Warum Wählen haram ist | Demokratie & Islam

Die Behauptung „Wählen ist haram“ kennt man leider nur aus der extremistischen und islamistischen Ecke. Nichtsdestotrotz bin ich zu dem gleichen Schluss gekommen und ich möchte hier ausführen, warum dies der Fall ist. Unsere Staatsform hier in Deutschland darf man ohne Zweifel als freiheitlich-demokratische Grundordnung bezeichnen, mit Verfassung und einer entsprechenden Gewaltenteilung. Nun möchte ich nicht auf die Qualität von realpolitischer Umsetzung unserer Verfassung eingehen und auch nicht auf die tatsächliche Konstellation der Gewaltenteilung. Viel mehr möchte ich auf den Aspekt der „demokratischen Wahlen“ eingehen, der so sehr vergrößert wurde, dass man heutzutage meint, Demokratie hieße das „Wählen dürfen“, was natürlich totaler Blödsinn ist. Zur Demokratie gehört nämlich größtenteils der gesellschaftliche Austausch in der Öffentlichkeit in Form von pluralen Lebensformen und hochkommunikativen Diskursen ohne irgendwelche ideologischen Einrahmungen. Sie merken bereits jetzt, dass wir beides nicht haben, und das Demokratie nicht wirklich gegeben ist. Wahlen bedeuten so viel, weil sie so selten gemacht werden und keinerlei Auswirkungen auf die systemischen Grundstrukturen unserer Gesellschaften haben. Man wählt quasi Masken, die vom uralten neoliberalistischen Grundgefüge angezogen werden. Dennoch bleiben die meisten Aspekte, mit denen Menschen regiert werden, die gleichen. Schauen Sie einmal, was sich die letzten 75 Jahre geändert hat. Ein bisschen Kapital ist zirkuliert, und das wars auch. Alle politischen Tendenzen sind die gleichen geblieben. Es gibt ergo keinen Unterschied, ob man wählt und welche Partei man wählt. Dies gilt in besonderem Maße für die Altparteien, aber selbstverständlich auch für die AfD. Neue Parteien gibt es nicht, weil junge Menschen sich nicht für Parteipolitik interessieren. In den jungen Parteistrukturen befinden sich lediglich Karrieristen, die auf ihre Chancen und Ämter warten. Will heißen, Sie wählen ein Theaterstück, bei dem die Gewinner mit einer sehr guten Karriere davon kommen. Die Entscheidungen, die diese gewählten Persönlichkeiten treffen, werden aber niemals den neoliberalistischen Konsens überwinden. Das geht gar nicht. Daher ist als Muslim klar, dass sehr viele Bedingungen erfüllt sind, diese Demokratie als durch und durch korrupt zu erachten. Einer korrupten Regierungsform kann man nicht vertraut, weshalb ein aktives Wählen dazu führt, dass man für diese korrupten Verhältnisse mitverantwortlich wäre. Dies bedeutet, wenn ich die SPD wähle, bin ich für ihre vergangenen und kommenden politischen Entscheidungen verantwortlich. Das kann ich nicht auf mich nehmen, denn die politische Geschichte der SPD ist in völkerrechtlichen und sozialrechtlichen Dingen eine große Katastrophe. Bestens wird dies an Ex-SPD-Figuren deutlich, die sich von jeglicher Realität, von der sie profitiert haben, trennten. Dies können Sie wiederum bei allen Parteien überprüfen. Ob Schröder von der SPD oder J. Fischer von den Grünen, bereits C. Özdemir hat außerordentliche Verbindungen in transatlantischen Netzwerken. Ich bin mir sicher, dass er auch mal mit patriotischen Evangelikalen in Langley trinken geht. So sehr ist unsere Rechtsstaatlichkeit durch Parteipolitik getrübt. Die Exekutive kommuniziert sich zwar mittig, aber sämtliche Entscheidungen werden über die Köpfe der Bevölkerungen gemacht. Ich meine, das ist sogar im Einzelnen so, denn Sie sind ein Bürger inmitten bürokratischer Geflechte, und wenn Sie einen bürokratischen Wisch nicht liefern, macht Ihnen der Staat Probleme. So ist es mit großen politischen Entscheidungen auch. Alle großen Themen der Politik wurden entgegen dem Volkswillen gemacht. Nehmen wir uns mal einige Themen vor.

Migration. Niemand will Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen. Davon bin ich fest überzeugt, auch wenn einige Personen das sagen. Das heißt aber nicht, dass man nun alle möglichen Migranten aufnimmt, DENN, verehrte Leserinnen und Leser, schauen Sie sich unsere Gesellschaft etwas ehrlich an; wir haben Obdachlose, wir haben ein wachsendes Prekariat, wir haben rechtsterroristische Strukturen, uvm., was wiederum bedeutet, dass wir sehr viele Probleme haben. Wir können Migranten und Kriegsflüchtlinge aufnehmen, wenn wir es richtig machen. Beispielsweise könnten wir eine Stadt für sie bauen innerhalb Deutschlands. Aber nein, leider erlaubt unsere „demokratische“ Bürokratie das nicht, weil sie neoliberalistisch ist. Alles müsse sich rechnen. So auch die Migrationswellen, die eigentlich nur den Arbeitsmarkt füttern sollen. Das drückt den Niedriglohnsektor erneut und erzeugt soziale Eruptionen, denn jemand, der von Bomben flieht, ist froh, dass er überhaupt lebt, aber jemand, der in Deutschland keinerlei Erfahrungen mit Kriegserlebnissen gemacht hat, der wird keine 2€/Std.-Gartenarbeit machen. Das ist doch klar. Es sei denn, man zwingt ihn dazu, wobei er sich ärgert, wenn er sieht, dass der Flüchtling nach zwei Jahren weiter gekommen ist als er, weil jener sich vom System mehr ausbeuten ließ als er. Und das ärgert ihn, wie es Sie und mich ärgern würde. Flüchtlinge haben nämlich einen Wettbewerbsvorteil, den Sie und ich nicht haben. Wir halten nichts von Gehorsam. Flüchtlinge kennen ein Leben ohne Gehorsam gar nicht. Sie ordnen sich jeder Struktur unter, die Sie überleben lässt. Und das ist eben eines der vielen Probleme. Man könnte nämlich auch sagen, wir nehmen so viele Flüchtlinge auf, wie es Familien gibt, die Flüchtlinge aufnehmen, aber das hätte den Arbeitsmarkt nicht gesättigt. Sie merken, es gibt hier eine kriminelle Ader in unserer Politik. Wir baden es heute aus, was aber nicht heißt, dass wir Flüchtlinge jetzt steinigen dürfen, denn sie haben die gleichen Grundrechte wie wir. Also, verstehen Sie mich nicht falsch. Flüchtlinge einfach reinlassen und sie der Verwahrlosung übergeben, ist das Erbe unserer obersten politischen Etagen; Sie und ich sind NICHT dafür verantwortlich. Daher haben wir das Recht wütend zu sein, denn es ist schludrige Bürokratie gewesen.

Und die Fluchtursachen sind auch ein Thema. Wir stellen nämlich niemals die Fragen zum Thema Auslandspolitik, Militär, Rüstungsexporte und Krieg. Wollen wir, dass unsere Bundeswehr einfach so in alle Welt zum Schießen geschickt wird? Ich habe da so meine Zweifel. Ich möchte nicht, dass Bundeswehrsoldaten in Mali ausbaden, was Frankreich aus historischer Verantwortung heraus ausbaden müsste. Genauso verhält es sich mit Afghanistan, wo die Amerikaner historisch verantwortlich sind. Ein bisschen profitieren hier natürlich wieder die obersten Etagen unserer Politik, aber wir, die „Wähler“, die Bürger wollten das gar nie. Wählen ist unter diesem Aspekt definitiv haram, denn es ist nicht erlaubt, Kriege zu führen, um irgendwelche Profite aus der Region zu schlagen. Stellen Sie sich einfach vor, dass jeder Staat diese Logik verfolgt. Sie merken selbst, es geht nicht auf. Und vieles andere geht in unserer repräsentativen Demokratie nicht auf, weshalb es so wichtig geworden ist, dass Muslime Positionen beziehen, aufhören Parteien zu wählen und sagen: „Nein, jetzt werden wir in kleinen Zirkeln politisch.“ Das ist der beste und gesündeste Weg angesichts der derzeitigen Situation unserer Demokratie, denn sie rutscht nach ganz rechts und leiert sich aus, was dazu führen wird, dass die obersten politischen Etagen nur noch von der Polizei geschützt werden, aber sie stehen jetzt im Mittelpunkt.

Als Muslim sage ich daher „Nein“ zu demokratischen Wahlen, denn damit gebe ich meine Stimme ab, aber das will ich gar nicht. Es ist mir viel lieber, wenn ich sie behalte und benutze, und diese Erkenntnis haben immer mehr Menschen weltweit. Was macht die Politik da eigentlich, die Regierung? Bei all den Geldflüssen von unten nach oben kriegt man gar nichts auf die Reihe? Evtl. liegt es am Alter? Oder woran? Das sollten wir in Ruhe ausdiskutieren. Und lassen Sie sich nicht erzählen, dass man durch Nichtwählen die rechten Parteien stärkt. Wahlen haben heutzutage angesichts der ausschweifenden und täglich explodierenden Digitalisierung keinerlei Geltung mehr. Es ist nie wieder möglich, eine Regierung mit Hilfe von Wahlen aufrecht zu erhalten. Der einzige Faktor, der unseren Staat am Leben hält, ist die Tatsache, dass es doch einige Menschen gibt, die ihre Arbeit richtig machen. Wenn die weg sind, dann kann jede Regierung einpacken, denn Politik ist keine Horizontalfrage mehr. Es gibt keinen Auslandsfeind in Russland, der Türkei oder sonstwo. Im Moment ist der Feind direkt sichtbar in Form seiner machthungrigen Ideologie, mit deren Hilfe er sich der Welt bemächtigen möchte mit dem riesigen Problem, dass er eine große Masse von Menschen unterdrücken will. Diese Zeit stirbt aus. Als Muslime dürfen wir das durch unsere Wählerstimmen nicht hinauszögern. Wir wollen eine bessere Regierungsform und in einem Staat leben, in dem man sich nicht in Gruppen anfeindet. Ich bin fest davon überzeugt, dass das alle Wähler wollen, von AfD-Wählern bis hin zu Grünwählern. Und aus diesem Grund ist die Parteipolitik jeden Tag ein bisschen weniger relevant.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Haben Sie einen schönen Abend!

Salam!

PS: Falls Sie meiner Autorität misstrauen, empfehle ich Ihnen den folgenden Vortrag von Dr. Rainer Mausfeld über Demokratie und seine jüngste Geschichte. [VIDEO JETZT ANSCHAUEN!]