Die beste Zeit für Whistleblowing

…ist jetzt. Heute. Sofort. So schnell Sie können. Warten Sie nicht länger! Lesen Sie diesen Text, und beginnen Sie, zu handeln.Wie nett von Ihnen, dass Sie vorbeischauen. Ja, ich bin ein Anhänger von Whistleblowern. Das heißt nicht, dass ich es gutheiße, Geheimnisse zu enthüllen. Das finde ich höchstens verachtenswert. Doch gibt es eine ganz konkrete Ausnahme, die in staatlichen Kontexten zu oft erscheint. Beispielsweise im Falle einer breit angelegten Kriegsführung mit mehreren Milliarden Euro. Wenn sich – nach Jahren – herausstellt, dass der Anlass des Bündnisfalls auf wackeligen Füßen und großen Lügen stand, fällt das auf die Regierung und auch auf das Volk zurück. Will heißen, wenn Sie wissen, dass in Ihren Reihen beruflich gelogen wird – mit falschen Beweisen, PR-Kampagnen, Diffamierungen, Terror, etc. -, dann haben Sie schlichtweg die Pflicht als Bundesbürger, sich dem zu widersetzen. Das tun Sie natürlich nicht mit einer Email an Ihren Vorgesetzten. Im Gegenteil, lassen Sie die heiklen Informationen allmählich an die Öffentlichkeit durchsickern, wenn ein Straftatbestand vorliegt. Denken Sie mal an Cum-Ex, an Anis Amri & den Verfassungsschutz, an den NSU und die CSU, und so vielen weiteren kleineren Fällen, die nur deshalb in der Öffentlichkeit stehen bleiben, weil kleine Informationen hinausdringen. Dabei sind Whistleblower die beste Medizin gegen einen Tiefen Staat. Ein tiefer Staat meint, einen Staat, der den Großteil seiner Arbeit in Separées der Macht vollzieht. Dort kann das Volk nicht hineinschauen, und dann wird es natürlich höchst undemokratisch und verfassungsfeindlich. Egal wie kaputt Ihr moralischer Kompass ist, Sie wissen immer, dass es ein Verbrechen ist. Sie haben in Ihrem Beruf nur gelernt: „Der Zweck heiligt die Mittel.“ Lassen Sie mich Ihnen garantieren, dass das definitiv nicht mehr gilt. Meine Generation bereitet sich darauf vor, in Zeiten digitaler Transparenz der Zentren der Macht, der Privatwirtschaft, der Staaten, der Parteien und Strohmänner zunehmend zu sammeln, zu bewerten und zu kritisieren, was wir vor uns liegen haben. Die Ansprüche steigen ins Unendliche und es sieht überhaupt nicht gut für die Zentren der Macht aus. Nichts kann Sie vor Krisen beschützen und wirklich aufschieben, kann man Krisen auch nicht. Nur Gewalt kann der Staat hie und dort noch ausüben. Mit Hilfe der Polizei zum Beispiel kann der Staat mal ganz schnell auf einen Volksbusch hauen, um Ängste zu schüren und politische Zurückhaltung zu konditionieren. Nur eben auch nicht überall. Außerdem machen diese Aktionen alles nur schlimmer. Und genau hier kommen Sie als Whistleblower ins Spiel. Ein Geheimnis zu verraten, ist eine große Schande. Wenn Sie aber einen Verbrecher decken, sind Sie Mittäter. Verstehen Sie? Geheimnisse und Verbrechen überschneiden sich in diesem Fall, weshalb es für die Gesundheit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung besonders wichtig ist, dass ausnahmslos alle Verbrechen aufgedeckt werden, und zwar auch die großen Verbrechen. Wenn Sie dazu in der Lage sind, dann tun Sie das. Namen von Personen können Sie schwärzen, wenn Sie Angst um deren Leben haben. Sie können es auch ganz lassen, wenn Sie denken, dass Sie Ihr Leben dadurch gefährden. Wenn anderen aber unter diesem verbrecherischen Geheimnis leiden, sind Sie wie gesagt Mittäter. Wenn Sie damit leben wollen, akzeptiere ich das, aber seien Sie sich gewiss, dass immer mehr Menschen diese Top-Down-Kriminalität so gar nicht mögen, um es milde zu formulieren.

Keine Frage, es ist eine Zwickmühle, wenn Sie mit Whistleblowing liebäugeln. Es beweist aber auch, dass Sie ein Herz haben, weshalb Sie um Ihrer persönlichen Existenz willen wenigstens kündigen sollten. Sie müssen diese Verbrechen nicht mittragen. Sie müssen diesen Quatsch nicht mitmachen. Retten Sie wenigstens Ihr Leben, wenn das Leben von uns allen nicht so leicht zu schützen ist. Das würde mich wirklich sehr freuen. Es ist besser, arm zu sein als andere Menschen zu entwürdigen, zu verarmen und zu unterdrücken. Das sollten Sie doch am besten wissen.

Die beste Zeit für Whistleblowing Youssef Zemhoute