bewusstseins aus einem Missverständnis der Würde, die eine Folge einer unausgeglichenen Spiritualität ist. Würde beginnt im Menschen und besteht aus dem Männlichen und dem Weiblichen Prinzip. Diese spirituellen Prinzipien oder Prinzipien der menschlichen Spiritualität nähren unser Bewusstsein und machen unser Leben ausgeglichen und sinnvoll. Daher sollte der Feminismus als ein spirituelles Gegenmittel gegen das kranke Innenleben der modern-menschlichen Natur angesehen werden. Heute ist das Innere des Menschen der einzige Ort, zu dem man Probleme der Menschheit zurückverfolgen kann. Zumindest sollten wir uns gegenseitig die Chance geben, den feministischen Ansatz auf spirituelle Weise zu verstehen und dabei Bewusstsein, Spiritualität und Angelegenheiten der Seele neu zu begreifen.

Als geistige, selbstbewusste Seele sehe ich das Leiden in allen Menschen, nicht nur in Frauen. ABER Frauen tragen die größere Last aufgrund des sozialen Drucks, auf den sie jede Sekunde ihres sozialen Lebens durch Gesellschaft UND Missverständnisse hingewiesen werden. Deswegen hat Misandrie heute eine real legitime Begründung, da das Männliche Prinzip unser zivilisatorisches Leben gewaltsam bestimmt hatte. In diesem Jahrhundert werden wir das Weibliche Prinzip zurückholen müssen, damit auch alle anderen Menschen sich emanzipieren. Ohne Misandrie, die wir bereits häufig erleben, wird dies nicht möglich sein.

Numeralität

Numeralität Youssef Zemhoute

Numeralität ist unser zeitgenössisches Dilemma, das bis in alle Momente unseres individuellen und gemeinschaftlichen Lebens eindringt. Sie kann als das Gegenteil von Spiritualität verstanden werden. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Numeralität literalistisch vorgeht. In ihr steckt der Glaube, das alles zählbar ist und mehr noch, alle Eigenheiten und Einflüsse durch Zahlen herbeigeführt werden können. Dennoch liegt ihre suggerierte Stärke darin, dass man sich mit ihrer Hilfe beliebig durch Zahlenfelder bewegt und in der Welt auch alles zählbar macht.

Wenn Sie ein zuverlässiger Mensch sind, kann man nicht nur auf Sie zählen; man kann Ihre Zuverlässigkeit zählen, indem man Häufigkeit und Intensität Ihrer Zuverlässigkeit ausrechnet. Ihre Gegenwart wird zur zählbaren Anwesenheit. Ihre Arbeit wird zur ausgedehnt zählbaren Zeit. Ihr Arbeitssinn verschwindet mit der Zeit, da jeglicher Sinn, der Zahlen unterworfen wird, mit der Zeit verschwinden muss. Zahlen haben nämlich einen basalen Unterschied zu Worten. Zahlen sind literal. Literalismus bezeichnet die Wortwörtlichkeit der Dinge, und in der Numeralität eben auch die absolute Kalkulation des Lebens. Was messbar ist, das existiert. Alles andere eben nicht.

Die Numeralität ist insofern gefährlich, als dass sie echte Lebenserfahrungen verhindert und Existenzen von innen nach außen (und vice versa) zerstört. Man kann über sie folgerichtig sagen, dass Sie vollständig fehl am Platze ist, da die Zählbarkeit der Dinge möglich ist, aber nicht sinnvoll.

Sie ist eine sinnleere, exponentielle Annahme inmitten von benummerten Zahlenfeldern. Gleichzeitig bedeutet sie den versteckten Glauben an die Zählbarkeit aller Dinge und Wesen. Die numeralen Mechanismen implizieren einen Zahlenglauben, der es erlaubt, alles auf seine numerale Grundlage zu erforschen und voranzutreiben. So schlussfolgern Menschen, dass Exponenten Exponenten verursachen. Man schafft die zählbare Literalität aller Dinge, was ich als numeralisieren bezeichne. Es erwächst aus dem Thanatos-Prinzip. Zahlengläubigkeit hat unsere Wirtschaft und unser Leben geprägt. Diese numerale Methode erkämpft sein Existenzrecht gegen Signifikanzen. Hierin besteht ein urmenschlicher Konflikt. Unsere sozialen Thanatoxien sind seine Resultate. Auf diese Weise entstanden schlechtere Produkte, Waren und Dienstleistungen. In der Gesellschaft hat die Numeralität mehrere Gesichter. Schwarze Pentagramme numeralisieren sich die Welt, um durch Zählbarkeiten Exponenten zu erreichen. Das Problem ist, dass Zahlen niemals an Zahlen gebunden sind, sondern an Signifikanzen, die von ihnen vernichtet werden. Schwarze Pentagramme präsentieren sich auf allen Märkten. Die Anzahl ihrer Mitarbeiter, die Höhe ihrer Gebäude und die Liquiditäten ihrer Tätigkeiten sind gleichfalls Hinweise auf ihre Numeralität. Sie sind aktiv, was Zahlen und Zählbarkeiten anbelangt. Ein Sinn sucht sich vergeblich. Alle fünf Sternspitzen des schwarzen Pentagramms sind numeral. Wer aufsteigen will, findet in ihnen Treppen, Leitern und Seile. Es genügt, eine exponentielle Zahlenkohärenz zu pflegen, nie schwach zu sein und seine Aufgaben abzuarbeiten, um eine erfolgreiche Karriere in schwarzen Pentagrammen hinzulegen. Für Ideen ist in ihnen kein Platz, sofern sie keine numerische Expansion manifestieren. Es wäre irrsinnig, Potenziale entfalten zu wollen. Potenziale transportieren Signifikanzen. Sie haben weniger Platz in schwarzen Pentagrammen als Ideen. […] Jede Sinnhaftigkeit numeralisiert sich […]. Wenn der suggerierte Exponent wächst, dann wird ein anderer Exponent größer. […] Sie jagen den suggerierten Exponenten so lange nach, bis sie scheitern. Die Arbeitswelt im schwarzen Pentagramm zersetzt das Selbstbewusstein, Reichtümer und Energien bis zu ihrer Nichtigkeit. Egomanie ist der rote Teppich […]. Sie agiert mit numeralem Habitus und beide nehmen sich nicht viel. […] Skalierbarkeit ist trügerisch. Auf ihren Spuren jagen Unternehmer einer numeralen Willkür nach, der sie mit aggressiver Impulsivität begegnen. Zahlen sind situativ und richten sich niemals nach den Zahlentheorien der Handelnden. Zahlen richten sich nach Sinn, was in der Numeralität unbegreiflich erscheint. […] Sinnhaftigkeit ist nicht literal. Sind Sinn und Sachverstand auf Zahlen ausgerichtet, gelten sie sicher als numeral. Dann sind sie de facto literal und nichtig. Der Literalismus ist ein ideologisches Merkmal der Numeralität. Er findet sich im Leben und in der Menschheitsgeschichte überall wieder. Für die Signifikanz braucht es ein Selbstbewusstsein und eine sensitive Intelligenz. […]

Auszug aus meinem Buch: Eine kleine Entrepreneuristik. Zemhoute,Youssef. Duisburg, 2018.

Wir müssen keine großen politischen, fiskalen oder sozialen Probleme und Schwierigkeiten betrachten, um die Numeralität zu entdecken. Ein präziser Blick ins eigene Leben genügt. Ist man tatsächlich von ihr ausgeschlossen, dann sollte man das Umfeld betrachten. Die Numeralität ist allgegenwärtiger als alles andere, was unsere Zivilisation hervorgebracht hat. Sie ist ein Stück weit an unseren Lebensstilen erkennbar. Schnell. Mehr. Viel. Immer weiter. Groß. Mehr. Viel. Schnell. Und aus diesem Rhythmus wird in kürzester Zeit. Schnell schnell schnell. Viel viel viel. Mehr mehr mehr.

Wozu die Numeralität führt, habe ich in meinem Buch skizziert, wobei ein Blick in unsere Wirtschaft mehr als genügt. In der Wirtschaft dominieren die Exponenten und numeralen Fürsten nur deshalb, weil es Menschen gibt, die sich der Numeralität unterworfen haben. Ohne Numeralität gäbe es wieder den kleinen Moment, der vielen Menschen heute so fehlt.

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Spiritualität & das Gespött der weißen Kittel

Spiritualität wird belächelt. Auch spirituelle Menschen werden noch nicht ernst genommen in unseren Gesellschaften. Uns gegenüber stehen die so genannten Hardcore-Wissenschaftler, die „Ingenieure“, Physiker und Mathematiker. Noch heute glauben Wissenschaftler, sie würden die Welt erklären können. Tatsächlich aber haben diese Berufstypen, die keine Wissenschaftler, sondern Empiristen sind, etwas missverstanden. Das Einzige, was sie tun, ist die Welt zu beschreiben. Es gibt in der Natur keine Kalender, Uhrzeiten oder Hochkant-Präzisionsformeln. Tatsächlich wird mir auch kein Wissenschaftler zeigen können, wo die natürlich empirische Entsprechung der 1 in der Welt ist. Das Atom besteht aus mehreren Teilen. Jene Teile wiederum aus mehreren Teilen. Und irgendwann innerhalb der kleinsten Teile, aus dem das Universum und wir selbst bestehen, lässt sich feststellen, dass Ursache und Wirkung überhaupt keine Relevanz mehr haben. Das hätte zu einem großen Umdenken führen müssen (Quantenmechanik), aber irgendwie hat man sich da einen heimlichen QuantenÜBERsprung erlaubt. Fakt ist nämlich, dass über 99% unserer Existenz aus einem riesigen leeren Raum besteht. Das hieße, dass unser Leben fast so vom Winde verweht ist wie ein Träumchen, das wir nachts hatten. Diese Erkenntnis wird noch einschlagen wie ein Hammer. Es ist nur eine Frage der Zeit. Ich denke, dass wird spätestens dann passieren, wenn immer mehr Wissenschaftler durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden, denn sie rechnen ja nur aus (das können Maschinen natürlich besser, schneller und präziser). Spirituelle Menschen beschäftigen sich mit Bedeutungen. Das können Maschinen nicht. Es wird daher eine Zeit kommen, in der spirituelle Berufstypen, die Kaste der gut finanzierten Priester in weissen Kitteln überholen wird. Dann wird so einiges anders laufen. Vor allem wird dann nicht mehr alles nur ausgerechnet. Es muss zu aller Anfang erst eine Bedeutung haben. Und welche Bedeutung haben eigentlich Empiristen für uns? Dürfen wir nicht selber die Welt anschauen? Nein, denn mit ihren Studien erhalten sie die populären Hoheiten der Industrien. So auch mit ihren Einforderungen und Pressemitteilungen. Es ist doch nicht auszublenden, dass wissenschaftliche Studien immer der Privatwirtschaft nützen. Das ist kein Zufall. Wie gesagt, sind wir glücklicherweise diese vermeintlich Heilige Kaste los, wie auch das allseits beliebte Herrschaftsinstrument namens Statistik.

 

Die Kluft zwischen Deutschen & Türken (inkl. E-Book)

deutschtürkische Beziehungen Youssef ZemhouteDie deutsch-türkischen Beziehungen haben sich in ihrer Komplexität in den letzten 200 Jahren potenziert. Heute haben wir eine evidente Feindseligkeit im öffentlichen Diskurs, die vor allem der Berichterstattung geschuldet ist. Im Folgenden möchte ich einen Grund, der politischer Natur ist, abarbeiten. Die politische Frage dreht sich um den Mythos der Nation. Was ist eine Nation? Zuvor definierte sich eine Nation nach französischen Parametern, mit Idealen, die eine Volkszugehörigkeit – jenseits des Blutes – transzendiert. Das heißt, dass jeder Nationalstaatler sich seiner Nation als idealen Ort persönlich-kollektiver Entfaltung vergewisserte. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, hieß es in Frankreich. Diese Ideale waren insbesondere für die Kolonialisierung seitens europäischer Staaten wichtig, da die ersten Händler, Pilger, Missionare bereits erkannten, dass alle Welt sich überaus plural entwickelte. Die Nation hat den Vorteil der Klarheit gegenüber multikulturellen Völkern, die vor allem unter Monarchen und Fürsten lebten. So bestach man die königlichen Eliten mit technischen Fortschritten und eroberte die Bevölkerung mit Ideen aus christlicher Theologie und europäischem Idealismus. Das ist die Kurzfassung, für die ich mich bei allen Historikern entschuldige.

Schauen wir uns nun Deutschland und die Türkei als Nationen an, dann werden wir bei den jüngsten Traumata feststellen, dass es einen radikalen politischen Unterschied gibt. Es geht einerseits um die Kriege, andererseits um die Zeiten danach. Während im Ersten Weltkrieg (1914-1921), die Türkei als Nation erst entstand, sich quasi während diverser Schlachten und Kämpfe solidarisierte, gab es bereits diverse nationale Ideen unter den türkischen Kommandanten (insbesondere Mustafa Kemal Atatürk). Allerdings war die Position der ex-osmanischen Streitkräfte (Türken, Kurden, Syrer, Araber, Palästinenser, etc.) deutlich besser als die der deutschen Streitkräfte. Das Deutsche Kaiserreich musste im Ersten Weltkrieg viele frankophile Unrechtsverträge schlucken, die vor allem in Westfalen für Schwierigkeiten sorgten. Hingegen haben die ex-osmanischen Streitkräfte an 5 Fronten gegen Russland, England, Frankreich, Armenien und sogar gegen saudi-arabische Stämme kämpfen müssen. Letztere waren dafür verantwortlich, dass die mekkanische Königsfamilie ins heutige Jordanien vertrieben wurde. Nach diesen erfolgreichen, aber sehr blutigen Schlachten und Kämpfe brauchte es diplomatisches Geschick. Dieses Geschick bewies Mustafa Kemal Atatürk mit seinen traumatisierenden Reformen. Meines Erachtens waren sie viel zu schnell, andererseits entzog er den europäischen Kolonialstaaten sowohl die religiöse als auch die philosophische Grundlage für eine Fortsetzung des Krieges. Atatürk verschrieb sich und das gesamte türkische Volk – das er übrigens explizit nicht völkisch definierte – als unabhängig, souverän und EMANZIPIERT. Dieses Signal war eine unmissverständliche Botschaft an die Briten, an die Franzosen und eben auch an die Russen, die bereits innenpolitische Schlamassel ausfechten mussten.

Kurz gesagt, hat die Türkei – durch Atatürk – sich selbst traumatisiert, um die eigene Unabhängigkeit zu wahren. Deutschland wurde im Ersten Weltkrieg traumatisiert, hat sich größtenteils innenpolitisch weiter traumatisiert, seiner breiten Mündigkeit selbst enthoben, und ist den Rattenfängern in die Hände getrieben worden, die wir historisch rückblickend als Nationalsozialisten kennen. Dieser rassifiziert faschistoide Kult hat deutsche Soldaten und deutsche Kinder als Kanonenfutter benutzt, sich teilweise nachkriegszeitlich abgesetzt (Argentinien) und für ein noch grausameres Trauma (die Shoa) gesorgt. Nun möge man anführen, dass die Türkei die armenischen Massendeportationen, Massaker und Vernichtungen (1908 – 1916/1917) zu verantworten habe. Allerdings muss man hierbei klarstellen, dass es die Türkei als Nation erst seit 1923 gibt. Abgesehen von dieser juristischen Feinheit waren die Massaker einem ex-osmanischen Pfortenprokuristen namens Enver Pascha zuzuschreiben, der auf eigene Rechnung viele Grausamkeiten während des Ersten Weltkrieges zu verantworten hatte. Zudem ist er im Gegensatz zu den meisten anderen geflohen und wurde später von einem Armenier ermordet.

Aufgrund der kaum debattierten Traumata der deutschen Nation (seit 1871) gibt es ein verbuddeltes Deutschsein, das nur beim Nationalfussball und bei der Konfrontation mit nationalen Fragen auftaucht. Die Türkei spielt hierbei eine große Rolle. Die deutsch-türkischen Beziehungen waren der 100-Zylindermotor des Wirtschaftswunders der 1960er-Jahre. Es gab in Deutschland faktisch kaum Männer, und die wenigen, die es gab, waren zum Malochen unwillig oder aber ungeeignet. Die Trümmerfrauen sind natürlich als Leidtragende zu bedauern, aber die Straßen gepflastert, die Autobahnen saniert, die Innenstädte planiert haben Ali, Mehmet und Mustafa, aber auch Giuseppe, Pablo und Yanis. Zudem hat die Konfrontation mit anderen Kulturen zu einem höheren Selbstwertgefühl der Deutschen geführt, da sie täglich mit anderen Kulturen konfrontiert waren, sich ausgetauscht haben und irgendwie auch freuten. Der Begriff Gastarbeiter war völlig abwegig und ungünstig, aber gäbe es keine Gastarbeiter, gäbe es nicht das heutige Deutschland und womöglich auch keinerlei Solidarität zwischen Ost und West (s. Solidaritätszuschlag türkischer Einwanderer & Einwanderinnen über die Rente 1990). Die Nationalsozialisten haben mit ihrer völkischen Ideologie die deutsche Nationalität vergiftet. Während Goethe seine Nation als kommunikativ ebenbürtig mit der persischen Literatur erachtete, und sogar ein Meister Eckhart nicht vor fernöstlichen Kulturen zurückwich, haben die Nazis von völlig hirnrissigen Dingen gesprochen und den Heiligen Gral gesucht anstatt sich um die Würde ihrer Bürger zu kümmern. Die türkische Nation unter Atatürk hat ein gesundes Selbstbewusstsein bekommen und sich posthum entgegen der Feindseligkeiten („kranker Mann am Bosporus“) als überaus souverän erwiesen. Es gab keinen Marshall-Plan und keine Besatzungszonen. Nach der Staatsgründung der Türkei zogen sich die Angreifer zurück, denn sie waren des Kämpfens müde. Und Atatürk ebnete den Weg für die Türkei wie sie heute wieder geworden ist. Selbstbewusst und souverän! Das war sie lange Zeit nach seinem Tode nicht.

Aus Deutschland sehen volle Straßen, Aufmärsche und Reden nach Hitlerjugend aus, aber andere Staaten, andere Geschichten. Obwohl ich den aktuellen Umgang mit Journalisten, Richtern und Rechtsanwälten keinesfalls nachvollziehen kann, muss ich dazu sagen, dass ich nirgends einen Beweis für die vielen Einsperrungen finden konnte. Daher bitte ich um Kommentare mit Hinweisen. Zudem muss man bedenken, dass in der Türkei jährlich seit 2015 300 bis 500 Anschläge gegen Zivilisten stattfinden. In Deutschland würden in solch einer Situation nicht nur Heime, sondern womöglich auch Gebeine brennen. Die Türkei hält sich tapfer, wenn auch ungeschickt. Nichtsdestotrotz kann man mit einem Staat kooperieren, denn kein Staat ist perfekt. Schließlich gibt es noch das US-amerikanische Guantanamo, französische Beziehungen zum drei-geteilten Libyen, und deutschen Waffenhandel nach Zentralafrika. Unschuldig ist folglich kein Staat. Um diese Nachlässigkeiten zu überwinden, hilft ein starkes Selbstbewusstsein, das die Würde aller Menschen anhebt. Das geschieht in der Türkei, worin die Öffentlichkeit noch sehr plural und gespalten berichtet. Wir können von einer solchen Pressefreiheit in Deutschland nur träumen, obwohl sie bei uns auch übers Internet stattfindet. In der Türkei unterscheiden sich die Fernsehsender wie Tag und Nacht. In Deutschland hat man Satire, Nachrichten, Pop und Kabarett, wobei alle vier sich in politischen Fragen immer einig sind. In der Türkei geht es um den Fortschritt der Nation, nicht um islamistische Bestrebungen, zumal die Türken in ihrer Geschichte nie dem Fundamentalismus anheim fielen, was ich sehr schätze. Die türkische Nation ist eher sufisch als islamistisch geprägt. Das merkt der ein oder andere Deutsche, wenn er mal bei seinen türkischen Nachbarn vorbeischauen würde.

Warum sind deutsch-türkische Beziehungen so wichtig? Ganz einfach! Wegen der Lage der Türkei. Egal wie sich Deutschland entwickelt, wie sich China entwickelt oder die USA, Nationen sind nicht mobil. Die Türkei ist mit 3 unterschiedlichen Kontinenten verbunden, wobei sie gleichzeitig die Verbindung darstellt. Mit anderen Worten wünscht sich die Türkei die EU (ergo auch Deutschland) als Partner, um nicht mit US-Amerikanern um die EU herum kooperieren zu müssen. Nur ist die EU so uneinig, dass es sich schwierig gestaltet. Gingen wir in Deutschland mit gutem Beispiel voran, würde es bei allen anderen um uns herum ebenfalls klingeln, und wir hätten eine Nachbarschaft, die sich morgendlich grüßt, einlädt und gemeinsam sogar prosperiert. In Sachen Menschenrechten fangen wir vorbildlich bei uns selbst an, indem wir die Souveränität anderer Staaten nicht mit juristisch raffinierten Waffenlieferungen zu Grunde richten. Dann können wir die Türkei schulen. Bis zu diesem Tag machen wir uns mit jeglicher Kritik lächerlich und bigott.

Die Frage heute im Jahre 2018 sollte folglich weniger sein, wie es um die deutsch-türkischen Beziehungen steht, sondern wo sie sein sollen; in 5 Jahren, in 10 Jahren und in 50 Jahren. Ich sehe sehr gute Chancen, insbesondere für Europa. Wir müssen uns vom erhobenen Zeigefinger verabschieden und die Hände zum Winken heben. Händeschütteln müssen wir nicht sofort, auch wenn wir das zur Zeit eifrig mit Saudi-Arabien tun.

[Mehr zum Thema deutsch-türkische Beziehungen hier => Buch: 2023 – Das deutsch-türkische Potenzial]

 

Gute Didaktik für ein Seminar

Wie baue ich ein gutes Seminar auf? Was sind die Bedingungen für einen Dozenten? Welche Teilnehmerzahl macht Sinn? Ein gutes Seminar sorgt für eine Summe aus Lehren, die theoretisch begriffen werden und praktisch angewandt werden können. Das Format ist insofern frei, wenn die fachlichen Inhalte mit ihm korrelieren. Einzige Bedingung zum Unterrichten für den Dozenten ist, dass er Meister seines Faches ist. Und die Teilnehmerzahl sollte bei langen und mehrtägigen Seminaren niemals mehr als 12 bis 15 überschreiten. Dies aus dem einfachen Grund, dass die Qualität der interaktiven Kommunikation eine Basis bekommt. Bei 30 Teilnehmern ist es nicht möglich, eine Interaktion von vorneherein einzustellen, so dass eine kommunikative Dynamik entstünde, in der jeder genügend zu Worte kommt. Bei 15 Teilnehmern gibt dies mehr Lebendigkeit, weil die Hemmungen niedriger sind und die Gruppe kleiner. Dadurch entstehen bereits nach mehreren Stunden einfache Beziehungsmuster.

Im didaktischen Sinne ist immer ein Punkt sehr wichtig: Mit welchem Wissen sollen die Teilnehmer weiterleben? Diese Frage muss sich der Seminarleiter und/oder Dozent vorher stellen und beantworten. Geht es um Kommunikation, sollten die Teilnehmer auch mit mehr Mut bzgl. ihrer Geselligkeit nach Hause gehen. Ist es ein Vertriebsseminar, dann stellen Sie lieber zwei Vertriebstechniken vor und sorgen Sie dafür, dass die Teilnehmer wissen, was Vertrieb in der Wirtschaft und im Einzelschicksal bedeutet. Bei Seminaren über naturwissenschaftliche Didaktik müssen Sie mehr erklären als Sie vorstellen, weil das Wissen häufig pointiert ist. Geben Sie einen Kontext, der mit den Kontexten der Teilnehmer kongruiert.

Die Struktur eines Seminars ist völlig frei zu gestalten. Es darf nur eines NICHT sein: Frontalunterricht. Der große Nachteil ist, dass die Belastungen für Dozent und Teilnehmer zu groß sind. Selbst ein Meister seines Fachs empfindet Frontalseminare als überaus anstrengend. Kommt noch eine große Teilnehmerzahl hinzu, dann wird es ihn ermüden. Außerdem lernen die meisten Menschen kaum übers Zuhören. Da bietet es sich an, interaktive Spiele und Experimente zu machen, um etwas zu erläutern. Das erfordert viel Übung und es muss immer zum Thema passen. Die Teilnehmer vertrauen dem Dozenten und er sollte dieses Vertrauen nicht im Sitzen verpuffen lassen. Die besten Seminare sind die unvergesslichen Seminare mit individuellem Charakter. Erlauben Sie Ihren Teilnehmern mehr Fragen und dem Plenum mehr Streit! Mischen Sie unterschiedliche Arbeitsmethoden zusammen, um dem Seminar Farbe zu geben. Es macht allerdings wenig Sinn, wenn Sie mit herrlichem Marketing eine Vorlesung verkaufen. Das ruiniert Ihren Ruf und die Teilnehmer gehen mit Ärger nach Hause.

Wenn Sie den Menschen etwas beibringen, dann verlieren Sie nie. Sie müssen Meister Ihres Fachs sein. Das heißt nicht, dass Sie einen Abschluss oder ein Zertifikat brauchen, aber Sie sollten Ihr Seminar wirklich ernst meinen. Es wäre unverschämt, Geld zu verlangen, weil sie mit Ihrem Akademikertitel etwas begreiflich machen zu wollen, was jeder weiß. Das ist zu wenig, und sollte eher ein kleiner Vortrag als ein Seminar werden. Bedenken Sie, dass Sie als Akademiker die Gefahr mitbringen, dass Sie Ihre ganze Zunft in Verruf bringen. Das wäre nicht so angenehm. Wenn Sie ein Autodidakt sind, dann haben Sie die besten Voraussetzungen dafür, Seminare zu machen. Sie wissen nämlich, wie man lernt und bestens lernt. Das müssen Sie in Ihre Didaktik und bei Ihren Seminaren miteinbringen. Viele Menschen wissen nicht, wie sie lernen sollen. Vielleicht machen Sie auch darüber ein Seminar.