Das zweite Lied des Kriegers

aus meinem Gedichtband „Alman – Gesänge der Nacht“ [2014]

Kalo, Malo, Melo und Lu,
waren vier Freunde auf dem Felde.
Kalo will alt und schön gedeihen,
Frau und fünf Kinder warteten daheim.
Malo will Haus und Tomaten kaufen,
denn er war verliebt, und wollt‘ reich zu seiner Geliebten laufen.
Melo will lehren und Kinder schützen,
der fortwandelnden Welt etwas Gutes nützen.
Und Lu noch, er will überleben die kommende Schlacht,
aber er begrub seine Freunde
noch in der Nacht.
Sein Wunsch war ihm nun erfüllt,
die Bestimmung seiner Freunde, ihm enthüllt,
aber ohne seine Freunde wollte er nicht zurück.
Seiner Freunde Willen trug er noch
Mit kahler Grauheit in seinem Blick.
Zu Grabe hat er sie eigenhändig getragen,
nun muss er es den Hinterbliebenen sagen.

Youssef Zemhoute Krieger Gedicht Lyrik Poesie

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8. Mai 1945

Erich Kästner schrieb:

in Mayrhofen, am 8. Mai 1945

Jodl hat die bedingungslose Kapitulation unterzeichnet. In Reims. Der Rundfunk überträgt die Siegesfeiern und den Jubel, der draußen herrscht. Alle miteinander sind stolz darauf, was sie in fünf Kriegsjahren geleistet haben. Und sie haben Grund, sich zu rühmen. Aber sie werfen uns vor, dass es ihrer Anstrengungen bedurfte. Was sie getan hätten, sei unsere Aufgabe gewesen. Wir, die deutsche Minorität, hätten versagt. Das ist ein zweideutiger Vorwurf. Er enthält nur die halbe Wahrheit. Sie verschweigen die andere Hälfte. Sie ignorieren ihre Mitschuld. Was sie verschweigen, macht das, was sie aussprechen, zur Phrase, und wir sind im Laufe der Zeit gegen Phrasen sehr empfindlich geworden. Auch gegen liberale Phrasen. Auch gegen Phrasen aus Übersee. Die Sieger, die uns auf die Anklagebank verweisen, müssen sich neben uns setzen. Es ist noch Platz.

Wer hat denn, als längst der Henker bei uns öffentlich umging, mit Hitler paktiert? Das waren nicht wir. Wer hat denn Konkordate abgeschlossen? Handelsverträge unterzeichnet? Diplomaten zur Gratulationscour und Athleten zur Olympiade nach Berlin geschickt? Wer hat denn den Verbrechern die Hand gedrückt statt den Opfern? Wir nicht, meine Herren Pharisäer!

Sie nennen uns das ‚andere’ Deutschland. Es soll ein Lob sein. Doch Sie loben uns nur, damit Sie uns desto besser tadeln können. Beliebt es Ihnen, vergessen zu haben, dass dieses andere Deutschland das von Hitler zuerst und am längsten besetzte und gequälte Land gewesen ist? Wissen Sie nicht, wie Macht und Ohnmacht im totalen Staat verteilt sind? Sie werfen uns vor, dass wir nicht zu Attentaten taugen? Dass noch die Trefflichsten unter uns dilettantische Einzelmörder unübertrefflicher Massenmörder waren? Sie haben recht. Doch das Recht, den ersten Stein gegen uns aufzuheben, das haben sie nicht! Er gehört nicht in Ihre Hand. Sie wissen nicht, wohin damit? Er gehört, hinter Glas und katalogisiert, ins Historische Museum. Neben die fein säuberlich gemalte Zahl der Deutschen, die von Deutschen umgebracht worden sind.

Das Menschenlied

Ein Gedicht aus meinem Gedichtband. Es ist eines meiner Lieblingsgedichte.

Menschen reden hören,
Gute, schlechte Worte führen,
Versprechen halten, brechen sehen,
Liebe nehmen, geben und verdrehen.
Menschen kommen hören,
Freude, Leid und fort von diesen,
Bekümmert, stolz, gebrochen gehen,
verlassen, allein und einsam stehen.
Menschen bauen, schauen,
Wasser, Arbeit, Haus zerhauen,
Tage, Nächte, viele Leben lang,
ungelebt voller Tatendrang.
Menschen küssen fühlen,
Lippen zart, so weich verführen,
Hände halten, Schultern, Nacken,
und sicher dann die Hüften packen.
Menschen sterben, liegen, fragen,
Nicht mehr atmen, andere leiden,
zu sehr, vermissen, sehnen
Menschen sich nach Menschen.
Bitten, beten Menschen,
Gottes Wesen will vergeben,
nackt und bar von allem eben,
wirst du endlich auferstehen.

Das trillionäre Wort Gottes

„(Prophet!) Sag: Wäre das Meer Tinte für die Worte meines Herrn, wahrlich, das Meer würde versiegen, ehe die Worte meines Herrn zu Ende gingen, auch wenn Wir es an Masse verdoppeln würden.“ (Sure al-Kahf 18: 109)

Der Koran ist nicht nur das meistgelesene und meistrezitierteste Buch, sondern auch das wundervollste Buch, das in unserer Galaxie existiert. Es gibt einige Verse, die große Rätsel aufgeben und neugierig machen, andere Verse enthalten Mysterien, Geheimnisse und manchmal auch mathematische Hochrechnungen.

Der oben zitierte Vers ist ein mathematischer Vers, bzw. ein Vers, den man mathematisch auswerten kann. Das habe ich getan und habe mal ausgerechnet, wie viel Liter Wasser die Weltmeere besitzen. Und dann stelle ich mir vor, dass es Tinte sei. Danach rechnete ich aus, wie viel Tinte man für ein Buch von ca. 400 Seiten Umfang bräuchte. Das Ergebnis ist wie zu erwarten überwältigend und erschreckend zugleich.

Das Ergebnis:
4,014 Trillionen Bücher könnte man aus dem Weltmeer machen, wenn es aus Tinte wäre. 8,028 Trillionen Bücher wäre dementsprechend das Ergebnis eines hinzugefügten Gleichen. Konkret sind es 4.014.000.000.000.000.000 Bücher. Also eine 4 mit 18 nachfolgenden Stellen, was wir als Trillion bezeichnen würden. Was das bedeutet, begreift man, wenn man sich das – mathematisch kleiner – vorstellt. Ungefähr 2 Mrd. mal 2 Mrd. Bücher hätte Gott uns mitzuteilen, wobei er hinzufügt, dass weitere 2 Mrd. mal 2 Mrd. Bücher Seiner Mitteilungswürde nichts wegnehmen würden.

Es gibt 2017 weltweit ungefähr 140 Mio. Bücher (= 140.000.000). Wie viele und welche werden Sie noch lesen?

Was mich daran erstaunt, ist nicht nur die hohe Anzahl, die ja kaum noch fassbar für uns ist, weil man Galaxien mit den Büchern damit tapezieren könnte, sondern die Tatsache, dass diese für uns schwer vorstellbare Zahl nicht ausreicht (auch verdoppelt), um an Gottes Worte zu gelangen.

Was gehört nun alles zu den Worten Gottes? Diese Frage ist sehr groß und kann in einem kurzen Text nicht beantwortet werden. In jedem Falle ist alles, was existiert, die Schöpfung, und jede Schöpfung entsteht durch ein Wort Gottes. Mit den „Worten Gottes“ können also nicht nur sprachliche Worte gemeint sein, sondern auch Geschöpfe. Dies wiederum hieße im Umkehrschluss, dass die Geschöpfe Gottes so unermesslich zahlreich sind, dass zwei Weltmeere voller Tinte nicht ausreichten, um sie festzuhalten. Andererseits finde ich es bereits unfassbar, dass die Worte Gottes so gigantische Ausmaße in ihrer Anzahl besitzen. Da fragt man sich natürlich, was Gott alles zu sagen hat.

Auch erlaubt es ein klar unvorstellbares Bild von dem, was wir so gerne versuchen einzuschränken, wenn es um Gott geht. Wie viele Bücher brauchen wir selbst, um alles zu sagen, was wir sagen möchten? Vielleicht 40, wenn wir lange genug darüber sinnieren. Oder 400?! Wie viel davon wäre nicht gefloskelt?

Bei Allah reichen zwei Weltmeere aus Tinte nicht aus. Und das sagt Allah uns auch nur, damit wir neugierig überprüfen dürfen, ob das viel wäre. Das Wort „viel“ ist da nicht wirklich ausreichend. Das Wort „unfassbar“ trifft es eher, weil es für uns nicht wirklich fassbar ist. Allein das Bild von 2 Mrd. mal 2 Mrd. ist schwierig zu erfassen.

Ach, diese Religionen!

muslims

Große Fragen des Lebens. Für viele bleiben sie unbeantwortet. Spiritualität ist eine schwierige Angelegenheit, vor allem in einer Zeit, in der die Welt so greifbar wie nie zuvor zu sein scheint. Über den Islam wird vieles gesagt. Meistens auch, dass es den Islam gibt. Und andere sagen, dass es ihn nicht gäbe, dass es mehrere Ausformungen gäbe. Im Prinzip aber haben beide Parteien recht. Im Folgenden möchte ich einige Gruppen unter Muslimen bzw. im Islam klassifizieren, was jedoch viel mehr eine Skizze wird. Ausführlichkeit erachte ich nicht als wichtig in diesem Kontext, weil jedem klar sein wird, was und vor allem wen ich meine.

Gruppe 1 – „Der 08/15-Islam“:
Dieser Islam ist eine Klassifikation der meisten Muslime, die lediglich ein Wonnegefühl im Zusammenhang mit dem Islam verbinden. Sie sind völlig unpolitisch, beschäftigen sich mehr mit der Welt und mehr mit sich selbst und ihren Nächsten.

Gruppe 2 – „Der Zuhälter-Islam“:
Das ist der Islam der Muslime, die spirituelle Ansprüche hegen, obwohl sie keinerlei Relevanz in ihrem eigenen persönlichen Leben haben. Sie nutzen ihren Islam, um ihr Verhalten in jeder Hinsicht zu rechtfertigen. Meistens sind sie kriminell und sehen im Islam einen Ausstieg aus ihrer Kriminalität.

Gruppe 3 – „Der Haram-Islam“:
Vermutlich die unbeliebteste Menschengruppe auf der Welt. Es handelt sich um Moralisten, die anderen Menschen vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben. Ihr Islam kommt ihnen dabei zu Hilfe, weil die Wortgewalt einzelner Termini bei vielen Muslimen großen Respekt genießt. Wegen dieser Gruppe verlieren diese Begriffe alle an diesem Prestige.

Gruppe 4 – „Der Senf-Islam“:
Es handelt sich oft um pseudo-intellektuelle Muslime (viele Akademiker), die der Meinung sind, dass der Islam einer Aufklärung bedürfe. Meistens befolgen große Sekten wie die Gülencis oder z. B. die Oxford-Muslime diesen Islam. Sie haben überhaupt keine Verbindung zu ihren Glaubensgeschwistern und reden, um zu gefallen.

Gruppe 5 – „Der verschleierte Islam“:
Diesen Islam üben Muslime aus, die sich für andere Muslime schämen und sich ungern dazu äußern, weil sie nicht mit ihnen assoziiert werden möchten. Sie würden sich trotzdem niemals von dem Islam trennen.

Gruppe 6 – „Der Macho-Islam“:
Beliebt unter vielen jungen Leuten, weil er in gewisser Weise eine Art Ersatz-Rap-Kult geworden ist. Es handelt sich aber leider nur um einen Kult rund um einzelne Prediger, die die Welt und andere Menschen verfluchen ohne auch nur das kleinste zu verändern. Sie spielen mit den Gefühlen ihrer Zuhörer.

Gruppe 7 – „Der Sand-Islam“:
Eine Art Islam für Araber zurechtgestutzt. Nicht mal in der Wüste zu gebrauchen.

Gruppe 8 – „Der Rebellen-Islam“:
Das ist der Islam der Muslime, die alle anderen Muslime bekämpfen, die den Islam in den Dreck ziehen. Leider sind diese Muslime aufgrund ihrer Wortwahl sehr unbeliebt, was sie jedoch nicht zu Lügnern macht.

Gruppe 9 – „Der Geschwister-Islam“:
Eine Art Geschwistereikult mit Hang zur intensiven und zerstörerischen Lästerei. Ehen, Beziehungen, Familien und Menschen hat diese Sorte erfolgreich um die Ecke gebracht.

Gruppe 10 – „Der Sahaba-Islam“:
Muslime, die sich mit den Altvorderen vergleichen, obwohl sie sich dazu die Zungen abschneiden müssten. Meistens sind sie gegen alle anderen Menschen, haben eine starke Abneigung gegen kulturelle & gesellschaftliche Vermischungen, kennen aber die Namen ihrer eigenen Nachbarn nicht.

Gruppe 11 – „Der Kuchen-Islam“:
Eine Sorte von Glauben, die sich mehr mit der Esskultur und ihrer Vielfalt unter Muslimen beschäftigt als mit spirituellen Themen. Meistens sind es Muslime, die besonders im Ramadan zunehmen.

Gruppe 12 – „Der Highlight-Islam“:
Grundsätzlich hat das nächste Leben in diesem Islam nur bei Geburt, Verlobung, Heirat eine Bedeutung.

Gruppe 13 – „Der Nachrichten-Islam“:
Alles, was den Islam in den Schmutz zieht, wird von dieser Gruppe benutzt, um eine vermeintliche Einheit zu suggerieren. Allerdings begeht man meistens den Fehler Nachrichten mit göttlicher Offenbarung gleichzusetzen.

Gruppe 14 – „Der Islam der Männer“:
Eine Horde von Akademikern, die glauben, dass sie entscheiden dürfen, was Islam sei, was nicht und wie toll sie selbst philosophieren können.

Gruppe 15 – „Der Sharab-Islam“:
Das ist die Gruppe, die ab und zu – manchmal einbisschen viel – trinkt, aber grundsätzlich nie etwas zum Islam sagt. Der Glaube ist da, aber auch große Schuldgefühle, weil sie sich selbst des Islam nicht würdig erachten.

Gruppe 16 – „Der rote Islam“:
Ähnlich wie im Rebellen-Islam ist diese Gruppe sehr unbeliebt, weil sie den Kommunismus/Sozialismus als sinnvoll erachtet. Meistens jedoch leben diese Menschen ein Leben lang im Spagat, weil sie sich nicht entscheiden können, ob sie an ein Leben nach den Tod glauben wollen oder nicht.

Gruppe 17 – „Der Style-Islam“:
Diese Gruppe hat eine Schwäche für Symbolik, Mysterien und für alte – somit versandete – Geschichte. Sie sehen sich selbst als Löwen, benutzen Halbmonde und Kalligraphien in exzessiver Manier, hantieren mit Begriffen wie mit Besteck, wollen aber eigentlich nur irgendwo dazu gehören und das andere Geschlecht beeindrucken.

Gruppe 18 – „Der Erdbeer-Islam“:
Meine Lieblingsgruppe, da es sich um Menschen handelt, die die Welt und das Leben lieben, aber leider zu naiv sind, so dass sie das nicht lange durchhalten. Ihr Fehler ist, dass sie von der Mitte zu sehr Richtung Barmherzigkeit gehen. Sie haben zu viel Herz, was eine Erdbeere symbolisiert.

Gruppe 19 – „Der Vampir-Islam“:
Tagsüber Gebet, nachts Disco. Ein Spagat, der viele dieser Gruppe unbeliebt macht, obwohl sie sehr gut damit zurechtkommen. Meistens werden diese Muslime am meisten verflucht, weil sie durch ihre Lebensart zeigen, dass es auf jeden Fall möglich ist.

Gruppe 20 – „Der Teppich-Islam“:
Eine esoterische Gruppe von Konvertiten, die einfach eine Schwäche für den Orient haben und sich erhoffen, durch die Annahme des Islam bei Muslimen gut anzukommen.

Gruppe 21 – „Der Gang-Islam“:
Diese Gruppe teilt alles in Kategorien. Menschen in Gruppen. Auch Muslime. Dieser Text kann dazu gezählt werden. Das sind Menschen, die sich gerne streiten, weil entweder gerade kein Fussball läuft, oder aber sie andere Menschen einfach nicht mögen.

Gruppe 22 – „Der Antidepressiva-Islam“:
Eine Gruppe von Muslimen, die nicht mit Depressionen umgehen können und die Antworten für all ihre Probleme im Islam zu finden glauben. Ihr größtes Problem ist, dass sie sich selbst etwas vormachen.

Gruppe 23 – „Der Bauern-Islam“:
Das ist eine Gruppe von Muslimen, die so wenig Wissen besitzen, dass es das Wenige, was wirklich vorhanden ist, ruiniert. Sie reden mehr als alle Gruppen zusammen über den Islam, ohne dass jemand einen Nutzen davon hat.

Gruppe 24 – „Der Hochzeitsislam“:
Diese Menschen vertrauen darauf, dass die Ehe all ihre Lebensqualitäten beendet. Meistens leben sie vorher alles aus, verhalten sich danach wie es überhaupt nicht zu ihnen passt. Sie zwingen sich trotzdem hindurch, wenn der Partner das auch mitmacht.

Gruppe 25 – „Der Islam-ohne-Islam“:
Diese Muslime sind am schwierigsten zu beurteilen. Oft sind es Ex-Muslime, die einfach die Präsenz des Islam nicht mögen. Sie wünschen sich, dass er nicht existiert, weil sie glauben, dass die Menschen sich nicht so verhalten würden, wie sie sich verhalten. Islam ist für sie die Quelle alles Bösen.

Gruppe 26 – „…“

Ich könnte noch lange so weitermachen. Womöglich käme ich weit über 70 Gruppen hinaus. Zum Schluss möchte ich noch die wichtigste Gruppe aber benennen. Sie geht unter den fehlerbehafteten Gruppen sehr oft unter. Ich möchte auch dazu sagen, dass Religionen selten das Problem sind, weil es sich i. d. R. um soziologische Probleme handelt, psychische und kollektive Kulturen, die nicht mehr wissen, wie man miteinander umgeht. An den vielen Gruppen merkt man auch, dass die jeweiligen Fehler sich aus dem Umgang mit dem Leben ergeben, nicht aus dem Glauben.

Gruppe X – „Der Islam“:
Menschen, die sich zum Islam bekennen, weil er bessere Menschen aus ihnen macht. In den Angelegenheiten anderer Menschen mischen sie sich nicht ein, weil sie mit sich und ihren Nächsten beschäftigt genug sind. Sie befolgen stets den Weg der Mitte, in allen Dingen & Lebenslagen. 

Buchstabiere deinen Namen nicht!

Denk ich an Deutschland in der Nacht, hab ich ’nen langen Tag gehabt. Fremd ist mein Nachname, keine Frage. Zemhoute. Klingt für viele Ohren Holländisch, dabei bin ich so holländisch wie ein somalisches Piratenschiff. Was mich irritiert, ist der Umgang mit fremden Namen in Deutschland. Leider geht es nicht um die Fremdheit, sondern um die außer-europäische Fremdheit. Martinez, Coreila, Agustino, Popolakis, etc. sind auch fremde Namen, aber sie werden nicht in Frage gestellt. Man geht in meinem Falle vom Holländischen aus, um die nicht-europäische Herkunft bestätigt zu sehen. Dabei ist mein Name ein deutscher Name. Ich buchstabiere meinen Namen nicht, und Sie müssen sich auch nicht hereinsteigern bei der Aussprache. Damit machen Sie sich nur lächerlich. Es gibt eine ungeschriebene Grundregel der Kommunikation. Man spricht ein fremdes Wort, so wie man es hört. Nicht so, wie fremd es sich anfühlt. Ich freue mich darüber, dass es in einigen Generationen so viele Zemhoutes geben wird, dass jeder Schmidt erkennt, wie Deutsch der Name Zemhoute ist. Vermutlich fragt dann ein kleiner Zemhoute: „Schenitt?! Klingt merkwürdig. Ist das ein deutscher Name?!“
„Es heißt SCHMIDT!“
„SCHNUTT! Oh Verzeihung, ich kann das nicht aussprechen.“
Bei dem Gespräch grinst Herr Schmidt wie der Urgroßvater seines Gegenübers, als er gefragt wurde: „Zonaute?!“
Und das in Deutschland 2116. Das ist Science-Fiction, oder?!

Das deutsch-türkische Potenzial

In diesem Buch geht es um einige wichtige Aspekte, die die deutsch-türkischen Beziehungen betreffen. Besonders in Zeiten von Erdogan und zunehmender Türkei-Berichterstattung gestalten sich die deutsch-türkischen Beziehungen schwierig. Mit diesem Büchlein möchte ich erreichen, dass man einen gesunden Abstand zur Situation gewinnt und entschlossener handelt.

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Koran – Die schönsten Geschichten

Ich denke schon sehr lange über den Vers 3 in der Sure Yusuf nach, in dem es sinngemäß heißt:

„Wir berichten dir die schönsten Geschichten dadurch, daß Wir dir diesen Qurʾān eingegeben haben, obgleich du zuvor wahrlich zu den Unachtsamen gehörtest.“

Ich selbst bin ein Geschichtenerzähler. Ich schreibe und erzähle seit meiner Kindheit Geschichten. Ich lausche auch gerne den Geschichten anderer Menschen und Geschichten, die das Leben erzählt. Ich frage mich, wieso Gott im Koran sagt, dass Er die schönsten Geschichten darin offenbart. Ist eine Geschichte nicht schöner, wenn sie ein Mensch erzählt? Hat eine Geschichte nicht mehr Leben, wenn sie ein Beteiligter erzählt? Ja, gewiss. Und wer kennt unsere Geschichten besser als der Schöpfer der Schreibfeder? Niemand. Er sieht uns ohne Raum und Zeit.

Ich schreibe Geschichten, und ich finde sie faszinierend. Auch die Geschichten im Koran. Das Spannende an einer Biographie ist nicht von außen zu betrachten, sondern nur von einem einzigen Menschen selbst. Er hat die Fähigkeit, seine Biographie mitzuschreiben, indem er entscheidet und auswählt. So ist es eine persönliche Entscheidung, mit wem man sein Leben verbringen möchte. Genauso ist es wichtig, wie man sein Leben verbringen möchte und wie man dazu steht. Im Koran kommt diese Konstante zum Ausdruck, da alle menschlichen Figuren sehr berührt, einsichtig und herzlich agieren. Es gibt Momente, die uns zu Tränen rühren können.

Heute bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass diese koranischen Geschichten alle etwas gemeinsam haben. Sie sind nicht fragil oder halbherzig erzählt, sie sind nicht lückenhaft oder fragmentarisch. Viel mehr sind sie existenziell für unser aller Leben mit zahlreichen Dimensionen, die sich in Raum & Zeit stets neu erschließen lassen. Für jeden Geschichtenerzähler und Poeten ist der Koran noch heute ein Wunderwerk. Bei jeder Lektüre offenbart sich der Koran neu, sogar in fremden Sprachen birgt der Koran diese Kraft in sich. Es ist unfassbar. Jeder Schriftsteller wünscht sich, eines Tages auch nur einen einzigen Vers zu schreiben, der an die Herrlichkeit des Korans herankommt.

Aber zum eigentlichen Grund, zur ursprünglichen Frage zurück. Warum „a7san al-qasasi“ (arab. „die schönsten Geschichten“)? Weshalb stehen im Koran die schönsten Geschichten der Menschheit? Ich glaube, eine weitere Antwort auf diese Frage ist der Wille und das Wollen Gottes. In keiner Stelle des Korans kommt der Böse davon. Und nie lässt Allah den Guten im Stich. Und Allah tadelt die „Guten“, wie er auch die „Bösen“ ermahnt, damit sie nicht doch vielleicht umkehren. Aber letztendlich bekommt jeder, was er verdient. Nicht nur nach Gottes Willen, sondern auch gemäß logischer Schlussfolgerung. Und diese Gewissheit, dass kein Schmerz und keine Wohltat, wie auch kein Unrecht verloren geht, ist fantastisch. Manchmal gibt es viel Barmherzigkeit von göttlicher Seite.

Das Leben erzählt seine Geschichten niemals auf diese Art. Es sind koranische „Happy Ends“ im wahrsten Sinne des Wortes, weil Gott letztendlich weiß, was am besten für seine Geschöpfe ist. Viele Menschen haben ein Problem damit, Happy Ends zu mögen, aber der Koran ist voll von Happy Ends. Es sind keine egoistischen Schlüsse, sondern Schlüsse und Enden im Sinne des Allmächtigen. Wer Ihn kennt, der mag dies erkennen und Zufriedenheit wird in sein Leben kommen. Denn auch die Geschichte jedes einzelnen Menschen erzählt Gott, und Er hat jedem von uns eine Schreibfeder geschenkt. Jeder Mensch ist in der Lage seine Wogen zu glätten, sein bestes zu tun, zu lieben, seine Fehler zu erkennen und aktiv zu werden, wo auch immer er ist. Gott hat uns sehr viel gegeben.

Das musste Er nicht machen. Er musste uns nicht erschaffen. Er musste uns nicht schön gestalten. Er musste uns keine liebesreiche Gesichter schenken. Er musste gar nichts für uns tun. Und dabei sagte Er uns so viele wichtige Dinge. Das wichtigste ist, dass Er nicht auf unser äußeres Haben und Schauen schaut, sondern auf unser inneres Sein, auf unsere Herzen, was tief in uns an Wünschen, Träumen und Geheimnissen steckt. Darauf schaut Er. Das zählt für Ihn.

Was zählt für uns? Häufig würdigen wir unsere Einbildungen mehr als unsere echten Gefühle. Das macht uns sehr traurig, obwohl wir es nicht sein müssten. Ich weiß, dass es Menschen auf dieser Welt gibt, die andere Menschen sehr vermissen. Was diese Menschen nicht vergessen dürfen ist, dass sie ebenfalls vermisst werden. Wie im Koran fügt Allah die Seelen zusammen, die zusammen gehören, selbst wenn eine davon, nicht dazu in der Lage ist, aus welchen Gründen auch immer. Außerdem weiß ich, dass die schönsten Geschichten diejenigen sind, an die man sich noch Jahre danach erinnert. Insofern zeigt uns die Zeit, was wahre Liebe bedeutet, so wir daran zweifeln. Ich habe die Liebe noch nie angezweifelt, aber auch nur, weil ich Gott niemals anzweifelte und seine Geschichten ebenso wenig. Wenn Sie jemanden vermissen, dann lieben Sie. Je unangenehmer der Sehnsuchtsmoment, desto größer die Liebe.

Jihad – Was ist das?

Viele Irrtümer und Fehlinterpretationen existieren um diesen Begriff herum, so dass Menschen keinen Zugang zur Wirklichkeit seiner Dimensionen erhalten. Der Begriff Jihad kommt aus dem Arabischen, und entnimmt seine Bedeutung der muslimischen Geschichte. Jihad hat nichts mit Krieg, Heiligem Krieg, Terror und Gewalt zu tun. Viel mehr handelt es sich bei diesem Begriff um ein spirituelles Konzept, das die gesamte Menschheit impliziert.

Der Mensch ist zu außerordentlichen Dingen fähig, wenn er sich nur darum bemüht. Dieses menschliche Bemühen, getaucht in höchster Konzentration und mit voller Hingabe im Fokus, ist die essenzielle Bedeutung des Jihad. Das heißt auch, dass dieser arabische Begriff eine universelle Bedeutung hat, die jedem Menschen – ob Muslim oder nicht – zukommt.

Sportler, Anführer, Künstler, Techniker, Erfinder, Wissenschaftler, etc. all diese Kategorien menschlicher Leistungen implizieren das universelle Konzept des Bemühens bzw. Sich-Bemühens. Der Jihad mit tiefen Wurzeln im Islam ist durchaus universell zu begreifen.

Im Islam gibt es natürlich einen wesentlichen Jihad, der alle anderen Formen umfasst. Nichtsdestotrotz ist die spirituelle Tragweite auf alle Lebensbereiche ausgeweitet. Der höchste Jihad für den Muslim ist jedoch der Jihad auf dem Weg zu Allah. Dies bezeichnet eine sehr intime Spiritualität zwischen Geschöpf und Schöpfer. Dadurch, dass der Muslim sich bemüht, Gott näher zu kommen, vertieft er seine Spiritualität und gelangt zu einem erneuerten Bewusstsein, dass seine Lebensqualität steigert und verbessert.

Basis dieses Jihads auf dem Weg zu Allah ist eine Beziehung gefüllt mit Kenntnissen über den Schöpfer. So macht man seine Spiritualität ausbaufähig und erreicht die göttliche Gegenwart Tag für Tag ein bisschen mehr. Das eigene Leben wird dabei nicht unwichtiger oder zweitrangig, im Gegenteil, wappnet man sich zunehmend gegen alle Widrigkeiten des Lebens und geht infolgedessen besser mit ihnen um.

Der Jihad in Verbindung mit Allah ist der edelste, weil er die weltliche Wirklichkeit transzendiert, ihre Schleier lüftet und auf das kommende Leben vorbereitet, an das jeder Muslim glaubt. Allah nämlich ist nicht an Raum & Zeit gebunden, Er ist nicht vergänglich und auch erscheint jedes „Problem“ im Angesicht des Schöpfers und Seiner Gegenwart als nichtig. Daher braucht jeder Muslim, jede Muslimin diesen Jihad, um ein würdevolleres Leben zu führen im Kampf für das Wohlgefallen des Schöpfers. Allerdings handelt es sich dabei um einen spirituellen Kampf mit Herz und Verstand, nicht mit Schwert und Kugelhagel.