Gründer, Unternehmer, neue Wirtschaft 2020

Die meisten Gründungen haben etwas Konkretes gemeinsam; jeder Gründer, jede Gründerin möchte etwas unternehmen, etwas vertreiben, um einen bestimmten Bedarf abzudecken. Nicht immer ist jener Bedarf mit einem Problem verbunden, was nicht so tragisch ist. Die meisten Gründer suchen händeringend nach Kapital. Mit Ihrem Startup können Sie gefördert werden, allerdings ist es i. d. R. in Form eines Kredites. Bedenken Sie dabei, dass Sie gefördert werden, damit man Sie hinterher fordern kann.

Häufig gründen Menschen mit Zahlen. Es geht dabei nicht nur um Finanzzahlen, sondern auch um Schätzungen, Erwartungen, Häufigkeiten, öffentliche Trends, Tests, Bilanzen, Stückzahlen, SEO, etc. Danach richten sich 99,999% aller Gründerteams. Auch ein IT-Gründerteam mit Größe 14 und einem Kapital von 3,7 Mio € richtet sich nach Zahlen. Das liegt nicht ausschließlich am Investment-Druck, sondern am Glauben an die Berechenbarkeit des Lebens. Ein kitschiges Werbevideo, das die Menschen berührt, erscheint als ideale Werbung in der Weihnachtszeit, so die Annahme auf Basis von Statistiken.

Was in der Wirtschaft zu 100% ausgelassen wird, wohin auch klassische Gründerberatungen führen, sind kohärente Sinnhaftigkeiten beim Gründen. Es mangelt bei Gründungen an Sinn, weil es lediglich um Zahlen geht, zu ca. 70% um bewährte Zahlen. So beobachten Sie derzeit das Aufkommen von IT-Kopismus beim Gründen. Sie haben ein App-Konzept mit einem Bedienungssystem, das auf unterschiedliche Kontexte übertragen wird. Eigentlich ist die Zeit für etwas Neues längst gekommen, aber das Gründen folgt dem Trend der Zahlen.

Lean Management oder Schlankes Management reduziert sämtliche Methoden, Kriterien und Aufgaben auf das kleinste Gemeinsame, auf das man sich arbeitsam konzentriert. Ich bezeichne es als die 1-er-Kette. Ein Gedanke führt zu einer Idee führt zu einem Model führt zu einem Geschäft. Und ein Gesprächspartner wird zu einem Kunden, der mit einem Freund darüber spricht. Man darf vom Testen des Marktes sprechen. Durch dieses einfache Vorgehen würdigt man seine Tätigkeit.

Lean Management ist Sache des Entrepreneurs. Jeder Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzender eines Standardunternehmens schreckt auf bei diesem Grundgedanken. Er betrachtet es als Zeitverschwendung. Warum einem Menschen so viel Aufmerksamkeit schenken, wenn man hunderttausende Menschen erreicht? Weshalb Angestellte mit solchen Gesprächen belasten, wenn sie viel besser hunderte von Emails beantworten, lesen und schreiben können? Das verhindere die Effizienz der Zahlen.

Ich möchte Ihnen nicht sagen, was zu tun ist. Das entscheiden Sie bitte selbst. Als Entrepreneur oder Kleinunternehmer oder Selbstständiger werden Sie Lean Management zu schätzen wissen. Es ist solide, weil es eine Kommunikationsqualität gibt, die unersetzbar ist. Hat Ihnen jemand mal ausführlich ein Produkt, einen Dienst so ausführlich und aufmerksam erklärt? Erinnern Sie sich daran, wie sich jemand Zeit für Sie genommen hat? Nein, Sie sollen es kaufen und quartalsweise noch mal kaufen.

Lean Management ermöglicht Ihnen eine unersetzbare Kundenbeziehung. Dadurch können Sie – je nach dem, was Ihr Unternehmen ausmacht – 10 bis 400 Kunden im Stamm haben, ohne sich je wieder Sorgen machen zu müssen. Dann bekommen Sie einen individuell anpassbaren Kundenrhythmus. Es gibt keinen Kunden, der eine hohe Gesprächsqualität nicht zu schätzen weiß. Und dann ist der Preis, den Sie anbieten, ziemlich egal. Warum? Weil es tatsächlich Dinge gibt, die wertvoller sind als Geld. Sonst würde ja auch niemand mehr Geld ausgeben, sondern viel intelligenter einkaufen.

Stellen Sie sich nur mal vor, wenn Menschen entsprechend des Haltbarkeitsdatums einkaufen und sich wieder Vorratskammern bauen. Und die Innenstädte mit Teppichen und Gasflaschen übersät wären, während wartende Kellner schockierend zuschauen. Nein. Geld ist nicht das wichtigste im Leben. Was aber immer wichtiger wird, ist die ethische Haltung hinsichtlich unseres Konsums. Niemand will Kinderarbeit, Hungersnöte oder Frauenunterdrückung fördern. Solche Skandale verbreiten sich schneller als je zuvor. Es wird jeden Tag wichtiger, wie ein Produkt entstanden ist und ob „Blut“ daran klebt. Das glauben Sie nicht, dann warten Sie es ab.

Wenn Sie sich mit Lean Management beschäftigen, werden Sie die Vorteile darin sehen. Außerdem funktioniert Lean Management auch mit einem Team im StartUp, in einem Verein, bei einem konkreten Projekt, usw. usf., was Sie nicht unterschätzen dürfen. Führen Sie sich die Schrittfolge des Einfachen vor Augen! Im Folgenden werde ich Ihnen eine kleine Übung zeigen, wie Sie das klassische Management loswerden.

Nehmen Sie an, Sie haben ein neues Produkt. Das Produkt ist solide, es funktioniert und Sie nutzen es selbst. Es erfüllt alle Kriterien der Vollkommenheit. Nun zeigen Sie das Produkt einem Menschen in Ihrem unmittelbaren Umfeld. Dieser Mensch ist überrascht, beurteilt es und Sie sind wesentlich schlauer. Danach gehen Sie zu jemand anderem und führen ähnliche Gespräche nach und nach. Das Produkt verbessern Sie wieder. Nun möchten Sie es mit einer Marke pflegen. Sie beginnen mit drei Stück, können die Marke jedoch nur im laufenden Prozess anmelden. Sie verkaufen nun die drei Produkte und erhöhen den Preis, um hinterher genügend Geld für die zweite Produktion zu haben. Sie werten die Rezensionen der Käufer aus.

Sie führen intensive Gespräche über das Produkt. Vor der 2. Produktion verbessern Sie das Produkt. Sie merken schon, dass Lean Management Zeit beansprucht. Alle guten Dinge brauchen Zeit. Menschen kommen als Babys zur Welt, können nicht gehen und meistens nicht mal krabbeln. Das ist Ihnen im Lean Management klar. Sie fahren so fort und haben nach einem Jahr ein besseres Produkt als die großen Konzerne und genügend Geld, um es erfolgreich zu vermarkten.

Der klassische Weg von Gründern & Gründerinnen läuft leider anders. Zuerst einmal das verwirtschaftlichte Denken. Alles ist Markt und diesen Markt gülte es, zu erobern. Sie sagen: „Ich brauche das und das, und das und das, und dann müssen wir 10.000 Stück produzieren und dann verkaufen und dann ganz viel und nur 1% reichte schon aus, etc. pp.“ Sie kennen diese Haltung. Schlimmstenfalls kommt ein Investor hinzu, der sagt: „Herstellungskosten müssen wir reduzieren und das Marketing entdrosseln. Es muss verkauft werden wie heiße Semmel, sonst wird es imitiert.“ Und dann kommen noch viele andere Menschen, die reden und reden und ehe Sie sich versehen, haben Sie Ramsch in den Markt geworfen. Ihre Unique Selling Proposition ist nur noch auf dem Paket sichtbar und Ihr Produkt gehört auch nicht mehr Ihnen, weil Sie nicht genügend Gesellschaftsanteile haben.

Folgende Übung zum erfolgreichen Lean Management und fürs solide Geschäfte machen empfehle ich Ihnen: „Ich mache…“ anstatt „Ich brauche…“ „Ich erzähle…“ anstatt „Ich verkaufe…“ Und sehr wichtig ist: „Ich bin…“ anstatt „Ich habe…“ Sie sind aktiv unterwegs und zwar im Auftrag ein Problem zu beheben, eine Lösung zu präsentieren und einen Menschen glücklicher zu machen. Sie sind nicht da, um Geld zu verdienen. Wenn es gut ist, was Sie gemacht haben, fragt Ihr Gegenüber automatisch: „Kann ich das kaufen?“ Wenn Sie es schaffen bspw. ein Kleidungsstück zu schneidern, das getragen werden kann und Schuhe, Kapuze, Jacke, Hose und Hemd enthält, dann brauchen Sie es nicht zu verkaufen. Es gibt genügend Menschen, die es kaufen wollen, weil es ein konkretes Problem löst ohne größere Probleme hervorzubringen. Dann fällt es Ihnen leichter, zu argumentieren und es geht dann weniger um Markendesign als um Markenqualität. Und Markenqualität – erinnern Sie sich – wird immer wichtiger werden.

Probieren Sie Lean Management aus! Schnappen Sie sich eine Ihrer Dienstleistungen oder eines Ihrer Produkte. Greifen Sie zum nächsten Unternehmen, studieren Sie es und rufen Sie an. Sprechen Sie mit Verantwortlichen und nehmen Sie sich die Zeit, zum Vertrauensaufbau und einer angenehmen Kommunikation. Lassen Sie den Drückerstil weg und zwar auch im Marketing.

Ich möchte gar nicht erst Ihre Gründung beurteilen. Nicht weil ich Ihre Geschäftsidee und das dazugehörige Geschäftsmodell nicht kenne, sondern weil ich Sie persönlich nicht kenne. Vielleicht gründen Sie wirklich aus Leidenschaft mit sehr viel Sinn. Jedenfalls wäre  es das sinnvollste Gründen, weil Sie nicht irgendwelchen Zahlen nachjagen werden, sondern fortwährend sich darum bemühen, Ihren Geschäftssinn weiterzuentwickeln und nützlicher zu sein. Gründen Sie nebenberuflich, dann sind Sie noch glücklicher. Keinerlei rote Zahlen, kein Hebelkredit, kein Investorengerede oder überflüssige Bonitätsdebatten. Sie tun Ihre Arbeit mit Sinn und Sie erhalten sich den Sinn Ihrer Gründung.

Stellen Sie sich vor, die meisten Gründer (IT-Branche) werden wie Raketen gestartet. Der Raketenstart ist aber so heiß und verschwenderisch, dass die Rakete sofort am Boden explodiert. Die Rakete ist eine Metapher auf die Sinnhaftigkeit einer Unternehmung, einer Gründung oder eines größeren Unternehmens. Was übrig bleibt, ist das Zählen der explodierten Teile, das Sammeln von Informationen und der Verkauf von Tickets für den nächsten Raketenstart.

In Sachen Wirtschaft können Sie Zahlen nicht erzwingen. Sie legen lediglich eine solide Basis für den Handel. Entweder Ihre außergewöhnliche Problemlösung oder eine tolle Alternative zu einer existierenden Problemlösung. Wenn Sie sich auf Zahlen konzentrieren, dann bleiben Sie ihnen ewig ausgeliefert. Zahlen sind nämlich unberechenbar und es gibt keinerlei Garantie dafür, dass Ihr Produkt bzw. Ihre Dienstleistung ankommt. Denken Sie nur einmal an die Tatsache, dass elektronische Fahrzeuge zeitgleich mit Benzinfahrzeugen erfunden wurden. Erst über 100 Jahre später gibt es ernsthafte Diskussionen und nur einen einzigen Produzenten von Elektrofahrzeugen. Hierbei geht es um Timing.

Abgesehen davon, dass all diese numerischen Unberechenbarkeiten erst im Nachhinein Sinn ergeben, ist es ratsam, bei sich selbst und seiner Arbeit zu bleiben. Die Nutzbarkeit muss im Mittelpunkt stehen. Alles andere liegt nicht in Ihren Händen. Sympathie, Kapital, Kommunikation, etc. können vergünstigende Elemente sein, aber sie beeinflussen kaum Ihren Erfolg. Es geht nämlich irgendwann um Märkte und wenn Sie Wirtschaft verstehen möchten, dann beobachten Sie einen Markt. Es wird Sie verwundern, wie beliebig Märkte entstehen, zunehmen, abschwächen und vor allem verschwinden.

Menschen suchen nicht unbedingt immer nach Sinn, dennoch haben wir alle ein starkes Verlangen danach. Wir kommunizieren auch hauptsächlich über Sinn und Sinnhaftigkeit. Ohne funktionieren Sprachen nicht. Wenn Sie nun den Zahlenhebel nutzen, reduzieren Sie nicht nur den Sinn Ihres Unternehmens, sondern auch die Qualität der Sinnhaftigkeit Ihres Produktes. Was sollen Menschen mit einem zweiseitigen Buttermesser? Ist das ein Problem oder ein Fall für den 1€-Grabbeltisch? Genauso stellt sich diese Frage bei Applikationen. Wozu eine Dating-App mit Gender-Kriterien? Was ist da der Zweck?

Schlechte Projekte sind im Sinne ihrer Sinnhaftigkeit nicht skalierbar. Sie fragen nur, wie viele Menschen es nutzen/gebrauchen/kaufen können. Da liegt auch der Hund begraben und die Katze ist aus dem Sack. Das Konsumverhalten wird zunehmend kritisch, was ich hervorragend finde. Das führt nämlich dazu, dass es immer weniger schlechte Produkte gibt, die nach sechs Monaten mit gedrücktem Niedrigpreis verrümpelt werden. Hohe Ansprüche schaffen ein angenehmeres Bewusstsein in den Märkten, das sich Qualität zum Ziel setzt. Jene Qualität beginnt in der Sinnhaftigkeit eines Projektes und nicht in der Profitabilität.

Denken Sie lukrativ und nicht profitabel! Wenn Sie profitabel denken, dann denken Sie irgendwann nur noch an Sparen, breiter und mehr produzieren und mehr sparen. Irgendwann bieten Sie nur noch Ramsch an. Als lukrativ erweist sich ein Geschäft, wenn es sehr sinnvoll entsteht, gedeiht und umgesetzt wird. Wenn Sie so vorgehen, dann kommen Sie niemandem mehr mit Sätzen wie „Wir brauchen erstmal 1,4 Mio €, weil der Markt sehr groß ist und 1% brächte uns schon Milliarden ein, denn…“ Dann nutzen Sie nämlich Sätze wie z. B.: „Als Ex-Bäcker hatte ich Gewissensbisse beim Wegwerfen von unverkauften Brötchen, so dass ich experimentiert habe. Als ich den Weizensaft entdeckt habe, konnte ich meinen Augen nicht trauen, wie viel ich mit ihm an Lebensmitteln retten konnte.“

Erkennen Sie den Unterschied? Ein gieriger Drücker-Typ fängt immer mit Zahlen an. Ein Gründer, eine Visionärin, ein Unternehmer, ein Socialpreneur, etc. beginnt mit einer glücklichen, sehr persönlichen Geschichte, die ruhig irritieren darf. Sie fragen sich bereits vor brennender Neugier, was zum Teufel dieser Weizensaft kann. Das nenne ich Sinnhaftigkeit. Also bitte, gründen Sie mit Sinn, nicht mit Geld! Wenn Sie mit Zahlen an große Zahlen kommen wollen, behandeln Sie diese unglückliche Neigung mit einem Lottospielchen. So haben Sie Freudenphasen und ersparen uns überflüssige Werbung und miserable Produkte und Dienstleistungen. Vielen Dank und viel Erfolg (mit Sinn)! Starten Sie mit Ihrer eigenen Form von Lean Management!