Rassismus ist eine Krankheit

Rassismus ist eine Geisteskrankheit, aber auch eine seelische Krankheit. Das bedeutet aber nicht, dass ein Rassist unzurechnungsfähig ist. Er weiß sehr wohl, was er tut. So auch die Rassistin. Jeder Rassist ist zurechnungsfähig. Unzurechnungsfähigkeit hätte nämlich zur Folge, dass man Rassismus gar nicht verstehen und aufnehmen könnte. Man hätte ganz andere Sorgen. Wer aber präzise Vorstellungen von seiner rassistischen Welt, den rassifizierten Völkern, den „Untermenschen“, etc. hat, der konzentriert sich willentlich und macht sich zunehmend zu einem kranken Mitglied der Gesellschaft. Er wird Soziopath, weil kein Mensch – auch der Rassist selbst nicht – ist reinen Geblüts. So etwas gibt es nicht und hat es nie gegeben. Alle Menschen haben Vorfahren aus aller Welt, wenn man weit genug in die Geschichte zurückgeht. Migrationen hat es immer gegeben und es wird sie immer geben. Das ist etwas völlig Menschliches, das man niemals ausradieren können wird.

Über Rassismus wird viel gesprochen, aber meistens leider falsch. Das hängt damit zusammen, dass er sich über die Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Heute können wir aber sagen, dass Rassismus ein Menschenbild ist, bei dem Weisse Menschen ganz oben und schwarze Menschen ganz unten stehen. Rassismus impliziert also, dass es Über- und Untermenschen gibt, dass Weisse Menschen die edelste Rasse ausmachen und dass alle anderen Menschen lediglich als Bastarde, „Abartungen“ und Menschen zweiter Klasse zu begreifen seien. Mit dieser rassistischen Realität kämpft die Welt noch heute. Wir wissen, dass Rassismus Blödsinn ist. Wir wissen, dass es keine Rassen gibt. Wir wissen, dass alle Menschen gemeinsame Vorfahren haben. Wir wissen, dass die Herkunft und das Aussehen keine impliziten Einflüsse auf das Leben haben oder auf die Gesundheit von Körper, Geist und Seele. Diese Ansichten sind klar, nachvollziehbar und könnten in der Realität nicht deutlicher zum Ausdruck kommen als dass es bereits seit Generationen vermischte Völker, Familien und Stämme gibt. Es gibt auch außerhalb Europas Weisse Menschen oder Menschen von hell-rötlicher Hautfarbe. Der Rassismus kommuniziert aber immer Hierarchien und er existiert noch – aus historischen Gründen – im Keim vieler Lebensbereiche. Wir erleben derzeit, wie diese Krankheit sich symptomatisch zeigt und selbst ausmerzt. Es sei alles in Ordnung auf der Welt gewesen, als Weisse Männer tun und machen konnten, was sie wollten. Seitdem sie dieses Privileg mit anderen Menschen teilen müssen bzw. auf sehr vieles verzichten, weil diese rassistische Diskrepanz in einem internationalen Kontext steht, gefällt es diesen kranken Menschen nicht mehr. Der Wandel der Zeit ist nicht aufzuhalten und die letzten 500 Jahre – 400 Jahre davon kolonialistisch – werden sich umkehren. Das heißt aber nicht, dass Weisse Menschen danach keine Menschen sind. Es heißt nur, dass alle Menschen Menschen sind. Daran kann man nichts ändern. Jeder, der sich selbst als Weisser Übermensch betrachtet, ist ein Rassist. Und damit ist er krank. Er muss zur Therapie. Ich würde nicht sagen Psychotherapie, aber in jedem Falle braucht er jemanden, der ihm zuhört, um ihn verständlich zu machen, dass alle Menschen gleich sind und dass das Aussehen mit der Essenz eines Menschen wenig über seine Lebensqualität aussagt. Damit verlieren die Rassisten ihre real-ideologische Legitimation in der Welt. Es gibt bald keine dritte Welt mehr, auf die man herabschauen kann. Es gibt bald keine armen Frauen, die man heiraten und ins Land holen kann, ohne dass sie sich direkt danach scheiden. Es gibt bald keine Straßenkinder mehr, die im Urlaub Geld von einem annehmen. Es gibt auch sehr bald, keine billigen Einkäufe mehr im Ausland. Das hat alles nichts mit Wucher zu tun, sondern mit dem Ende des Rassismus als politisches Machtgefüge. Dieser Rassismus ist eine Geisteskrankheit. Wer sich nicht davon verabschiedet, der wird in den nächsten Jahren bitter daran zu Grunde gehen. Man sollte deshalb ein Blatt Papier nehmen und aufschreiben, warum man ein Rassist ist. Nur das Warum genügt. Manche Rassisten werden feststellen, dass sie damit aufgewachsen sind, wofür sie nichts können. Sie könnten Rassismus mit Leichtigkeit loslassen. Andere werden feststellen, dass Rassismus sie sich besser fühlen lässt. Diese Menschen sind leider besonders krank und müssen ernsthafte Diskussionen mit Personen anderer Herkunft führen. Wiederum andere halten Rassismus für wissenschaftlich nachweisbar, und das sind die schlimmsten Rassisten. Sie sind meistens über 40 Jahre alt und wünschen sich eine Welt, in der sie als die Oberhäupter gesehen werden. Nein. Die meisten von ihnen werden sehr bald sterben. Die Übrigen täten gut daran, von ihren Positionen zurückzutreten und Urlaub zu machen. Die Wellen, die den Rassismus zerbrechen werden, kommen nicht nur aus jeder Richtung, sondern auch aus dem Inneren, und das können auch diejenigen mit vermeintlich reinstem Geblüt nicht verhindern, ohne grauenhafte Alpträume zu haben. Der Rassismus ist eine Krankheit, aber man entscheidet bei ihm selbst, ob man krank bleiben möchte. Er hat defintiv keine Zukunft mehr, und wer auch immer sich eine Vergangenheit herbeisehnt, der wird im Verlust sein.