Lebensunterhalt: Weltuntergang

Lebensunterhalt: Weltuntergang

Es gibt immer mehr Professionen dank der Digitalisierung. Sie wirkt sich in Form branchenübergreifender Multidisruptionen aus. Doch von Undank auch müssen wir erfüllt sein, wenn wir den Erfolg der Untergangskulturen beobachten. Offenkundig erreicht man mehr Menschen, wenn man ihnen von bösen Machenschaften, wachsender Krisen und katastrophalen Herrschaftsstrukturen erzählt. Kurzum, das Geschäft der Verschwörungstheorien befindet sich an seinem Zenit. Heutzutage vertritt fast jeder Mensch irgendeine Verschwörungstheorie, die – therapeutisch gesehen – seine vielen Glaubenssätze lebendig hält. So haben viele Menschen sich mit einem Leben abgefunden, das sie als minderwertig empfinden – ganz unabhängig vom Einkommen -, so dass sie sich den vielen Untergangsszenarien widmen und auf neuere Katastrophen warten. Betrachtet man diese Verschwörungstheorien genauer, offenbart sich etwas Erstaunliches. Sie sind allesamt darauf ausgerichtet, dass man selbst nichts bewegen kann, ein Spielball größerer Kräfte bleibt und nichts sich wirklich ändert oder alles schlimmer werde. Was für ein Unsinn! Der Schmerz, der tief sitzt, lässt sich mit folgendem Glaubenssatz darlegen: „Ich bin völlig machtlos und kann überhaupt nichts verändern!“ Dass das eigene Leben dann von fremden Kräften erdrückt wird, ist eine logische Folge dieses Glaubenssatzes. Andere Möglichkeiten sieht man ja gar nicht oder blendet sie aus, wann immer sie aufkommen. Dieses Geschäft mit schlimmen Zuständen vieler Gesellschaften boomt und macht Menschen reicher, die davon leben, dass es Katastrophen gibt. Das ist ziemlich schlimm, weil dadurch ein informativer Teufelskreis entsteht. Allerdings liegt die Ursache teilweise darin begründet, dass die Medienkonsortien den Fehler machten, ihre Berichterstattung zu vereinheitlichen, überwiegend durch Absprachen, Netzwerke und gemeinsame Interessen. So entstand die paradigmatische Hoheit, über die ich auch einen Podcast gemacht habe. Es gibt zahlreiche Leitlinien, die eine massenmediale Gleichschaltung verursacht haben. Die Massenmedien verleihten ihrer Berichterstattung hierdurch einen verschwörerischen Stil. Wenn mehrere Sender, Sendungen und Medienmacher über eine Angelegenheit sprechen, machen sie sie groß. Dadurch entstehen im Laufe von Monaten und Jahren Paradigmen, die die Öffentlichkeit dominieren und die Gesellschaft sehr stark beeinflussen. Ein bekanntes Paradigma ist in einzelnen Begriffen fassbar. Z. B. „Arbeitsplätze“, „Solidarität“, etc. Massenmedien sind übrigens alle Medien, die stündlich bis täglich eine Masse von Lesern, Zuschauern und Zuhörer erreichen. Von einer Masse kann man ab 100 Personen täglich sprechen.

Im Laufe der Digitalisierung ist die anti-paradigmatische Hoheit zum Vorschein gekommen. Es handelt sich um die antithetischen Verschwörungskulturen der Untergangs- und Gewaltszenarien. Man wird nämlich feststellen, dass sich beide ergänzen, indem sie von Dingen sprechen, die die jeweils andere Medienhoheit nicht anspricht oder man behauptet einfach das Gegenteil. Heißt es in der paradigmatischen Hoheit, dass „die Juden“ ein großes historisches Leid hinter sich haben, behauptet die anti-paradigmatische Hoheit, dass „die Juden“ in Wirklichkeit alle die Welt beherrschen. Heißt es, Russland sei feindselig und aggressiv, positioniert sich die anti-paradigmatische Hoheit als äußerst Russland-freundlich. Dann gibt es noch kleine Feinheiten und fragmentierte Schichten dieser beiden Extreme, aber es sind Produkte, die verkauft werden. Sie haben keinerlei Wahrheitsgehalt, nimmt man sie genauer unter die Lupe. Und zwar auf beiden Seiten nicht. Nur in wenigen Elementen sind sich die gegnerischen Hoheiten einig, nämlich beim Thema Religionen, was mich nicht überrascht. Religionen stellen den Menschen und sein Handeln in Frage und besitzen eine große Macht in den Gesellschaften über Jahrhunderte hinweg. Religionen helfen dabei, mit ihren Fragen über das Leben zu reflektieren. Nichtsdestotrotz werden sie diffamiert und treten weiter in den Hintergrund und aus der Öffentlichkeit. Dies führte jedoch dazu, dass die Spiritualität zunehmend in den Vordergrund trat. Sie hat den Vorteil der Inklusivität und der ganzheitlichen Ansprache der Menschen. Sie wird ein ernsthaftes Problem für die Strukturen der Herrschaft sein, weil sie durch den einzelnen Menschen geht. Themen wie Achtsamkeit, Arbeitssinn, Kindererziehung und Lebensfreude werden wichtiger. Die Untergangsszenarien kochen in den Massenmedien zwar hoch, aber sie werden zerbrechen. Sobald das passiert, wird es eine spirituelle Revolution geben, die längst schon begonnen hat. Es gibt ein Unbehagen in der Welt, das sich gegenüber der massenmedialen Neoliberalität entwickelt.

Eine sozio-spirituelle Frage wäre zum Beispiel: Warum müssen wir das ganze Jahr herum, etwas produzieren und/oder arbeiten? Im Moment bekäme diese Frage noch keine große Resonanz, aber der Zusammenbruch der Ideologien in den Köpfen der Menschen ist in vollem Gange. Noch gibt es keinen Ersatz, abgesehen von Nationalismen und alten Zeiten. Sobald Menschen lernen, frei von allen Ideologien zu denken, werden sie sich die richtigen Fragen stellen, die vorerst im persönlichen Leben beginnen. Je schneller sich die beiden paradigmatischen Hoheiten gegeneinander zerbrechen, desto besser. Entscheidend wird daher nicht sein, wer arbeitet, sondern mit welchen Sinnhaftigkeiten jemand seinen Lebensunterhalt verdient und seine Existenz fristet. Das Geld, das die meisten Menschen verdienen, ist zudem viel zu niedrig als dass sie sich daran erfreuen könnten. Es hängt sowohl mit der Privatwirtschaft, als auch mit staatlichen Besteuerungen zusammen. Es gibt eine Niedriglohnkultur, vor allem in Deutschland. Ein Drittel des Einkommens beansprucht der Staat. Zusätzlich kommt jeder fünfte Teil von allen Einkäufen. Das ist sehr viel, wenn man unten ist und die meisten Menschen leben „unten“, womit ich die lohnabhängige Schicht meine. In einer solchen Existenz ist man automatisch empfänglich für die massenmedialen Verschwörungen, mit denen man täglich berieselt wird. „Er tötete seine Frau“ bekommt mehr Resonanz. Warum? Weil kriminelle Energien herumgeistern, die sich ausgelebt wissen wollen. Es mag krank klingen (und ist es übrigens auch), aber viele Menschen freuen sich über schlechte Nachrichten. Sie ergötzen sich daran, wenn es anderen schlechter geht, wenn andere kaputt gehen, wenn andere umgebracht werden und sterben. Diese Erkenntnis wird uns klarer vor Augen vorgeführt, weil die Statistiken dies bestätigen. Und das muss gar nicht so sein, aber derzeit ist es noch so. Man verdient sich eine goldene Nase, wenn man den anti-paradigmatischen Markt betritt. Menschen lassen sich gerne vom Weltuntergang überzeugen, besonders dann, wenn ihre eigene Lebenswelt untergegangen ist. Ja dann, sollen auch die anderen verrecken, nicht wahr?! Traurig, und von jeglichen Realitäten weit entfernt. Der große Paradigmenwechsel steht uns bevor und er wird non-binär sein, was gut ist, weil Feindbilder nicht mehr solide transportiert werden können aufgrund der Diversität.