2023: Das deutsch-türkische Potenzial | Türkei, Deutschland & Europa

 2023 Das deutsch-türkische Potenzial Türkei, Deutschland & Europa Youssef Zemhoute Erdogan Türkisch

Dieser Text ist im November 2016 verfasst worden. Seitdem hat sich einiges geändert, u. a. die elitistische Konsolidierung innerhalb der Türkei seitens der regierenden Partei AKP unter Erdogan. Der Nepotismus wurde nicht nur radikaler und trat offener zu Tage, sondern schwenkte man die politischen Ziele weg von verfassungsmäßigen Grundrechten, um ökonomische Autonomie als höchste Priorität zu setzen. Dadurch entstand eine expansive Türkei ultranationalistischer Gestalt, die danach trachtet, sich China anzugleichen und gen Asien zu orientieren anstatt europäische Beziehungen wiederherzustellen. Abgesehen davon wachsen die sozio-ökonomischen Probleme – gemeinsam mit der Inflation – von Monat zu Monat an, wodurch die türkische soziokulturelle Stärke ausgehöhlt wird. Erdogan hat sich mit seiner Politik von der Bevölkerung endgültig abgekapselt, wobei seine – eindeutig propagandistische – Kontrolle über sämtliche Massenmedien gewalttätig durchgesetzt wird. Im Jahre 2016 sah ich in der türkischen Regierung das Potenzial mit Europa zusammenzukommen, was ich heute (Stand 2021: https://www.gtai.de/gtai-de/trade/wirtschaftsumfeld/wirtschaftsausblick/tuerkei/tuerkische-wirtschaft-hofft-aufs-jahr-2021-247908) leider nicht mehr sehe. Nichtsdestotrotz stimmt natürlich immer noch, was ich damals geschrieben habe, nur würde ich es nicht mehr so wohlwollend kommentieren, denn kein Fortschritt darf Grundrechte und verfassungsmäßige Konformität übertrumpfen. Das ist meine politische Grundhaltung, wenn es um Rechtsstaatlichkeit und Politik geht, die natürlich in keinem Land dieser Welt existiert. 

Vorwort

Vieles wird heutzutage über die Türken erzählt, geschrieben, getuschelt und wir erleben auch einiges an Hetze. Womit das zusammenhängt, lässt sich in wenigen Sätzen leider nicht formulieren. Es handelt sich um eine soziologisch-komplexe Situation, die viele Faktoren impliziert. Wer verstehen will, warum sich ein Chaos in den sozialen Netzwerken etabliert hat, oder weshalb die Berichterstattung hinsichtlich der Türkei zunimmt, der muss sich ausführlich mit der weltpolitischen Situation auseinandersetzen, aber auch die Geschichte reflektieren. Die Politik im Nahen Osten ist ein – im wahrsten Sinne des Wortes – Pulverfass, und auch die türkische Innenpolitik verstehen wir in diesem Zusammenhang in Deutschland nicht wirklich. Umgekehrt versteht man in der Türkei nicht, warum sich Politiker in staatliche Angelegenheiten einmischen wollen, aber gleichzeitig Bedingungen für den Umgang mit der Migrationskrise stellen. Die Feindseligkeiten scheinen zuzunehmen, wobei kaum jemand optimistische Ansichten hegt. Dem gehe ich gerne auf die Spur, aber in erster Linie soll dieser kleine Text dazu dienen, die Komplexität deutsch-türkischer Beziehungen skizzenhaft nachzuvollziehen. Es ist wirklich keine leichte Thematik, aber der Umgang mit ihr muss gerade deswegen in respektvollem Umgang miteinander vollzogen werden. Demut gebietend überfliege ich einzelne Aspekte deutsch-türkischer Beziehungen, um etwas mehr Leben & Klarheit in die Debatten und Streitigkeiten zu bringen.  

Zwischen Deutschland und der Türkei gibt es vielerlei Beziehungen, die gepflegt und umsorgt werden. Die deutsch-türkische Geschichte ist eine Geschichte alter und neuer Beziehungen, die sich im Wandel der jüngsten Menschheitsgeschichte fortwährend anreicherten. Dennoch ist der Türkenhass, der seinen Ursprung in der österreich-ungarischen Kultur hat, in seinen Grundzügen vom Großteil der deutschen Bevölkerung übernommen und forciert worden. So sind Türken eine verhasste Schicksalsgemeinschaft vor allem in Deutschland geworden. Die Ansiedlung der Gastarbeiter zusammengerauft in Heimen hat sich im Zuge dessen dementsprechend als ungünstig erwiesen. Wenn eine Minderheit von einem mehrheitlichen Konsens stigmatisiert ist, richtet sie sich nach innen und verhärtet sich nach außen hin. Dieses Prinzip des Anspannens der zwischenmenschlichen Beziehungen ist ein anthropologisches Phänomen, das jedes Volk in sich birgt. Die Menschheit hat schon vielerlei durchgemacht, was die Konflikte zwischen Völkern angeht. Es ist wichtig, die deutsch-türkischen Beziehungen im Angesicht neuer Herausforderungen auf unserer Welt zu erneuern. In besonderem Maße betrifft dies die europäische Zukunft. Über die Türkei ermöglichen wir uns in Europa eine größere Unabhängigkeit von der US-amerikanischen Vorherrschaft auf allen Ebenen. Ein selbstständiges Europa erbaut und errichtet sich seine Beziehungen vollkommen selbstständig. Dieses Europa ist genau die Art von Kontinent, die wir in der modernen Zeit, im Zeitalter der fortschreitenden Technologie benötigen.

Das Potenzial, von dem hier die Rede ist, umfasst allgemein gesprochen die Potenziale beider Länder & Kulturkreise. In erster Linie wird hier von wirtschaftlichen & politischen Potenzialen die Rede sein. Natürlich handelt es sich um Menschen, aber es ist nicht verkehrt, wenn Menschen aus wirtschaftlichen & politischen Gründen zusammenkommen. In diesen beiden Sphären werden sich meine Ausführungen entwickeln. Ich hangle mich an den wichtigsten Leitlinien unseres politisierten Alltags hindurch, um eine möglichst verständliche Darstellung meiner Ansichten zu gewährleisten. Der Kern des deutsch-türkischen Potenzials bildet die türkische Minderheit in Deutschland.

Einerseits gibt es ein politisches Leben, andererseits ein wirtschaftliches Leben. Beide wirken in einem einzigen Leben zusammen, und stellen wesentliche Kräfte dar. Wir beobachten heute allzu gut, wie politisiert die Gemüter sind und zugleich, wie sehr sich unser wirtschaftliches Empfinden um das Mehr-Haben dreht. Wir sind durch und durch kapitalistisch veranlagt und ausgerichtet. Kapitalismus bezeichnet das Vermehren des Vermehrten auf Kosten der arbeitenden Menschen. Das bedeutet, dass nicht derjenige profitiert, der mehr arbeitet, sondern derjenige, der mehr Arbeit schafft im Sinne einer Investition. Wir können darüber stundenlang streiten und es gibt viele Vor- und Nachteile eines solchen Systems. Darüber möchte ich jedoch nicht schreiben. Und nicht über ein gerechteres Handeln seitens der Eliten. Nicht weil es nicht nötig sei, sondern weil die Arbeiter, die Menschen nicht an einer Veränderung des Systems interessiert sind. Wir möchten allesamt in Berechenbarkeit leben. Ob in Deutschland oder in der Türkei, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Politik bezeichnet den Umgang mit zugewiesener Macht. Die Macht kommt von einer großen Menschengruppe. Je größer diese Gruppe ist, desto wichtiger ist die ausgeübte Politik. Selbstverständlich spielen andere Faktoren eine große Rolle, aber in Sachen Politik geht tatsächlich alle Gewalt vom Volke aus. In jüngster Geschichte zeigen es die Beispiele der Montagsdemos in Deutschland (seit 2013 zunehmend), sowie die erstaunliche Ruhe der türkischen Gesellschaft trotz turnusmäßiger Attentatsserien (ebenfalls zunehmend seit 2013). Menschen versammeln sich, um durch ihre große Anzahl, gleichzeitig ihre Macht zu demonstrieren, was in höchstem Maße demokratisch ist. Und wenn der Staat große und selbstständige Versammlungen nicht gutheißt, so sind sie doch Bestandteil demokratischen Lebens. Politik wird daher immer wichtig bleiben, und dort ist sie am effizientesten, wenn Politiker und Völker zusammenarbeiten, einander vertrauend.

Diese Form des politischen Lebens beobachten wir in der Türkei. Das Staatsoberhaupt und sein Regierungsstab arbeiten zusammen, während das Volk zu ihnen steht. Natürlich gibt es Gegner der türkischen Führungsriege, keine Frage, aber es gibt immer eine Gegenmeinung, egal wer regiert. Je lebendiger und präsenter diese Gegengruppe ist, desto wahrhaftiger erscheint die demokratische Regierung des Landes. Die türkische Linke verbrüdert mit der laizistischen Bourgeoisie gehört zur Türkei dazu, wie die katholische Kirche zu Deutschland. Aber bestimmt werden die Staaten immer weniger von ihnen, weil sie beiderseits Hindernisse bieten, gegen eine gesunde Entwicklung beider Staaten & Gesellschaften. In Deutschland herrschen Parteien im Sinne demokratischer Debatten im Parlament, wie es in der Türkei üblich ist. Genauso gibt es enge Verbindungen zwischen wirtschaftlichen Konzernen und Politikern, was ebenfalls nicht abwegig sein muss, in beiden Staaten. Schließlich wählen wir alle die DSP (= Deutsche Steuer Partei), wenn es sie gäbe und sie uns eine Lohnsteuer in Höhe von maximal 10% verspräche. Also, ich zumindest würde sie wählen. Ich denke dabei nicht an die Konsequenzen, sondern daran, dass ich persönlich mehr Geld zur Verfügung hätte. So denken unsere Politiker, wobei sie zunehmend vergessen, dass sie in Verantwortung für andere handeln. Nämlich für uns, ihre Wähler und Bürger. Wer würde noch investieren, wenn die Unternehmenssteuer bei 50% in Deutschland läge? Was wäre unser deutscher Staat ohne die Steuerflucht? Politiker sorgen sich darum und handeln im Interesse des Kapitals. Wir handeln ebenso im Interesse des Kapitals, aber nicht weil wir dafür bezahlt werden, sondern weil wir keines haben. Das Leben ist eine wahrhaftige Zwickmühle.

Ich finde es in Ordnung, dass es so läuft, weil es schlimmer sein könnte. Der Grad der Korruption ist in Deutschland sehr gering, da die Justiz solide und nachdrücklich durchgeführt wird. Es ist schwierig, in Deutschland das Recht eines Menschen zu unterschlagen, wenn er sich dessen bewusst ist und gewillt für sein Recht eintritt. In Marokko z. B. ist der Grad der Korruption so hoch, dass es kaum möglich ist – als Marokkaner –, ohne Bestechung hindurch zu reisen oder amtlichen Papierkram zu erledigen. Im Gegensatz dazu gibt es in Deutschland schlimmstenfalls eine rassistische Ausweiskontrolle bzw. Diskriminierung auf allen Ebenen aufgrund der eigenen Herkunft, die man mit Geld gar nicht loswerden kann. In der Türkei gibt es noch immer Korruption, auf vielen Ebenen und wegen der Menschenmassen, die es dort hintreibt. Doch die Armut schwächt ab und die Investitionen nehmen zu. Allein die türkischen Fluggesellschaften sind verstärkt damit beschäftigt, Menschen aus aller Welt hinein und hinaus zu fliegen. Dies ist der anatolischen Lage zu verdanken.

Die Türkei verbindet geographisch gesehen drei Kontinente miteinander. Den asiatischen, den europäischen und den afrikanischen Kontinenten, wobei die Beziehung zu letzterem noch ziemlich schwach ist. Doch gerade die Verbindung zwischen Europa und Asien wird durch die Türkei besonders betont. Mit Hilfe der Türkei ist es nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa möglich, einen wirtschaftlichen Kooperationsgürtel zu bilden, so dass die Amerikaner gezwungen wären, ihre imperialistische Außenpolitik zu ändern. Ihnen drohe infolgedessen die politische & wirtschaftliche Isolation. Zudem wäre die US-amerikanische Administration dazu gezwungen, mit der Welt auf Augenhöhe zu kommunizieren. Dies bedeutet für Deutschland und Europa etwas Gutes. Meiner Meinung nach ist die Europäische Union von den USA wesentlich bedrohter als von irgendeiner anderen Nation. Die europäische Selbstständigkeit existiert nicht ausreichend, weil sich die Amerikaner noch zu sehr in inner-europäische Angelegenheiten einmischen. Allzu sehr vertiefe ich dieses Thema hier nicht, aber grundsätzlich geht es bei der türkisch-deutschen Kooperation auch darum. Der Amerikanismus ist die einzige Ideologie, die dem Wachstum des deutsch-türkischen Potenzials im Wege steht. Eine Freundschaft mit den Amerikanern bleibt uns erhalten, aber sie muss gerecht stattfinden, um eine gerechte Verhandlungsbasis zu schaffen. TTIP und CETA gehören zum amerikanistischen Vorherrschaftsplan. Allein TTIP besteht aus 10.000 Seiten, die niemand gelesen und verstanden hat, aber für die sich Politiker eifrig engagieren, um sie durchzusetzen.

Ein deutsch-türkisches Abkommen wäre nötiger und nützlicher. Die größte Minderheit der Bundesrepublik Deutschlands ist die deutsch-türkische Bevölkerung. Daher erinnere ich gerne an das türkische Anwerbeabkommen. Deutschen Konzernen wurde die Möglichkeit eröffnet in der Türkei Arbeitskräfte anzuwerben. Die Türken zogen in Folge dessen mitsamt ihren Familien nach Deutschland, um zu arbeiten und sich eine eigene Existenz aufzubauen. Zuerst befristet auf zwei Jahre. Da der Bedarf anstieg, und die wenigen deutschen Bürger sich anschickten, jede Arbeit zu vollrichten, wurde die Kooperation fortgesetzt. Im Gegensatz  zu den italienischen, portugiesischen und polnischen, sowie auch russischen Einwanderern haben die Türken das ausgeprägteste Wirtschaftsverhalten entwickelt. Die Selbstständigkeit der Deutschtürken bedarf einer eingehenden Untersuchung und Forschung. Dieses Potenzial wird unterschlagen. Auch die wirtschaftliche Aktivität der deutsch-türkischen Bevölkerung ist ansehnlich. Ich bin der Meinung, dass es kein verschwenderischeres Volk gibt als das der Türken. Dies ist gar nicht verurteilend gemeint, sondern ethisch lobenswert zu deuten. Gemeint ist, wenn Türken Geld haben, geben sie es aus und horten es nicht. Mit dieser Einstellung sind sie empfänglicher für eine prosperierende Wirtschaft in der Region, in der sie leben. Dies ist kein rassistisches Urteil, sondern eine Aussage über den Ruf, den die Türken als „Volk“ bei anderen Völkern genießen.

Der Begriff „Volk“ ist an sich ein schwierig zugänglicher Begriff. Nicht weil wir nichts mit ihm assoziieren, sondern weil er eine Komplexität in sich birgt, die zu durchschauen sich schwierig gestaltet. Dabei ist nicht wichtig, danach zu fragen, was ein Volk sei, sondern viel mehr, was der Begriff „Volk“ bezeichnen möchte und bezeichnen kann. Wenn wir z. B. vom deutschen Volk sprechen, assoziieren wir alle blauäugiges Blondsein und helle Haut. Aber dies trifft auch auf skandinavische Völker zu. Und sogar in Nordafrika gibt es ganze Stämme, die blonde Persönlichkeiten beherbergen. Auch unter Indern gibt es blonde Menschen. Äußere gemeinsame Merkmale sind bei allen Menschen kreuz und quer zu finden. Was macht daher ein Volk aus? Ist es die Kultur? Ja, ein wenig, aber die Kulturen sind so reichhaltig und vermischt und unordentlich, dass es schwierig ist, einen Menschen anhand seiner Kultur zu begreifen. Aber es gibt ein Merkmal, an dem ich persönlich den Begriff eines Volkes festmache. Womöglich bestimmt dies am ehesten die Eigentümlichkeiten eines Volkes. Es ist nämlich seine Hochsprache. Dadurch, dass wir ein Volk nach seiner Sprache definieren, laufen wir auch weniger Gefahr in rassistische Kategorien zu fallen, wenn wir Urteile fällen. So ist es auch möglich, eine deutsche Identität zu benennen, die inklusiv alle Mitglieder unserer Gesellschaft impliziert. Es gibt nämlich eine deutsche Hochsprache, die wir alle verstehen und sprechen. Diese sprachliche Einheit formt einen großen, gemeinsamen Identitätsanteil. Was mich betrifft, kann ich sagen, dass die deutsche Sprache einen großen Teil meines Daseins besetzt, wie die Süße von Honig zu ihm gehört. Untrennbar! Meine Lebenswelten sind vorwiegend deutscher Prägung. Meine Identität ist auch marokkanisch, aber aufgrund meines Alltags beschränkt sich die Kommunikation mit Menschen auf deutscher Sprache. So bereichert mich die deutsche Sprache auch mehr als das Marokkanische. Kultur ist vielfältig, groß und mit vielen Farben verbunden, aber Kulturen sind nicht konkret voneinander trennbar. Sprachen im Gegenteil dazu schon sehr. Natürlich hat jede Sprache etwas von einer anderen übernommen. Aber bei der Sprache erkennt man ein übernommenes Wort, egal wie sehr es verinnerlicht und verdeutscht wurde.

Auch bei der Differenzierung des türkischen Volkes wird es schwierig, Gemeinsamkeiten bzw. eine Einheit zu entdecken, es sei denn man schaut auf die türkische Hochsprache. Jeder Türke versteht Türkisch. Auch wenn seine Hochsprache schwach ist, er versteht sie. So auch in Deutschland. Jeder Deutsche versteht die deutsche Hochsprache, egal wo er in Deutschland aufgewachsen ist und lebt. Sogar in Sachsen gibt es Menschen, die der deutschen Sprache mächtig sind.

Nichts stiftet so viel Identität wie eine Sprache. In diesem Zuge möchte ich die deutsche und die türkische Welt miteinander konfrontieren. Als zwei große Sprachwelten, die mehrere Völker verbinden. An Deutschland bindet sich sprachlich auch die Schweiz und Österreich, und an die Türkei die Staaten Aserbaidschan, sowie auch Türkmenistan. Grundsätzlich soll es mir in diesem Text jedoch um die Türkei und um Deutschland gehen. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten ist von hoher Wichtigkeit für die Zukunft Europas und sogar der ganzen Welt. Wenn ich in meinen Ausführungen also das Wort „Volk“ benutze, dann assoziieren Sie bitte eine sprachliche Einheit, keine Hautfarbe.

Kulturell sind unsere beiden Länder, Deutschland und die Türkei, ebenso verbunden. Eine bestimmte Baukultur und Haltung zu großen Projekten lässt sich in den Geschichten finden, die sich in der Geschichte der Neuzeit sogar überschneidet. Die Bagdad-Bahn war ein gemeinsames Projekt zwischen dem Osmanischen Reich und dem Deutschen Kaiserreich. Die Vorteile, die dieses Projekt in sich barg, waren verheerend. Für Deutschland und die beteiligten Investoren ging es dabei um eine Erweiterung des eigenen Einflusses, sowie auch der politischen Stärkung der Beziehung zwischen beiden Reichen. Die Osmanen schätzten die Fachkenntnis deutscher Ingenieure und wollten ihrerseits ihren Einfluss mit Hilfe der Deutschen regional stabilisieren. Das Projekt scheiterte jedoch bzw. wurde es nicht fortgesetzt. Es hat sich sprichwörtlich im Sande verlaufen. Womöglich auch wegen der Beteiligung armenischer Zwangsarbeiter am Bau der Bagdad-Bahn. Durch das verstärkte Aufkommen des türkischen Nationalismus wurden sämtliche Projekte nationalisiert oder sogar fallen gelassen. Auch der deutsche Nationalsozialismus hat die deutsche Kulturgeschichte tiefgreifend verklärt und nationalsozialisiert. Dies ist auch eine gemeinsame Tatsache der beiden Länder. Der Nationalismus ist so tief verwurzelt, dass es zu absurden Axiomen kam, die heute noch unter beiden Völkern geläufig sind. Wie z. B. „Deutschland den Deutschen!“, dementsprechend auf Türkisch „Ne mutlu Türküm diyene“ (= „Wie schön ein Türke zu sein“). Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Deutschen und Türken. Während nach dem 2. Weltkrieg, nach der Kapitulation der Deutschen – nicht der Nazis – die nationalsozialistische Ideologie ins kollektive Unterbewusstsein gelang, ist bei den Türken der Nationalismus Bestandteil ihres Selbstbewusstseins, der nach außen hin exzessiv präsentiert wird. Der türkische Nationalismus ist so stark unter Türken verankert und angesehen, dass die Benennung eines Fremden als Türken das größte Lob in ihrer Kultur darstellt. „Du bist Türke!“ Der Nationalismus hat im 1. Weltkrieg seinerseits die Identitäten (vor allem den Islam) ins Unterbewusstsein der Menschen verdrängt. Das Ansehen Atatürks ist so groß, dass es schlimmer als Gotteslästerung sei, ihn zu beleidigen. Bei den Deutschen hingegen ist nichts heiliger als die Ordnung, die sie nach außen hin tragen, um irgendeinem alltäglich-nationalen Bewusstsein nahe zu kommen. „Ordnung muss sein!“

In gewisser Weise sind Türken und Deutsche kulturell verwandt, aber psychologisch sehr antithetisch aufgestellt. Die Abneigungen beruhen auf die nach außen getragene Gleichgültigkeit der Deutschen bzgl. ihrer politischen Vergangenheit, und umgekehrt auf die Extrovertiertheit der Türken bzgl. ihrer nationalistischen Gesinnung & ihren Nationalstolz. Bei dieser Gegenüberstellung beginnt jedoch nicht die Feindseligkeit. Deutsch-türkische Feindseligkeiten sind aus vielerlei Gründen entstanden. Einerseits liegt es an der deutschen Fremdenfeindlichkeit, andererseits an dem überhöhten Kulturbewusstsein der Türken. Auch wenn eine türkische Familie in Deutschland angepasst ist, so bleibt sie i. d. R. durch und durch türkisch kultiviert. Türken sprechen Türkisch, laut und völlig frei ungeachtet der sprachlichen Qualität. Auch wenn nicht-türkische Freunde im Umfeld sind, sprechen sie Türkisch. Sie nehmen am Leben teil, wie keine andere Minderheit und beteiligen sich an vielen Orten auf allen Ebenen der Gesellschaft. Deutsche sehen das teilweise als Bedrohung. Dies hängt eng mit der deutschen Erziehung zusammen, die man in der Schule bekommt. „Mehmet, Ali, Mustafa! Geht zurück nach Ankara!“ Türkenwitze waren der Anfang. Man möge sich diesbezüglich mit türkischen Migrationskindern der 2. Generation unterhalten. Danach wurde es ernster. Mobbing in der Schule seitens der Schüler und Lehrer, hat nicht ausgereicht, weil trotz des Hasses die Türken immer mehr wurden. Dann wuchs aus den Türkenwitzen ein auf die deutsch-türkische Bevölkerung ausgerichteter Türkenhass. Es gab auch viele Kurden, die nach Deutschland eingewandert sind, aber im Gegensatz zu den Türken fielen sie nicht auf, da sie den Türken ähnlich sind. Zudem unterschied man nicht zwischen Türken und Kurden, wegen dieser Ähnlichkeit und der türkischen Sprache. Kurden sprachen meistens Türkisch, auch untereinander. In der deutschen Bevölkerung blieb der Türkenhass erhalten, vermischte sich mit grundsätzlichen Rassismen gegen Fremde. So hatte er die Möglichkeit in die Tiefe der deutschen Bevölkerung einzudringen. Die Neonazi-Szene gewann ein neues Feindbild, genau wie die links-radikale Untergrundszene, die sich mit dem kurdischen Freiheitskampf verbrüderte. Türken wurden von daher – ungeachtet ihrer politischen Ansicht – von jedem gehasst. Aus dem schlichten Grund, dass sie Türken waren. Die Kriminalitätsrate unter Türken war wesentlich geringer als im Laufe der 80er und 90er, was u. a. durch den Türkenhass gefördert wurde. Junge Türken waren verwirrter als andere Minderheiten. Sie waren in Deutschland verhasst, nicht akzeptiert, in der Türkei galten sie als Deutsche und wurden dort auch nicht akzeptiert. Die Verwirrungen nahmen zu, als sie heranwuchsen und nach Arbeit suchten. Rassismus auf dem Arbeitsplatz war im Deutschland des letzten Jahrhunderts präsenter als heutzutage. Jeder Türke kann ein Lied davon singen. Diese ganzen Schwierigkeiten hatten einen einzigen Vorteil für die türkischen Gemeinschaften. Es hat ihr Familienleben trotz fortschreitenden Individualismus erhalten. Im Gegensatz zu anderen Minderheiten in unserer Gesellschaft haben sich die Türken ein starkes Familienleben bewahrt. Teilweise kann man hier von Großfamilien sprechen, da die Türken ein kinderliebes Volk sind und Freude daran haben, eine solide Familie aufzubauen. Selbstverwirklichung im türkischen Sinne ist also noch immer mit Familiengründung verbunden, und hat sich trotz wachsender Anzahl an Akademikern nicht zurückentwickelt, wie bei deutsch-deutschen Bürgern. Für Türken schließen sich Familie, Bildung und Erfolg nicht aus. Sie sehen viel mehr eine tiefe Verbundenheit zwischen diesen Kräften.

Die „urdeutsche“ Bevölkerung beneidete zunehmend ihre Mitbürger türkischer Herkunft, weil die familiäre Geselligkeit eine wachsende Beständigkeit aufwies. Unangenehm ist es für deutsche Familien noch heute neben Türken zu leben, weil sie ein lautes und heiteres Familienleben besitzen. Während deutsche Mitbürger überwiegend einsam altern oder vielleicht nur ein Kind haben, mit dem sie überfordert sind, oder einen Hund, begreifen sie nicht das gesellschaftliche Leben der Türken. Viele weitere Aspekte überkreuzen sich und nähren die Feindseligkeit gegeneinander. Türken ihrerseits begreifen nicht die Liebe der Deutschen zu Haushunden, und haben daran einen wesentlichen Unterschied zu ihren Mitbürgern gesehen. Natürlich sind nicht alle Türken gleich, genauso wenig wie alle Deutschen, aber ich rede nur von den dominierenden Tendenzen in beiden Völkern in Deutschland.

Die türkische Großfamilie wurde im deutschen Rassismus (https://keupstrasse-ist-ueberall.de/) als Gefahr angesehen, und dies wurde von Neonazis aufgegriffen, um aktiv zu werden. Die großen Brandanschläge auf türkische Wohnhäuser und Wohnungen sollten Ängste in der deutsch-türkischen Bevölkerung auslösen. Dies gelang auch weiträumig unter vielen Türken, und sie bekamen auch nicht ausreichend Presse (bis heute nicht), wenn sie Opfer von Anschlägen in Deutschland waren. Türken sahen lediglich den Hass bestätigt, mit dem sie Tag für Tag ohnehin in Deutschland lebten und arbeiteten. Die Deutschtürken waren Unrecht gewohnt, aber die Grausamkeit der Brandanschläge und die verheerenden Folgen machten sie traurig gegenüber dem ganzen Leben in Deutschland. Zu dieser Zeit begann vermutlich der sich stark ausbreitende Auswanderungswille. Zu Anfang der 90er-Jahre. Bis heute noch wandern die Türken aus, zurück in die Türkei oder in andere Länder, wo sie mit dem, was ihnen in Deutschland passiert mit Sicherheit nicht mehr leben müssen.

„Türke, Türke,

was hast du getan?

Türke, Türke,

warum machen du mich an?“

[angb. v. d. Band „Die Zillertaler Türkenjäger“]

Haben Sie diesen Text schon mal gehört? In den 80ern und 90ern vielleicht? Es handelt sich dabei um ein türkenfeindliches Lied aus der rechtsradikalen Untergrundszene. Solche Lieder gab es zuhauf, viele Witze, noch mehr Beleidigungen und Schmierereien an Wänden, Häusern und Moscheen. Als Kind musste ich mir wegen meines Aussehens viele Beleidigungen anhören. Die häufigste Beleidigung -, die eigentlich keine war, – war die Namensgebung „Türke“, oft auch „Du Dreckstürke.“ Für die meisten deutschen Kinder war ich ein „Türke.“ Das Wort an sich stellte nie ein Problem für mich dar, auch nicht die Identität dahinter, viel mehr wie das Wort, von wem, in welchem Kontext genutzt wurde. Ich kannte als Kind keinen Unterschied zwischen „Jude“, „Türke“, „Mädchen“ und „Neger.“ Ich wusste nur, weil diese Wörter alle auf die gleiche Art und Weise für mich benutzt wurden, dass es sich um verhasste Identitäten handelte, die etwas bezeichneten, das in einem größeren Konsens verhasst war.

Vom Antisemitismus wissen wir in Deutschland aufgrund der Geschichte sehr viel. Wir wachsen mit der Geschichte über die vergangenen Ereignisse auf und wir werden medial turnusmäßig darauf aufmerksam gemacht. Den Judenhass hat dies allerdings nicht getilgt, weil Rassismus immer noch kein Thema in unserer Gesellschaft war und ist. Damals auch in der Schule nicht. Über Schwarzenfeindlichkeit haben wir nicht sonderlich viel gelernt. Im Gegenteil war sie stets auch ein literarischer Bestandteil Deutschlands. Es war zu meiner Kindheit selbstverständlich an der Trinkhalle einen „Negerkuss“ oder einen „Mohrenkopf“ zu bestellen. Man kann diese Dinge als Kleinigkeiten abtun, aber sie sind Anzeichen für eine große Krankheit, wie kleine Tumore den Krebs ankündigen. Rassismus kann sich in unserer Gesellschaft wohl fühlen.

Die Schwarzenfeindlichkeit, die in Deutschland kaum oder sehr selten Thema war und ist, kann man irgendwie noch bevölkerungstechnisch kleinreden, obwohl dies in den Großstädten Deutschlands auch nicht mehr möglich ist. Genauso wenig wie die Türkenfeindlichkeit. Sie stellt ein großes Problem dar, seit jeher, und war auch die Grundlage für übermäßig gewalttätige Angriffe und Brandstiftungen auf türkische Mitbürger in Deutschland. Solingen. Mölln. Köln. Es begann Anfang der 90er und ging sogar über das Jahrtausend hinaus mit den NSU-Morden. (https://www.nsu-watch.info/category/analyse-recherche/nsu-netzwerke/)

Man kann die Tatsachen verdrehen und Zusammenhänge relativieren, und die Verbrechen anderweitig zuschreiben oder gar abschreiben. Die journalistische Berichterstattung und die Resonanzen in der Bevölkerung der BRD werde ich jedoch niemals respektieren, geschweige denn anerkennen. Ich erinnere mich noch sehr genau daran (und das wird definitiv auch kein Deutsch-Türke vergessen), dass man in den Schundblättern von „Döner-Morden“ gesprochen hat. Döner-Morde. In aller Ernsthaftigkeit hat man mit diesem rassistischen Titel darüber berichtet. Wochenlang. Auch dies war für mich ein Beweis für anhaltende Türkenfeindlichkeit in Deutschland. Die Selbstverständlichkeit dieser Namensgebung war erschreckend, und doch hingenommen worden.

Es ist auch erstaunlich, wie mit türkischen Opfern umgegangen wird. Man sieht sie in einem verbrecherischen Milieu eingebettet und ermittelt in die Richtung von Straffälligkeit der Opfer selbst. Die eigentliche Ermittlungsrichtung sollte bei den NSU-Morden zum Verfassungsschutz und zu seinen V-Leuten führen. In der Bevölkerung steht man auch zu dieser Türkenfeindlichkeit so lange kein Türke anwesend ist. Man gibt ja immer zu: „Gegen Albaner/Kurden/Marokkaner/etc. habe ich nichts. Aber die Türken, die kann ich nicht leiden.“ Ich höre solche Aussagen – beiläufig oder nicht – bis heute noch. Warum ist das nie ein Thema?

Hinsichtlich der Türkei dominieren zusammenhanglose Schuldzuschreibungen im politischen Sinne. Die Unterdrückung von Frauen, die Unterdrückung von Kurden, die zunehmende Islamisierung der Regierung, der Genozid an die armenische Bevölkerung, etc. Besonders von einer islamistischen Türkei hat man in den letzten zehn Jahren gesprochen. Dabei gibt es kein Volk, das für den Islamismus ungeeigneter ist. Die türkische Kultur ist für keinen Fundamentalismus empfänglich. Individuell ist er möglich, aber in der Gesellschaft wird er gescholten, egal in welche Richtung er geht. Fanatismus ist in der Türkei unbeliebt. Bis auf Fussball-Fanatismus. Da nehmen sich Deutsche und Türken recht wenig.

Die Unterdrückung von Kurden und der kurdischen Sprache ist eine Tatsache türkischer Geschichte, die man nicht verschleiern muss. Sie ist real gewesen. Die Kurden hatten große Schwierigkeiten sich zu emanzipieren und zu behaupten, aber schließlich gelang es ihnen im Laufe der Zeit mehr Rechte zu bekommen. Es dauerte lange, weil eine terroristische Organisation im Namen des kurdischen Volkes Attentate durchführte und einen separatistischen Krieg aus der kurdischen Bevölkerung heraus geführt hatte. Diese terroristische Organisation war anfänglich eine Schmugglerbande, die in den Drogenhandel einstieg. Sie taucht noch immer in der kurdischen Bevölkerung weltweit unter und erlaubt sich Kriminalität wie keine andere Verbrecherorganisation. Dadurch dass man diese Terrororganisation namens „PKK“ unterstützt hat – nicht nur politisch, sondern auch logistisch – gab man ihr eine internationale Sicherheit. Mit ihrer Hilfe war es möglich, die Türkei jahrzehntelang zu paralysieren. Was viele Türkeiexperten und sogar türkische Intellektuelle nicht verstehen, ist, dass der Türken-Kurden-Konflikt nicht nur konstruiert, sondern völlig irrational ist. Das türkische Volk ist so vermischt wie kein anderes auf der Welt. Einerseits liegt es an der Region, andererseits auch an der urtürkischen Mentalität. Jeder, der unter ihnen lebte, wurde irgendwann einer von ihnen. Das ging über Jahrhunderte hinweg so. Der Unterschied zwischen Türken & Kurden ist überhaupt nicht möglich. Wovon man reden kann, ist über einen Unterschied zwischen Türkisch & Kurdisch, aber auch dies ist linguistisch gesehen, alles andere als leicht, zumal beide Sprachen voneinander beeinflusst sind. Es gibt kurdische Wörter im Türkischen, und es gibt türkische Wörter im Kurdischen. Daher ist die Ideologie des Nationalismus für viele Regionen der Welt äußerst schädlich gewesen. Nationen haben sich durch die nationalistische Ideologie selbst amputiert. Identitäten werden geleugnet und unterdrückt. Zum Glück erfährt die Türkei seit einem Jahrzehnt eine türkisch-kurdische Versöhnung, die vorangetrieben wird. Und es ist historisch gesehen nur selbstverständlich, dass die terroristische Verbrecherorganisation der PKK (= „Arbeiterpartei Kurdistans) sich darum bemüht, alles zu tun, um diese Pläne zu sabotieren. Ich bin jedoch zuversichtlich und glaube an den demokratischen Willen der türkischen Bevölkerung. Den Türken ist das passiert, was ganz Europa nach den Paris-Anschlägen passiert ist. Es war zwar nur eine kleine Gruppe von Attentätern, aber jeder Muslim stand unter Generalverdacht. Und jetzt stellen Sie sich vor jede Woche fänden in Deutschland zwei bis drei „islamistische“ Anschläge statt, bei denen Soldaten und Bürger sterben? Was würden Sie über die Muslime denken? Zum Glück haben es verrückte Attentäter schwerer, sich unter Muslimen zu verstecken. Der Hass gegen Muslime in Deutschland ist groß, weil die Angst groß ist. Aber Muslime kooperieren bei kriminellen Fällen sehr gerne mit der Polizei, so lange diese nicht rassistisch agiert. Das ist in den kurdischen Gebieten der Türkei nicht so. Aber auch das ändert sich allmählich, weil Terror keine wirkliche Begründung hat außer der Frustration einer Gruppe. Diese Frustration, die an wirtschaftliche & soziale Probleme gebunden ist, verliert ihren Wert aufgrund stetig blühender Reformen und einer verbesserten wirtschaftlichen Lage. Wenn die PKK erst einmal aufgelöst wurde, wird sich die Bevölkerung in den kurdischen Gebieten noch viel besser entfalten können, weil sie nicht mehr von kriminellen Banden unter Druck gesetzt werden kann.

Die Toleranz und sogar der Zuspruch der kurdisch-separatistischen Bewegung haben unter der deutsch-türkischen Bevölkerung für Abneigung gesorgt. Außerdem haben Kurden in Deutschland eine türkenfeindliche Akzeptanz unter Deutschen gefunden. Aleviten sind die Lieblingsminderheit Deutschlands geworden. Das hat auch dazu geführt, dass kriminelle Kräfte der PKK sich wie die Maden im Speck in Deutschland ausbreiten. Zu ihren kriminellen Betätigungsfeldern gehören der Drogenhandel, Menschenhandel, Kindesentführung, Schwarzarbeit und Erpressung, sowie auch terroristische Attentate. Die terroristische Aktivität der kurdischen Fanatiker wird in Deutschland nicht wahrgenommen, weil sie sich explizit gegen die türkische Bevölkerung richtet. Damit sagt der massenmediale Konsens, dass Türken nicht zu Deutschland gehören. Im Jahre 2016 erleben die Türken immer mehr Anschläge durch kurdische Terroristen, was die Politik aber nicht daran hindert, der türkischen Regierung Vorwürfe zu machen, dass sie gegen die terroristische Organisation hart vorgeht.

Wie reagieren die Türken in Deutschland auf diese Türkenfeindlichkeit Deutschlands? Sie wandern aus. Sehr viele Türken verlassen Deutschland. Viele bleiben und machen ihre Ausbildungen, werden selbstständig oder sammeln Erfahrungen in ihren Branchen, sie kurbeln die Wirtschaft Deutschlands intensiv mit an, aber viele andere wandern auch aus. Es sind vielleicht 10.000 jährlich. Diejenigen, die nicht auswandern, versuchen ein ausgewogenes Leben trotz dieses rassistischen Klimas aufzubauen und zu erhalten. Es klappt aber kaum, da sie noch immer mit Türkenfeindlichkeit zu kämpfen haben, egal wie gut es ihnen geht, oder wie reich sie sind, welchen Neuwagen sie fahren.

Meiner Meinung nach ist in Deutschland ein friedliches Zusammenleben nur dann möglich, wenn wir uns zunehmend über Türkenfeindlichkeit aufklären. Es darf nicht so weitergehen, denn Ungerechtigkeit darf man nicht totschweigen. Der Türke ist immer noch als Feindbild in unseren Köpfen vorhanden. Wir müssen über Rassismus Aufklärungsarbeit leisten, aber insbesondere über den Rassismus gegen Türken, weil sie die größte Minderheit in der BRD ausmachen.

Dadurch dass dies der deutschen Öffentlichkeit gelingt, kommt es zu einer gesellschaftlich-freundlichen Basis. Wirtschaft und Politik beider Länder können ausdiskutiert und verhandelt werden, wenn für eine gesunde Kommunikation sämtliche Klischees & Rassismen aufgelöst werden. Dies kann nur dann erfolgen, wenn seitens der deutschen Öffentlichkeit Geständnisse erfolgen. Ein Geständnis zur Feindseligkeit gegenüber der deutsch-türkischen Bevölkerung. Die deutsche Bevölkerung hat ein Problem mit Türken, ein ernsthaftes, in der Kollektivpsyche tiefsitzendes Problem, das sie mit modernistischen Menschlichkeitsdebatten versucht zu verschleiern.

Besitzt man eine andere Meinung als die eindeutige Meinung in der Presselandschaft, die von einem feindseligen Medienkonsens lebt, dann gilt man als Verschwörungstheoretiker. Das Problem ist nicht die dogmatische Einzigartigkeit der Meinung, sondern das Feindbild, das durch die zahlreichen – nicht vielfältigen – Meinungen erzeugt, forciert und erhalten wird. Hinter 99% jeglicher Berichterstattung wartet ein Feindbild, das sich meistens heimlich in den Kopf schleicht. Wem nutzen diese Feindbilder? Sicher nicht der Gesellschaft, denn sie spalten und verhärten ihre Minderheiten gegeneinander und bieten den besten Nährboden für rassistische Ungerechtigkeiten.

Zum Glück ist Journalismus keine Einbahnstraße mehr. Es gibt nun eine Öffentlichkeit, die jeder betreten kann. Das tun auch viele. Diese Personen, die sich kritisch gegen die Feindbilder wehren, mit ausgewiesenen Argumenten und Nachweisen, bezeichnet man als Verschwörungstheoretiker. Ihre Kenntnisse werden durch diese Stigmatisierung als nichtig erklärt. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Blogger oder selbstständige Journalisten, die NICHT im eindeutigen Medienkonsens der Feindbilder eingebettet sind. Normale Leser, die in den sozialen Netzwerken viel kommentieren und etwas zu sagen haben, bezeichnet man als Trolle. Trolle kann man nicht so leicht loswerden, da es zu viele sind und weil einige davon Leser sind. Allmählich also legt man sich mit eigenen Lesern an.

Auch zeigt sich in den meisten Kommentarbereichen die Feindseligkeit, die jahrzehntelang von Journalisten fleißig aufgebaut wurde. Dies geschah wiederum mit Hilfe von Feindbildern. Der böse Ausländer, der kommt und alles wegnimmt. Die Türkei, die sich dem Islamismus verschrieben habe. Der böse Russe, der vor der Tür steht. Und die allseits beliebten Afrikaner, die uns überrennen wollen. Diese Feindbilder sind so tief in uns verankert, dass es für die meisten unmöglich ist, sich davon zu trennen. Der Journalismus besteht zu 99% aus Feindbildern. Die Anekdoten zwischendurch vom guten „Syrer“, vom erfolgreichen „Türken“, vom gefühlvollen arabischen Vater dienen allesamt nur der Quote. Alles für die Quote. In den übrigen Artikeln wird Feindseligkeit durch Feindbilder erzeugt und erhalten, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben, sondern nur mit Angst und Selbstgerechtigkeit westlicher Zivilisation.

Zu diesem Thema empfiehlt es sich die engen Verbindungen zwischen Medienkonzernen und US-amerikanischen Think-Tanks anzuschauen. Auch die Verwobenheit und Kooperation zwischen einzelnen Politikern und diversen Themen, die ethnischer Natur sind. Beispiel: Genozid! Ich frage mich fast jede Woche wann wir endlich über Belgisch-Kongo, Franko-Algerien, und über die ur-amerikanischen indigenen Völker sprechen. Stattdessen steht die armenische Frage im Zentrum unseres Interesses. Die Türkei!

Die Türkei ist eine Goldgrube für Unterwanderung. Seit Atatürk verlief die Souveränität des türkischen Staates vor allem entlang militärischer Diktatur. Viele türkische und kurdische Journalisten schreiben, um eine bestimmte Partei in der Türkei zu entmachten, die regierende AKP. Eine destabilisierte Türkei mit einer zahlungskräftigen, korrupten Bourgeoisie ist ihr größter Wunsch. Eine Türkei der laizistischen, stillen Unterdrückung. Zu diesen Journalisten gehören insbesondere die Anhänger des Fethullah Gülen & der linken Intellektuellen. Einem türkischen Sektenführer, der im Exil in den USA lebt also und einer bigotten Elite. Diese Leute arbeiten eng mit Geheimdiensten über ThinkTanks zusammen. Und wer für sie arbeitet oder mit ihnen kooperiert, der arbeitet indirekt auch für die Interessen jener Geheimdienste. Das sollte man nicht vorweg lassen. Das ist nicht unüblich in der journalistischen Szene. Das geschieht schon über die US-amerikanischen Think-Tanks sehr zielgerichtet durch die eindeutige Berichterstattung. Hier sei das Stichwort Atlantikbrücke genannt. Das erscheint tatsächlich wie aus einem Film, aber man kann das und noch viel mehr Zwielichtiges recherchieren.

Ich persönlich bin ein enger Freund der Wahrheit. Wahr ist in jedem Falle, dass ich genug von Feindbildern habe und nur diese Feindbilder nachts im Bett hängen bleiben. Ganz einfache Frage: Warum sehen wir Erdoğan meistens aggressiv abgelichtet und Obama, der viele Kinder und Familien auf dem Gewissen hat, immer lächelnd abgelichtet? Was ist so cool an Obama? Seine Hautfarbe? Also, wie jemand aussieht, interessiert mich wenig. Mich interessiert, was jemand tut, seine Qualifikationen und Projekte. Erdoğan hat für die Türkei mehr getan als alle US-amerikanischen Präsidenten für die USA. Das sollte man bedenken, wenn man Erdoğan und die AKP verunglimpft und zum türkischen Sultansadel verklärt, was sich mit unserem Orientalismus sehr gut verträgt. Ein bisschen noch islamophobe Gehässigkeit dazu und Warnung vor dem Untergang des Abendlandes, dann ist die alte Suppe des perversen Rassismus fertiggekocht.

Kritik lese ich sehr gerne, aber sie mündet meistens in libertinistischer Feindseligkeit und die landet bei mir – und bei jedem Menschen mit Verstand – in den Mülleimer. Ich fände es auch verantwortungslos, die rebellischen Kräfte der Gesellschaft für Ungehorsam und Chaos gegenüber jeglichen Staat zu missbrauchen. Ein politisches Problem verschwindet niemals mit einem Politiker, sondern mit den Missständen und den daraus resultierenden Feindseligkeiten in der jeweiligen Gesellschaft. Diese Missstände versucht die türkische Regierung nach und nach zu beheben.

Viele Menschen glauben, dass Erdogan ein blutrünstiger Massenmörder ist, der kurdische Familien zerstört, sein Land islamisiert, Menschen exekutieren lässt, etc. Warum gehören dann Kurden, Familien, etc. zu seinen Wählern? Bedeutet das, dass die Menschen in der Türkei nichts von Demokratie verstehen? Und gesetzt dem Fall, es wäre so: Welcher Staat betreibt keinen Massenmord, aktiv, passiv und durch Mithilfe? Wir, Deutschland, bewaffnen die halbe Welt, Saudi-Arabien, der Staat der Aktivisten hinrichtet, terroristische Gruppierungen in kurdischen Gebieten, die die türkische Bevölkerung massakrieren, und Ägypten, der noch stabilen Militärdiktatur schlechthin, in der demokratisch gewählte Parteimitglieder ins Gefängnis gesperrt und gefoltert werden. Unser ethisches Verständnis ist ein schlechter Witz, wenn man sich die Politik unseres Landes anschaut. Aus Ramstein – eine Stadt in Deutschland – werden Dronenflüge koordiniert und gesteuert, um Familien, Kinder, Frauen, Männer, Tiere und Leben zu zerstören.

Verschwörungstheorien? Nein. Alles nachlesbar, nur nicht in den Zeitungen, geschweige denn im Fernsehen oder im Radio. Und jene journalistischen Kräfte, Zeitungen, Programme und Magazine verlieren immer mehr ihre wichtigste Fähigkeit, nämlich die Schwerpunkte zu setzen, worüber wir uns den Kopf zerbrechen. Darüber bin ich sehr erfreut. Auch stellen Journalisten Terroristen in uns fremden Gebieten gerne mal als Helden dar. Wie z. B. die multi-kriminelle Organisation der PKK, die ihren Separatismus mit allen möglichen Mitteln vorantreiben will. Die PKK ist eine multinationale kriminelle Organisation, die sich mit Menschenhandel und Drogengeschäften finanziert, wobei sie auch von Geheimdiensten mit Waffen & Informationen versorgt wird. Manchmal sogar von Regierungen direkt und öffentlich. Unsere deutsche Regierung hat kurdischen „Freiheitskämpfern“ Milan-Raketen geliefert. Wir verachten Separatismus in unserem Staat, aber unterstützen ihn politisch und logistisch in anderen Ländern. In seinem Kern ist der Separatismus der Hang zur Trennung von einem Stück Land von einem noch größeren Stück Land, um die eigene Existenz aufzuwerten. Ein Separatist sieht seine Aufgabe darin, die historische Legitimität seiner Ziele populär zu machen. Ein Separatist benötigt auch einen stärkeren Gegner, um seine Popularität zu erhalten. Wichtig ist, dass sein Gegner ihn unterdrückt und in keinen Dialog mit ihm tritt. Es ist ein politischer Kampf mit gewalttätig ausartenden Formen. Ein Separatist kämpft für die Freiheit eines bestimmten Volkes und vereinigt sich mit anderen politischen Gruppierungen, die seinen Kampf unterstützen.

Die Separatisten weltweit haben widersprüchlicherweise auch große Staaten auf ihrer Seite, die selbst Probleme unter ihren Bevölkerungen haben. Dies hindert sie jedoch nicht daran, eine separatistische Gruppe in einem anderen Land zu unterstützen, denn dadurch sinkt auch das Ansehen des betroffenen Landes weltweit. Die Propaganda, die aufgefahren wird, hat es in sich und sie verhärtet beide Seiten, so dass sich Spannungen ergeben, früher oder später. In einer offenen Gesellschaft wäre eine solche Propaganda fatal, wo zwei Gruppen, die sich durch zwei Identitäten völlig voneinander unterscheiden, gegeneinander aufgehetzt werden. Es wäre ein Alptraum für jeden Polizeiapparat auf dieser Welt. Auch wäre es eine Frage der Zeit bis so ein Staat in sich zusammenbrechen würde. Die Türkei hält sich überraschend gut, und den Redaktionen gefällt es nicht.

Separatisten agieren im Sinne des Nationalismus, der aus Europa stammt. Wie alle anderen anerkannten Nationen weltweit, wollen auch sie für ihre „Nation“ einen Staat begründen. Daran ist nichts Verwerfliches, außer dass sie von einer Nation sprechen, die konstruiert ist. Ich gebe zu, die meisten Nationen auf dieser Welt sind konstruiert, allerdings wird sich das im Laufe der Jahrzehnte ändern.

Neue Staatsformen und Regierungsweisen müssen her, um eine Gesellschaft bis ins kleinste Hinterzimmer zufrieden zu stellen. Der Gedanke der Nation hat vorteilhafte Züge, wird jedoch in dem Moment fatal, wo er eine bestimmte Gruppe oder Gesinnung ausschließt.

Nationalismus an sich ist die Ideologie, die viele politische Möglichkeiten beschneidet. Nationalismus bedeutet, dass die eigene Nation über alle anderen stehe, ob politisch, historisch, militärisch, kulturell oder sonst wie. Wichtig ist, die historisch aufgeladene Auszeichnung der eigenen nationalen Identität. Nationalisten haben große Schwierigkeiten sich mit der Geschichte ihres Landes auseinanderzusetzen, da sie selektiv mit ihr umgehen.

Die separatistische Problematik hängt folglich mit der nationalistischen Problematik zusammen. Definieren Hymne, Flagge und ein Volk eine Nation oder das Land, in dem die Menschen leben? Eine höchst philosophische Frage, die ich offen lassen muss.

Nationalismus ist aus Ungerechtigkeit und aristokratischer Dekadenz hervorgegangen, und das weltweit. Daher hat jeder Nationalismus etwas Ungerechtes an sich haften. Meistens Rassismus oder Relativismus und Pragmatismus, je nach dem, von welcher Nation wir sprechen. Durch die Aktivitäten dieser Nationalismen entstehen Ungerechtigkeiten, weltweit innen- wie außenpolitisch.

Diese rassistische, relativistische und pragmatistische Kraft genügt jedoch nicht, um einen politisch aktiven Separatismus zu begründen. Rechtsstaatlichkeit wirkt jedem Separatismus entgegen. Das Folgen von Gesetz und Ordnung, sowie die Achtung der Grundrechte jedes Menschen verhindern die Etablierung eines Separatismus in Teilen der Bevölkerung. Mit militärischen Mitteln und Polizei ließe sich das nämlich nicht verhindern. Ein Separatismus entsteht dann, wenn er die gesamte Region destabilisiert, worin sich das beanspruchte Land zur separatistischen Autonomie befindet. Die Berichte über Unterdrückung vor Ort müssen auch nicht stimmen. Das einzig Wichtige ist die regionale, geostrategische Lage, die Nähe des jeweiligen Staates zu den mächtigen Nationen dieser Welt und auch seine wirtschaftliche Lage. Wenn die Menschen arbeiten und von ihrer Arbeit leben können, dann werden sie nicht gewalttätig, sondern wollen sich etwas aufbauen.

Auch spielen parteipolitische Faktoren eine große Rolle. Jeder – zumindest bekannte – Separatismus hat eine oder mehrere Parteien, die ihn vertreten. Diese Parteien haben erstaunliche Verbindungen und Kontakte. Hinzu kommt das Verschwimmen zwischen rechtsstaatlichen Anforderungen und kriminellen Tätigkeiten. So wird auch politisch argumentiert, dass jegliche Form des Terrorismus gegen die „andere“ Bevölkerung, der eigenen „Sache“ diene und lediglich eine Reaktion wäre, auf eine Unterdrückung durch die Armee des Landes. Im Sinne des Separatismus ist es also möglich Verfassung und Rechtsstaatlichkeit aufzuheben, um seine Ziele zu erreichen. Im Kleinen wäre es vergleichbar mit einem Drogenschieber, der einer Razzia zum Opfer fällt, und alle Polizisten tötet, weil sie ein Gesetz durchsetzen wollen, dass die Identität des Drogenschiebers nicht anerkennt. Der Drogenschieber möchte sein eigenes Gesetz und sein eigenes Hoheitsgebiet. Warum ich einen Separatisten mit einem Drogenschieber vergleiche? Weil sie auf die gleiche Art argumentieren. Ich nehme, was mir gehört, ohne Rücksicht auf andere. „Wenn ich es nicht tue, tut es ein anderer.“ Aber Drogenschieber und Terroristen sind nunmal beide Kriminelle, und der Staat hat eine Pflicht gegen Kriminalität vorzugehen.

Berücksichtigen muss man bei separatistischen Parteien auch ihre Verbindungen zum Volk, das sie politisch zu vertreten behaupten, ohne demokratische Bedingungen. Lediglich mit Hilfe von Leidensgeschichten, die breit getreten werden. Ich weiß auch, dass die meisten, wenn nicht sogar alle Separatisten, auf der Welt, den größten Schaden anrichten, da sie ein ganzes Volk unter Verdacht stellen, in welchem sie auch untertauchen können, wenn sie es müssen. Jeder Staat ist gezwungen mit Hilfe von angemessener Gewalt Sicherheit zu gewährleisten. Das führt oft zu Frustration.

Ein einfacher Bürger aus der Mitte dieses Volkes mag Unterdrückungen erfahren, tagtäglich, aber er erkennt auch an, dass sein Leid für machtpolitische Interessen missbraucht wird. Was er und seine Leidensgenossen entscheiden, bestimmt womöglich über eine ganze Region. Unterdrückung und Gewalt durch den Staat ist falsch, gegen sie muss weltweit angekämpft werden. Allerdings wird durch willkürliche Gewalt auf Unbeteiligte nur noch mehr Gewalt gefördert. Hass und Angst verbreiten sich. Infolgedessen sagen die meisten Menschen Ja zu allem, so lange ihnen ihre Ängste genommen werden. Der Separatismus verschwindet dann nicht. Er taucht nur tiefer und tiefer unter, versteckt sich, wartet und schlummert.

Mit diesem Problem kämpft derzeit (2016) die Türkei, wobei sie der einzige Staat ist, der dafür kritisiert wird. Ägypten wird nicht kritisiert, weil Sisi uns passt. Die USA werden nicht kritisiert. Saudi-Arabien wird nicht kritisiert. Die Golfstaaten allesamt nicht. Der Iran ist in Vergessenheit geraten, wie auch seine arabische Bevölkerung. In Nordafrika werden afrikanische Flüchtlinge zurück in ihre Staaten geprügelt und ausgehungert. Frankreich prügelt seine Kinder allesamt, und verschweigt seine algerische Vergangenheit noch immer. Was ich damit sagen will: Die Probleme der Türkei sind nicht Türkisch, sondern menschlich & international.

Anfang des letzten Jahrhunderts sprach man von einem kranken Mann am Bosporus. Wer war wohl gemeint? Die Türkei natürlich. Als 90 magere Jahre darauf folgten, nahm die Welt es stillschweigend hin und blieb untätig. Sie vergaßen ihn, den kranken Mann, bis er starb. Nun ist da eine neue Gesellschaft entstanden, der demokratische Aufrichtigkeit abverlangt wurde. Besteuerung gibt es nun in der Türkei. Korruption wurde massiv vermindert. Die innenpolitische Situation wird wie seit vergessenen Zeiten nicht mehr versöhnlich ausdiskutiert trotz täglicher Attentatsserien. Der Weg der Türkei ist ein demokratisch-kommunikativer Lebensweg geworden, mit erhöhten Ansprüchen und wachsender Stabilität. Reformen im medizinischen Bereich, Erneuerungen von Stadtteilen und Städten, belebter Austausch über die Geschichte, Debatten rund um die Zukunft der Türkei, etc. Die Potenziale der Türkei sind unermesslich groß. Es genügt lediglich ein geographischer Blick dazu. Die Türkei ist dazu prädestiniert den globalen Wandel wesentlich mit zu beeinflussen. Sie ist der Staat, der sich behauptet, wenn nur zwei Meinungen existieren. Als die Türken noch erwogen, eines Tages der EU beizutreten, taten sie dies aus pragmatischen Gründen. Jetzt scheint dies, ein vager Traum geworden zu sein. Der politische Druck auf die Türkei steigt nicht aus losen Gründen oder aus einer Laune journalistischer Kräfte hervor. Nein, viel mehr hat es mit der Stärke und zunehmenden Macht der Türkei zu tun. Nichts ist den wirtschaftlichen Kräften dieser Welt so zuwider, wie ein aus dem Gleichgewicht gebrachtes politisches Machtgefüge. Die US-amerikanische Interessengemeinschaft möchte sich das internationale Diktat selbst vorbehalten.

Die Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts braucht die Türkei. Wenn wir ehrlich sind, gibt es die Probleme, die die Türkei hat, in jedem Land auf diesem Planeten. Warum sollten wir auf die Türkei starren und dabei unsere eigenen Probleme verdrängen? Die Türkei hat sich gebessert und möchte sich auch in den kommenden Jahrzehnten verbessern. Wir täten durch Hetze nicht nur der Türkei Unrecht, sondern vor allem uns selbst. Daher gibt es diverse – teils fatale – Konsequenzen der journalistischen Hetzjagd auf türkische Verhältnisse.

  1. Die Türken in der Diaspora wenden sich verstärkt der Türkei zu.
  2. Die Türkei bekommt Verzögerungsprobleme bei ihren fortschrittlichen Reformprozessen.
  3. Die Türkei wird außenpolitisch isoliert.
  4. Die türkische Gesellschaft wird nach außen hin verhärtet, um sich vor den ständigen Angriffen zu schützen.

Die Punkte 1 und 4 haben natürlich auch ihre guten Seiten. Die türkische Gesellschaft wird durch Rückkehrer bzw. Auswanderer wirtschaftlich und sozial aufgewertet. Außerdem wächst die türkische Gesellschaft durch ihre – dicker werdende – harte Schale wieder zusammen. Insofern mag die Türkei in den kommenden Jahren wieder osmanische Verhältnisse bzgl. ihrer Toleranz erlangen, was ihr sehr gut täte. Mit osmanischen Verhältnissen meine ich nämlich vor allem den gesellschaftlichen Pluralismus, der mal als selbstverständlich galt. Die Punkte 2 und 3 hingegen sind nicht gut für die Türkei. Vor allem die Isolation wäre in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht problematisch. Wirtschaftlich gesehen, dürfte sich die Türkei auch keinerlei Isolation erlauben. Die Türkei will und braucht gute Freunde. Auch Deutschland täte gut daran, die Freundschaft zur Türkei zu erneuern.

Tatsache ist, dass die Türken wieder ein Leben in zunehmender Würde führen möchten. Das ist die Grundlage für jede Gesellschaft auf der ganzen Welt. Es gibt Stimmen, die sagen, dass es viele Diskriminierungen in der türkischen Gesellschaft gibt. Gegen Ausländer, Flüchtlinge, gegen Araber und Afrikaner, ja sogar gegen Menschen, die für ihre missliche Lage nichts können. Dieses Problem gibt es in jeder Gesellschaft. Das ist kein entschuldigendes Argument, sondern eine wichtige Tatsache. Warum werfen wir der Türkei etwas vor, das wir in Deutschland nicht besser lösen? Weil wir rassistisch sind und diese Probleme mit einer türkischen Herkunft begründen. Es wäre wenigstens gut, wenn der politische Eifer in Deutschland stark genug wäre, die hiesigen Gesellschaftskonflikte zu lösen. In der Türkei gibt es einen sehr starken politischen Eifer, vor allem durch die Aktivitäten Erdoğans und der AKP. Man will eine fortschrittliche Gesellschaft aufbauen, man will technische und wirtschaftliche Innovationen vorantreiben. Eine reformierte, muslimische Gesellschaft mit mehr Zuwendung zur Scharia (muslimische Ethik). Letztendlich ist das höchste Ziel der Scharia, ein Leben in Würde zu leben. Diese Haltung zur Scharia wird von vielen Menschen gefürchtet, weil die meisten Menschen mit diesem Wort saudi-arabische Verhältnisse verbinden, aber dennoch tanken gehen. Die großen Golfstaaten jedoch sind sehr weit von der Scharia entfernt. Auch dort gibt es massive Probleme, und Verursacher von Problemen, über die nicht zur Genüge berichtet wird, weil sie USAs Lieblinge sind.

Scharia hat mit Strafe, Mord und Totschlag nichts zu tun. Scharia bezeichnet den Umgang mit weltlichen Zuständen und Handlungen auf der Basis des Islam und seiner ethischen Prinzipien. Wer den Islam per se als schlecht erachtet, der wird dies niemals verstehen. Wer die Scharia per se als Inquisition erachtet, der wird sie niemals verstehen. Wer der Berichterstattung alles glaubt, der wird die ganze Welt nicht verstehen, aber das ist nicht mein Problem. Und das der Türken ist es auch nicht.

Die Türkei, die gesunde Dame am Bosporus, hat heute verstanden, dass es ohne Würde keine Menschlichkeit gibt. Ein Mensch ohne seine Würde wird verkommen. Daher freue ich mich darüber, dass die Türkei ihren eigenen Weg geht, ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt. Von welchem Staat können Sie das heute behaupten?
Die Türkei wird ihre Beziehungen zu den muslimischen Staaten verbessern und enger mit ihnen zusammenarbeiten. Am Beispiel der Türkei werden einige muslimische Länder wacher werden und begreifen, dass Würde unbedingt notwendig ist. Die Gesundheit der Dame am Bosporus wird sich ausbreiten, denn sie sorgt sich um ihre Gesundheit, um die guten Dinge, die sie noch verwirklichen kann. Wir können viel lernen von ihr, wenn wir damit anfangen, das Gute beieinander zu sehen, im Großen wie im Kleinen.

Das Jahr 2023 stellt sowohl in der deutschen wie auch in der türkischen Geschichtsschreibung einen sehr wichtigen Zeitpunkt dar. Blicken wir hundert Jahre zurück, war es der Beginn der Türkischen Republik, die sich vollständig von ihrer eigenen Geschichte abgetrennt hat. Es war eine historische Amputation, die in der Türkei so tiefgreifend in Gesellschaft, Politik und Kultur war, dass sie bis heute von Generation zu Generation traumatische Züge weitertrug. In Deutschland gab es die große Wirtschaftskrise. Während Atatürk die türkischen Großbauern im Gegensatz zu seinen europäischen Vorbildern nicht enteignete und ihre Besitztümer verstaatlichte, ging es in Europa drunter und drüber. Vor allem in Deutschland, im Ruhrgebiet, gab es eine politische Besetzung durch belgische und französische Truppen, die das damalige Deutsche Reich zwangen, nachzugeben. Die Reparationszahlungen mussten überführt werden, während die Deutschen eine der größten Inflationen durchlebten. Die Türken trieben den Bevölkerungsaustausch mit Griechenland stärker an, was beide Staaten zusätzlich nationalisierte, vor allem gegeneinander. Obwohl ich nicht hoffe, dass 2023 eine neue deutsche Inflation sich ereignen wird, bin ich mir sicher, dass bis dahin die deutsch-türkischen Beziehungen sich wieder stabilisieren werden. Für die Türkei und die gesamte Region birgt das Jahr 2023 ein großes Potenzial, weil sämtliche Klauseln der türkischen Verfassung und wichtige Ressourcen-Abkommen mit bspw. den Amerikanern ihre Gültigkeit verlieren. Die Prosperität der Türkei, die trotz Reformen und strengeren Steuerbestimmungen auf wackeligen Beinen steht, bekommt völlig neue Dimensionen in nahender Zukunft. Umso wichtiger erscheint es für uns hier in Deutschland, die Beziehung zur Türkei und zur gesamten anatolisch-mesopotamischen Region voranzutreiben. Die neu gewonnene wirtschaftliche Kapazität wird sich entfalten wollen, und wer wäre für die Türkei ein geeigneter Partner als Deutschland aufgrund der gemeinsamen Geschichte?

Zu diesem Anlass stelle ich mir die Bildung eines Instituts vor, das von deutschtürkischen Geschäftsleuten ins Leben gerufen wird. Das deutsch-türkische Potenzial, von dem ich spreche, beginnt dort, wo die Türken der deutschen Diaspora beginnen, eine Brücke zu bilden. Sie sprechen Türkisch, sie sprechen Deutsch. Sie kennen Deutschland, sie kennen die Türkei. Und was das wichtigste ist, sie fühlen sich – mehr oder minder – zu beiden Staaten verbunden. Diesen Vorzug darf Deutschland nicht unterschätzen. Mit der Bildung eines solchen Instituts können gemeinsame Projekte und Zusammenarbeiten stattfinden, die man noch nicht einmal angedacht hatte. Ich nenne dieses Projekt „Institut für deutsch-türkisches Potenzial“, um dem Ganzen ein Gesicht zu geben. Hauptziele dieses Instituts wären vor allem die Bildung einer eurasiatischen Humankapital-Brücke, sowie die verstärkte Kooperation im wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bereich. Zudem helfe auch ein technologischer Austausch beiden Ländern. Beide Staaten und Bevölkerungen würden von solchen Potenzialen profitieren. Getragen wird dieses Projekt von deutsch-türkischen Geschäftsleuten, weil sie die nötige Kraft, Ausdauer und das Interesse besitzen, um sämtliche Potenziale zu entwickeln.

Deutsch-türkische Geschäftsleute sind natürlich gespalten und politisch völlig unterschiedlicher Meinung, aber sie wünschen sich alle bessere Möglichkeiten für ihr eigenes Geschäft und ich bin mir sicher, viele von ihnen wären stolz, ein solches Institut erfolgreich zu gründen und darin zu investieren, um Potenziale deutsch-türkischer Beziehungen auf allen Ebenen besser zu entfalten. Es wäre ein historisches Ereignis.

Im Folgenden skizziere ich den Aufbau dieses genannten Instituts. Es gibt natürlich andere und bessere Wege die deutsch-türkischen Potenziale zu entwickeln. Nun aber geht es um meine persönliche Vorstellung davon. Das IDTP hat vor allem einen symbolischen und abstrakten Charakter, weshalb es seinen Sitz in beiden Ländern hat, aber als Einheit agiert. Natürlich gibt es Vorsitzende, die gewählt und bestimmt werden. Nicht nach ihrer Herkunft, sondern nach ihren Qualifikationen. Es müssen Geschäftsleute sein, die sich eine versöhnliche Entwicklung deutsch-türkischer Beziehungen herbeisehnen, die beide Welten gleichermaßen kennen, um eine solide Kommunikation zu gewährleisten. Zudem besitzt das Institut einen eigenen Nachrichtendienst und eine eigene Presseabteilung, die eine wahrheitsgetreue Berichterstattung bietet. Konflikte dürfen keine Gut-Böse-Typologie beherbergen. Basis ist Recht & Ordnung, ohne weichere Kriterien. Kriminalität wird als Kriminalität geahndet. Zudem muss eine intensive Berichterstattung über Rassismen in Deutschland erforscht, betrieben und veröffentlicht werden. Außerdem muss ein Presserat berufen werden, der die tendenziösen Berichterstattungen der großen Medienkonglomerate ausdauernd torpediert.

Das Institut teilt sich also in Forschung und Presse. Die Geschäftsleute deutsch-türkischer Herkunft sind Investoren und haben keinerlei Einfluss auf Ergebnisse des Instituts, sondern fungieren lediglich als Finanzierer, abgesehen von der dritten Abteilung, in der sie sich ausgiebig einbringen können: das Projektmanagement deutsch-türkischer Potenziale. In dieser Abteilung, die 60% ausmachen sollte, werden konkrete Projekte entwickelt und gefördert, die viel versprechende Resultate hervorbringen. Zudem ist es kein Problem, wenn die deutsch-türkischen Geschäftsleute auch profitieren möchten. Primär jedoch sollen langfristig Arbeitsplätze geschaffen werden und die Kooperation sowie auch die Verbundenheit Deutschlands und der Türkei wachsen.

Forschung  impliziert als Abteilung wirtschaftliche, gesellschaftliche, historische und politische Forschungsarbeiten, wie auch zielgerichtete Lösungsfindungen für aktuelle Probleme auf allen Ebenen der deutsch-türkischen Beziehungen im Inland wie im Ausland. Akademiker verfassen wissenschaftliche Studien und Arbeiten, die sich mit dem Themenkomplex deutsch-türkischer Beziehungen befassen. Zudem wird technologische Forschung betrieben, die technologische Fortschritte beider Länder verbindet und nutzt. Das heißt, dass auch in der Abteilung Forschung Projekte angestoßen werden, in denen bspw. deutsche & türkische Wissenschaftler sich austauschen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Auch teilt sich die Abteilung Forschung in mehrere Bereiche, zu denen u. a. gehören, Patentabteilung, Projektmanagement, Verlag, sowie auch Präsentations- und Schulungsräume, wie auch Labore und ein großes Forschungsarsenal. Die Abteilung Forschung hat natürlich einen Vorsitzenden, wie auch jede andere Abteilung und agiert in beiden Ländern gleichermaßen bilingual, ggf. auch auf Englisch.

Die Abteilung Presse beschäftigt sich ausgiebig mit medialen Ausdrucksformen und agiert über alle möglichen Medienformate, um ihre Ziele zu erreichen für eine versöhnliche Debattenkultur gegen rassistische Berichterstattung und deutsche Türkenfeindlichkeit. Auch betreibt sie Rassismusbekämpfung im großen Stil, indem sie diesbezüglich einen Presserat führt, der sich mit sämtlichen Berichterstattungen auseinandersetzt, die im großen massenmedialen Konsens immer noch Plätze finden. Die Abteilung Presse teilt sich auch in mehrere Bereiche, zu denen u. a. gehören Presserat, Intersektionalität, Rassismus und ein Nachrichtendienst. Diese Abteilung agiert natürlich ebenfalls bilingual und ist in beiden Ländern aktiv, in allen Belangen gleichermaßen.

Die Abteilung Projektmanagement ist ein vollständig unabhängiger Teil des IDTP, weil er von einzelnen Projekten lebt, die von Individuen ins Leben gerufen werden. Er teilt sich in zwei Bereiche, nämlich Investoren und Projektleiter. Hier bilden die Investoren jeweilige Vorsitzende und Entscheider eines Projektes. Die Projekte, die gefördert werden können, besitzen lediglich eine einzige Eigenschaft: sie fördern & stärken die deutsch-türkischen Beziehungen. Die Investoren sind bei Erfolg & Wachstum eines Projektes zu einem gewinnbringenden Projekt Gesellschafter und profitieren natürlich auch, sind aber verantwortlich für das Fortbestehen des Instituts und die Fortsetzung aller Projekte. Das Institut soll sich eines Tages selbst tragen. Die Abteilung Projektmanagement kann auch Projekte beherbergen, die einen einzigen Investor haben, aber die Bedingung bleibt dennoch die gleiche. Sämtliche Nischenmärkte deutsch-türkischer Handelswege können dort aufgebaut und entfaltet werden. Investoren dürfen nur deutsch-türkische Geschäftsleute sein, die beide Sprachen beherrschen und völlig unabhängig von anderen Geschäftsleuten und Gesellschaften agieren. Das IDTP verfolgt hauptsächlich den Ausbau deutsch-türkischer Kooperationen. Natürlich dürfen sämtliche Projekte politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Natur sein.

Am wichtigsten für das IDTP ist jedoch, dass es staatlich unabhängig funktioniert. Beide Staaten können das IDTP wirtschaftlich und politisch unterstützen, haben jedoch keinerlei Gegenleistungen zu erwarten. Die Erträge des Instituts und all seine Produktivität sollen den Bevölkerungen beider Nationen zu Gute kommen. Durch den Aufbau des IDTP oder eines ähnlichen Instituts stellen deutsch-türkische Geschäftsleute ihre wirtschaftliche Macht unter Beweis.

Bis 2023 könnte ein solches Institut die ausreichende Infrastruktur und das notwendige Netzwerk aufgebaut haben, um die Kooperation zwischen Deutschland und der Türkei günstiger und gönnerhafter zu gestalten. Ich würde mir wünschen, dass eine europäisch-türkische Kooperation stattfinden könne, aber dazu ist Europa noch viel zu sehr von den USA bevormundet und gespalten. Es genügt, wenn deutsch-türkische Potenziale entstehen und entfalten werden können. Bis 2023 sollte Deutschland zumindest seine Bereitschaft dazu aufzeigen. Die Türkei wird in jenem Jahr einen staatlichen Ressourcenzuwachs haben und seine Exporte steigern. Wäre es nicht da nur politisch geschickt, eine freundschaftliche Basis für den Handel mit der Türkei zu legen.

Für Deutschland und die Türkei gibt es viele Wege, die die Völker beider Nationen zusammenführen und stärken. Es findet bereits ein reger Bevölkerungsaustausch zwischen Deutschland und der Türkei statt. Deutsche Siedler im Süden der Türkei mehren sich. In Antalya sind deutsche Bürger sogar streckenweise „unter sich.“ Nun ist es Zeit an die deutsche Vergangenheit zu denken. Was hat die Einheit uns gebracht? Wer sind wir? Damals waren die ostdeutschen Flüchtlinge sehr unbeliebt im Westen. Die Mauer hätte höher sein müssen, erinnert sich der ein oder andere gehört zu haben. Niemand hat den Fall der Mauer als gut empfunden, im Westen Deutschlands. Die Begeisterung ließ nach, als die ersten ostdeutschen Flüchtlinge kamen. Mich beschäftigen allerdings ganz andere Fragen. Und zwar wie viele Milliarden in den Osten geflossen sind und wie viele davon in Rassismus-Kurse. Warum gibt es in Ostdeutschland noch immer ein ernsthaftes Problem mit der Fremdenfeindlichkeit?

Zum Thema „Gastarbeiter“ vergessen viele, dass diese „Ausländer“ das Teilen ihrer Renten stillschweigend akzeptiert haben, darunter auch türkische & marokkanische Gastarbeiter. Warum eigentlich ist das in Vergessenheit geraten? Stichwort Solidaritätszuschlag. Der Aufbau von Straßen und Häusern, das Graben nach Kohle, die Zechen und die Bergwerke, sowie auch das Verarbeiten von Metall gehörten zu den Tätigkeiten von über 1 Millionen Gastarbeitern. Erinnert sich noch jemand!? Made in West Germany war mal weltweit sehr angesehen, zu Recht, denn Fleiß gab es damals nur bei uns im Westen. Oder? Haben diese Ostdeutschen überhaupt gearbeitet? Etwas mehr Anerkennung für die Fleißarbeiter (dieser Begriff trifft es besser als Gastarbeiter) ist längst überfällig. Mit dem Reibach ging es hier erst nach der Wiedervereinigung los. Vorher genügte es zu malochen. Es wurde viel über diese Wiedervereinigung gejammert. Heute jammern wir über andere Flüchtlinge. Also, nicht wir im Westen, sondern die Ostdeutschen, die sich damals selbst in alle Bundesländer verstreut hatten. Aber auch die Westdeutschen jammern. Der Deutsche jammert aber gerne. Das ist Teil unserer nationalen Kultur. Es gibt wenig, was den Deutschen beeindruckt. Vielleicht doch etwas. Steuerfreiheit.

Im Osten Deutschlands hat sich nicht viel getan. Man tut sich mit Bildung und Erziehung immer noch schwer. In Duisburg-Marxloh wurde Frau Merkel mit offenen Armen und Jubel begrüßt (Oktober, 2015). Überwiegend von Kindern und Kindeskindern der missachteten Fleißarbeiter. Im Osten Deutschlands kann Kanzlerin Angela Merkel nicht mit so viel Begeisterung rechnen. Deutschland muss sich ganzheitlich gesellschaftlich versöhnen. Allein auf diese Weise ist es möglich, Deutschland besser und schöner zu gestalten. Dieser Feinheit sollten wir gedenken. Grundrechte sind nicht verhandelbar, und werden nicht zu Sonderrechten, wenn sie auf andere Weise beansprucht werden.

Zum Ende hin komme ich zu einem wichtigen Thema, das eigentlich alle Menschen betrifft. Es handelt sich um Identität. Die philosophische Frage „Wer bin ich“, die wir gerne politisch beantworten, ohne ihre philosophische Tragweite zu begreifen. In Zeiten verhärteter Nationalismen ist es umso wichtiger geworden, sich NICHT sagen zu lassen, wer oder was man ist. Gesellschaftliche Rollen sind anteilig in jeder Persönlichkeit vorhanden. So ist es selbstverständlich, dass den Türken hierzulande eine Neigung zur Heimat ihrer Vorfahren vorschwebt. Natürlich wünschen sie sich eine stabile und unabhängige Türkei. Schließlich sind ihre Eltern und Großeltern ausgewandert, um Arbeit zu finden und sich etwas aufzubauen. Es sollte ihrer Ansicht nach nicht mehr nötig sein, die Türkei zu verlassen, um ein würdevolles Leben führen zu können. Daher freuen sie sich über die wachsende Selbstständigkeit ihrer anderen Heimat. Heimat ist nämlich eine Situation, in der die eigene Persönlichkeit nicht hinterfragt wird. In der Türkei werden die Deutschtürken natürlich über Deutschland ausgefragt, aber es ist ein neugieriges Fragen, kein psychologisches Hinterfragen. Darauf haben die Türken keine Lust mehr, wie auch alle anderen Minderheiten nicht. Sich ständig erklären zu müssen, wer man ist, und wer man nicht ist. Schließlich fragen Türken auch nicht alle Deutschen, ob sie den ganzen Tag nur Kartoffeln essen. Vielleicht denken sie es, aber sie sagen es nicht. Das ist der wesentlichste Unterschied. Selbst der naivste Deutsche erachtet solche Klischees als natürliche Gegebenheiten, und sieht Unterdrückung bzw. Unrecht als kulturell gerechtfertigt an, was totaler Blödsinn ist. Neugier ist eine gute Sache, aber nicht das Diskutieren von Rassismen, die man selbst nicht aufzulösen fähig ist. Eine bedeckte Türkin wird nicht unterdrückt und geschlagen, genauso wenig, wie eine nicht verschleierte Türkin sexuell verfügbar für die ganze Männerwelt ist. Das ist lediglich eine neurotische Projektion des eigenen Rassismus auf das Gegenüber. Unglücklicherweise nehmen auch Minderheiten diese rassistischen Projektionen auf und gestalten danach ihr Leben und ihre Einstellungen, eben weil sie in der Minderheit sind. Man braucht eine starke Persönlichkeit, um gegen gesellschaftlichen Aberglauben anzukommen. Da genügt es leider nicht, sich aufzuregen. Man muss sein Leben, wie man glaubt, es leben zu dürfen, weiterleben ohne sich selbst zu hassen, um sich in Folge dessen einer rassistischen Projektion anzupassen, die sowieso keinerlei Wertigkeit besitzt. Dies ist ein europäisches Problem. Ich nenne es, das weiße Denken. Wenn man weiß ist, darf man sich alles erlauben (ausgenommen es ist wiederum gegen weiße Menschen gerichtet). Dieses göttliche Gesetz existiert auch für europäische und amerikanische Staaten, die der Welt – im Auftrag US-amerikanischer Organisationen – diktieren, was zu tun sei und was nicht. Die Berichterstattung hierzulande ist ein Spiegel dessen. Gefüttert von Nachrichtendiensten, Geheimdiensten und Militärs berichten sie gegen Staaten, die selbstständig agieren und werfen ihnen Unmenschlichkeit vor. Dabei sagen diese massenmedialen Kräfte und all jene Politiker indirekt, dass das Unrecht nur von weißen Völkern ausgehen darf. Zum Glück löst sich dieses weiße Denken in sich selbst auf. Es wird teilweise nur noch von nicht-weißen Persönlichkeiten getragen, die aber auch selbst keinerlei Lust mehr darauf haben. Die weißen Männer in schwarzen Anzügen scheitern und besitzen die Dreistigkeit, der Welt vorzuschreiben, wie sie zu existieren hat. Am extremsten wehrt sich der Staat der Türkei nun dagegen. Daher werden wir von der Türkei-Berichterstattung überschwemmt. Wir sollen gehässig gegen türkische Kultur gemacht werden. In Deutschland wird das schwierig, zumal die Türken die größte Minderheit bilden und die lassen diese gehässige und verlogene Berichterstattung wie auch Politik nicht auf sich sitzen. Sie demonstrieren, sie organisieren, sie debattieren. Heutzutage begreift auch der türkische Kommunist, dass seine Gesinnung keinen interessiert. Er wird respektiert, so lange er verhungert und zu Grunde geht. Nicht aber, wenn seine Nation demokratische Kräfte mobilisiert, um sich neu zu erfinden. Demokratie ist grundsätzlich das Problem. In Wahrheit bedeutet Demokratie Regieren im Sinne US-amerikanisch-westlicher Interessen. Und genau das lehnt die türkische Regierung vehement ab. Dafür wird sie vom Rest der Welt geachtet. Natürlich steht kein Mitglied des UN-Sicherheitsrates an der Seite der Türkei, aber das wird sich noch ändern. Grundsätzlich müssen sich viele politische Verhältnisse ändern. Nationalismus hat seine Vorzüge, aber er verhindert auch viele Möglichkeiten und ein gesundes gesellschaftliches Zusammenleben. Es gäbe keinen Terrorismus, wenn die Türkei kein nationalistischer Staat wäre. Die Türkei müsse sich fortentwickeln zu einer größeren Herrschaftsregion. Kulturell könnten die Regionen Kurdistan und Türkmenistan zusammen mit der Türkei eine neue Nation bilden. Das sage ich, weil die Bevölkerungen sich bereits wieder mischen, wie sie sowieso bereits vermischt sind. Ein Staat namens „Anadolustan“ wäre größer und mächtiger, und wäre schwieriger zu unterwandern, auch wenn der Name nicht sonderlich kreativ ist. Sämtliche Bevölkerungskonflikte wären damit behoben, in dem man Krisengebiete verstaatlicht, um ihre Missstände koordinierter zu beheben. Zudem ist die Zeit des kolonialistischen Expansionismus vorbei. Man hat daher keine Argumente mehr, um einen solchen Staat anzugreifen. Durch Gewaltenteilung und demokratische Bildung sowie Alphabetisierung der Bevölkerung erhöht man die Mündigkeit des Volkes, so dass junge Männer und junge Frauen nicht mehr für politische Grabenkämpfe missbraucht werden können. Außerdem erhöht man das regionale Potenzial um das Vielfache und macht diese Region zu einem unentbehrlichen Partner in Sachen Weltpolitik. Anadolustan muss man diesen möglichen Staat nicht nennen, aber es ist immer besser einen Staat nach seiner Region zu benennen anstatt nach einem Volk. Dadurch ex-nationalisiert man kein Volk. Das war ein Grundgedanke in der osmanischen Zeit, der die Ausbreitung möglich machte. Man schloss sich sogar freiwillig an wie z. B. Ägypten und Tunesien, sowie auch Pakistan. Ich möchte das Osmanische Zeitalter nicht schönreden. Natürlich gab es Probleme. Die wird es auf dieser Welt immer geben. Das gehört zum Leben dazu. Was mir am Osmanischen Zeitalter am meisten gefällt, ist, dass Kulturen, so abwegig und bizarr sie auch waren, nicht vernichtet wurden. Man hat sie geduldet. Zu Zeiten Atatürks hat gerade das, am meisten gefehlt. Alles, was nicht „Türkisch“ war, wurde unterdrückt oder man ließ es verfallen. Atatürk wollte aufgrund des arabischen Verrats nichts mehr mit arabischer Kultur zu tun haben. Verständlich, da ein solcher Verrat noch niemals in der muslimischen Geschichte stattgefunden hat. Im Gegensatz zur Türkei aber werden die Golfstaaten niemals ihre Unabhängigkeit erlangen. Das einzige, was die Golfstaaten beständig hält, ist das US-amerikanische Öldiktat, das sich eines Tages zerschlagen wird. Es ist eine Frage der Zeit bis die arabische Wüste wieder aus leeren Türmen & Bauern bestehen wird.

Ich bin sehr zuversichtlich, was die Zukunft der türkischen, kurdischen & armenischen Bevölkerung angeht. Auch ist es völlig in Ordnung, wenn es Türken geben wird, die der neuen türkischen Regierung Dekadenz vorwerfen, denn sie offenbaren dadurch lediglich ihre Heuchelei. Einer dekadenten und korrupten Elite gegenüber verhielten sie sich stillschweigend und verneigend. Die neue türkische Elite besteht aus fleißigen und gewissenhaften Muslimen, die ihre Freizeit nicht in der Dekadenz verbringen. Auch kümmert sich diese Elite zunehmend um die arme Bevölkerung und versucht sie aktiv zu integrieren. Wählerstimmen sind das Resultat und werden weiterhin das Resultat bleiben. Dekadente Heuchler und korrupte Eliten werden immer eine kleine Minderheit sein und bleiben. In der Türkei werden diese korrupten Eliten zunehmend entmachtet. Nur noch in Istanbul und Izmir, sowie auch verteilt in anderen Gebieten haben die Lobbyisten der CHP ihre Einflüsse behalten. Ihre größte Schwäche ist dabei, dass sie Armut und der Armut verfallende Menschen verachten. Da sie das zu begreifen, nicht fähig sind, werden sie auch niemals ihre Macht zurückerhalten. In diesem Punkt unterscheiden sie sich wesentlich von Kemal Atatürk, der – trotz seiner nationalistischen Verbrechen – dem türkischen Volk sehr nahe stand. Die türkische Bourgeoisie ist vom Aussterben bedroht und bleibt lediglich durch das türkische Konfliktpotenzial wichtig, aber sie trägt nichts mehr zur Unabhängigkeit der Türkei bei. Sie wird auch nicht dazu fähig sein, weil sie viel zu gut gelebt hat. Dadurch hat sich die türkische Bourgeoisie vom Volk entfernt. Sie ist jetzt damit beschäftigt, ihre eigenen Reichtümer zu verwalten, um sich zum entscheidenden Zeitpunkt davon zu stehlen. Die so genannten Intellektuellen der Türkei, die in der europäischen Berichterstattung hofiert werden, verlieren auch zunehmend ihre Bedeutung, weil sie von Werten fantasieren, die es nicht mal in Europa gibt. Es ist eine elitäre, dekadente Gesellschaft, die ihnen vorschwebt, die nicht einmal in den schlimmsten Ecken Duisburgs existiert. Intellektuelle haben sowieso immer das Problem, dass sie sich über große Teile der Bevölkerung hinwegschreiben, so dass sie nicht mehr ernst genommen werden können. Es handelt sich oft um gescheiterte Existenzen, die dazu gehören wollen, indem sie auf libertinistische Art und Weise anecken. Der aneckende, satirische Künstler ist ja heutzutage fast überall zu finden. Durch anstößige Vorwürfe Aufmerksamkeit erregen. Das ist keine Kunst, aber auch ist alles Kunst, was ein Künstler macht. Deswegen finden diese zwielichtigen Persönlichkeiten immer noch große Resonanzen in der Presse, aber auch nur in der massenmedialen Mainstream-Presse. In der Bevölkerung sind sie längst unwichtig geworden. Sie klammern sich an eine aristokratische Kultur, die ausstirbt. Trotz des kriminellen Gehalts heißt die Presse Terrorismus und gesellschaftliche Aufwiegelung  gut, wenn beide in anderen Staaten stattfinden. In Deutschland haben wir ein großes Problem mit trotzender Bevölkerung, Stichwort Stuttgart 21. Da marschieren auch bei uns schnell die Hundertschaften der Polizei auf. Grundsätzlich heißen wir Proteste in anderen Ländern gut, es sei denn sie finden in Frankreich statt. Oder etwa in Deutschland. Warum sollte man auch hier protestieren? Und dazu noch darüber berichten? Hier ist ja alles in Ordnung, nicht wahr. Bis auf die Tatsache, dass aufgrund von Hartz IV und Leiharbeit, Kriminalität, Schwarzarbeit und Delikte zunehmen.

Ich bin ein großer Freund Recep Tayyip Erdoğans, und ich muss ihn nicht einmal treffen. Es genügt, wenn ich mir die Menschen anhöre, die ihn lieben und wählen, zu denen auch eine beträchtliche Anzahl der verarmten Bevölkerung der Türkei gehört. Zum Glück gibt es in der Türkei die Demokratie, nicht wahr. Die Mehrheit bestimmt die Regierung. Und die Mehrheit stellt sich hinter Erdoğan. Davon kann man in Deutschland nur träumen, dass die ganze Bevölkerung hinter der Kanzlerin steht. Jeder, den ich kenne, hält Merkel für eine Volksverräterin, aber keiner von diesen Menschen ist politisch aktiv. In der Türkei wird Demokratie anders gelebt. Dort geht man auch auf die Straße, wenn ein Putsch droht. Mir gefallen die demokratischen Entwicklungen, aber am meisten gefällt mir, dass Erdoğan seinen Staat in die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit führen will. Ja, das ist mit Islam tatsächlich vereinbar und Erdoğan stellt dies unter Beweis im Gegensatz zu seinen arabischen Glaubensgenossen. Sogar die muslimischen Bevölkerungen der Welt respektieren ihn und wünschen sich einen solchen Staatspräsidenten, weil er sich nichts vorschreiben lassen möchte, ohne zu übertreiben. Er ist kein Diktator. Wenn er ein Diktator wäre, der sein Volk unterdrückt, würden die Politiker ihn loben und kein Journalist ihm eines Artikels würdigen. Nein, Erdoğan ist ein muslimisches Staatsoberhaupt, das sich nicht selbst verherrlichen muss. Er ist in jeder muslimischen Familie herzlich willkommen. Und das wissen auch die afrikanischen und asiatischen muslimischen Staatsoberhäupter, die sich mit ihm arrangieren möchten, um unter ihren eigenen Bevölkerungen gut dazustehen. Jeder Staat sucht die Nähe dieses Mannes. Wem das vor allem überhaupt nicht gefällt, sind die NATO-Mitglieder. Die Türkei selbst ist ein NATO-Mitglied, aber zunehmend frei agierender und ohne militärisches Diktat. Das ist gut, weil auch die türkisch-russische Beziehung davon profitiert. Die NATO – angeführt von den Amerikanern – möchte expandieren und die anti-amerikanischen Potenziale verarmen lassen. Anti-amerikanisch ist in diesem Sinne alles, was einen anderen Staat als die USA stärker und stabiler macht. In diesem Zusammenhang stellt das deutsch-türkische Potenzial eine besonders große Gefahr dar, weil es bereits eine historische Vergangenheit hat, an der es anknüpfen kann.

Ich habe ein großes Problem damit, wenn Nationen und Religionsgruppen (das impliziert auch ihre öffentlichen Vertreter) mit dem historischen Gutmenschen-Finger auf andere Nationen zeigen. Das beste Beispiel ist Frankreich, das ständig auf die Türkei – bzgl. der armenischen Geschichte – zeigt, aber die eigenen Taten in Algerien und Zentralafrika verleugnet, und nicht dazu in der Lage ist, eine öffentliche Diskussion darüber zu beginnen. Auch Italien (und dazu zähle ich den Vatikan faktisch) hat sich für Libyen und Eritrea/Äthiopien zu verantworten und die Taten des italienischen Faschismus. Ich heiße Massenmord nicht gut und Kritik ist angebracht, aber warum können die Nationen nicht – wie sie es von Deutschland verlangen -, selbstständig ihre eigenen „Nationalverbrechen“ ausdiskutieren. Frankreich spricht über Algerien. Israel über Palästina. Italien über Libyen. Deutschland über den Holocaust (in beispielhafter Routine). Spanien über Marokko. Marokko über Italien. Russland über Tschetschenien. England über Indien. Japan über China. usw. usf.

Es sterben derzeit sehr viele Menschen wegen illegaler Waffenexporte. Die Zeit kann man nicht zurückdrehen, aber diesen Menschen ihre Heimatländer nicht zerstören, wäre ein guter Anfang. Aktualität in Bezug auf Menschenleben, anstatt den historischen Zeigefinger politisch zu erheben. Die Schlacht von Gallipolli ist zu Ungunsten der Entente-Mächte ausgefallen. Die Türkei in ein schlechtes Licht zu rücken, funktioniert nicht, weil die Türkei die gleichen Probleme hat, wie alle anderen Länder. Sie hat aber mächtig aufgeholt und möchte weiterhin aufstreben, um als ein souveräner Staat anerkannt zu werden. Die europäische Historie-Karte kann man sich nach eurozentrischer Manier zusammenrollen und sonst wohin schieben. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit europäischer Kolonialgeschichte wird nicht angestrebt. Natürlich nicht. Es geht lediglich darum, ein Feindbild zu konstruieren und zu erhalten. Feindbilder. Das ist das Geschäft von politischen Kommentaren großer Persönlichkeiten wie z. B. dem Papst, oder Parteifunktionären, die Mitglieder der Atlantikbrücke sind, wie z. B. Cem Özdemir.

Zudem sollten wir chronologisch vorgehen und uns mit den massakrierten nordamerikanischen, indigenen Völkern auseinandersetzen. Ungefähr 20 Mio. Menschen an der Zahl (vermutlich sogar mehr) wurden von europäischen Siedlern ermordet. Über 10 Mio. Chinesen wurden von den Japanern ermordet. Erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Über die Kolonialisierung möchte ich erst gar nicht reden. Es handelte sich nämlich um eine zeitlich ausgedehnte Form der kulturellen und wirtschaftlichen Vergewaltigung von nicht-europäischen (nicht-weißen) Völkern. Der „edle Wilde“ ist eine eurozentrische Projektion auf die Welt, die zurück zu ihr geführt werden muss. An der Wildheit gibt es nichts Edles, obwohl Hollywood immer noch Tarzan-Verfilmungen produziert.

Das deutsch-türkische Potenzial impliziert eine Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei, aber eine Emanzipation beider Staaten vom politischen & wirtschaftlichen Diktat anderer Staaten. Daher erachte ich es als besonders wichtig an, diese Beziehung zu intensivieren. Sie hat für uns alle nur Vorteile und bietet neue Handelswege für die Zukunft, wie wachsende Arbeitsplätze in Deutschland und der Türkei. So kann auch ein Paradigmenwechsel vom Nationalismus zum Multinationalismus leichter von statten gehen, wie auch die monopolare Weltordnung eine gesunde Erschütterung erfahren muss, so dass auch die Wirtschaft vielfältiger betrieben werden kann und Gerechtigkeit keine US-amerikanische Gunst ist, sondern eine nicht verhandelbare Gegebenheit, die von unabhängigen Staaten beansprucht und erhalten wird. Die USA werden dabei zwei Möglichkeiten zu reagieren haben. Entweder sie isolieren sich eingeschnappt und in Feindseligkeit, oder sie arrangieren sich auf Augenhöhe mit der Welt, um nicht unterzugehen. Deutschland und die Türkei ihrerseits müssen sich nicht mehr gegenseitig bekämpfen, weil sie Nachbarn sind und aus dieser Freundschaft viele Potenziale entwickeln können. Mit verstreichender Zeit wird dies die Bevölkerung in Deutschland begreifen, sowie auch die Bevölkerung der Türkei, die sich auch mit Deutschland anfreunden möchte, weil man „noch“ (!!!) an ein gutes Deutschland glaubt. In Deutschland muss man auch beginnen an die gute Türkei zu glauben, denn sie wird kommen, ob wir daran glauben oder nicht. Hoffentlich können wir endlich eines Tages mit der Türkei so frei kooperieren, wie es uns zusteht und möglich ist. Ich beobachte mit Bedauern, wie deutsch-türkische Mitbürger eifrig gegen deutsche Türkenfeindlichkeit ankämpfen und voller Frustration sind. Es ist mittlerweile sehr anstrengend aufgrund der regelmäßigen Berichterstattung über die Türkei. Der journalistische Konsens ist an eine Destabilisierung der Türkei interessiert, aber das müssen wir Nicht-Journalisten, Arbeiter, Bürger und Freunde der Türken nicht sein. Letztendlich freut sich keiner über einen instabilen Staat, in dem Chaos und Unterdrückung herrschen. Geben wir den Türken in Deutschland die Möglichkeit sich zu artikulieren, dann wird vieles erläutert werden, was seine Ursachen in der deutschen Türkenfeindlichkeit hat. Die Massenmedien füttern diese Türkenfeindlichkeit zielgerichtet mit Hilfe von Feindbildern und einer orientalistischen Motivik. Die Bilder sind eindeutig rassistisch und türkenfeindlich, und wenn wir diesen Rassismus nicht aufdecken und öffentlich zugestehen, dass Türkenfeindlichkeit ein deutsches Problem ist, dann wird sich dies auch nicht auflösen. Ich bin mir trotzdem sicher, dass uns das gelingen wird.

Und lassen Sie mich noch etwas klarstellen, dass insbesondere von Menschen geglaubt wird, die von ihren Gefühlen & Feindbildern beherrscht werden. Diskriminierung, Rassismus, etc. bestehen nicht nur aus Hass. Hass ist ein Gefühl, das die Basis bildet, aber es gibt auch andere Gefühle, die Hass vertreten können. Ekel und Angst. All diese Gefühle sind in erster Linie bedeutungslos für das Problem, das ich anspreche. Mit seinen Gefühlen muss jeder Mensch selbst klarkommen bzw. hat er sie selbst zu verantworten. Das einzige, was wir tun können, ist, einander gute Gefühle zu geben. Was jedoch weitaus schlimmer ist, sind die Taten, die aus dieser exzessiv unkontrollierten Seele entstehen. Dass jemand glaubt, Türken seien unverschämt, ist nicht wirklich das Problem. Dass jemand allerdings will – und alles dafür tut –, dass Türken „zurück in ihre Heimat sollen“, in dem er z. B. ihre Familienhäuser anzündet, sie attackiert, provoziert, ihre Geschäfte verwüstet, ihre Moscheen beschmiert und ihnen anonym droht, oder all das gutheißt und dabei zusieht, weil es ja „sowieso nur Türken sind“, das ist Rassismus und der hat in Deutschland nichts verloren. Nicht so lange ich in diesem Land lebe. Gegen keinen Menschen. Hass ist ein Menschheitsproblem, wie die Angst, aber Verbrechen gegen Menschen bleiben Verbrechen gegen Menschen, egal woher sie kommen, wie sie sprechen, was sie sagen, wie sie leben, woran sie glauben, denn kriminell ist jemand nicht, der seine Grundrechte beansprucht, sondern derjenige, der die Grundrechte anderer Menschen beschneidet. Zu diesen Grundrechten gehören auch die freie, demokratische Wahl, die freie Meinungsäußerung, die Freiheit und die Sicherheit der körperlichen Unversehrtheit.

[Das E-Book gibt es als PDF unter folgendem Artikel => https://youssefzemhoute.com/2019/05/05/die-kluft-zwischen-deutschen-tuerken-inkl-e-book/]