Gute Didaktik für ein Seminar

Wie baue ich ein gutes Seminar auf? Was sind die Bedingungen für einen Dozenten? Welche Teilnehmerzahl macht Sinn? Ein gutes Seminar sorgt für eine Summe aus Lehren, die theoretisch begriffen werden und praktisch angewandt werden können. Das Format ist insofern frei, wenn die fachlichen Inhalte mit ihm korrelieren. Einzige Bedingung zum Unterrichten für den Dozenten ist, dass er Meister seines Faches ist. Und die Teilnehmerzahl sollte bei langen und mehrtägigen Seminaren niemals mehr als 12 bis 15 überschreiten. Dies aus dem einfachen Grund, dass die Qualität der interaktiven Kommunikation eine Basis bekommt. Bei 30 Teilnehmern ist es nicht möglich, eine Interaktion von vorneherein einzustellen, so dass eine kommunikative Dynamik entstünde, in der jeder genügend zu Worte kommt. Bei 15 Teilnehmern gibt dies mehr Lebendigkeit, weil die Hemmungen niedriger sind und die Gruppe kleiner. Dadurch entstehen bereits nach mehreren Stunden einfache Beziehungsmuster.

Im didaktischen Sinne ist immer ein Punkt sehr wichtig: Mit welchem Wissen sollen die Teilnehmer weiterleben? Diese Frage muss sich der Seminarleiter und/oder Dozent vorher stellen und beantworten. Geht es um Kommunikation, sollten die Teilnehmer auch mit mehr Mut bzgl. ihrer Geselligkeit nach Hause gehen. Ist es ein Vertriebsseminar, dann stellen Sie lieber zwei Vertriebstechniken vor und sorgen Sie dafür, dass die Teilnehmer wissen, was Vertrieb in der Wirtschaft und im Einzelschicksal bedeutet. Bei Seminaren über naturwissenschaftliche Didaktik müssen Sie mehr erklären als Sie vorstellen, weil das Wissen häufig pointiert ist. Geben Sie einen Kontext, der mit den Kontexten der Teilnehmer kongruiert.

Die Struktur eines Seminars ist völlig frei zu gestalten. Es darf nur eines NICHT sein: Frontalunterricht. Der große Nachteil ist, dass die Belastungen für Dozent und Teilnehmer zu groß sind. Selbst ein Meister seines Fachs empfindet Frontalseminare als überaus anstrengend. Kommt noch eine große Teilnehmerzahl hinzu, dann wird es ihn ermüden. Außerdem lernen die meisten Menschen kaum übers Zuhören. Da bietet es sich an, interaktive Spiele und Experimente zu machen, um etwas zu erläutern. Das erfordert viel Übung und es muss immer zum Thema passen. Die Teilnehmer vertrauen dem Dozenten und er sollte dieses Vertrauen nicht im Sitzen verpuffen lassen. Die besten Seminare sind die unvergesslichen Seminare mit individuellem Charakter. Erlauben Sie Ihren Teilnehmern mehr Fragen und dem Plenum mehr Streit! Mischen Sie unterschiedliche Arbeitsmethoden zusammen, um dem Seminar Farbe zu geben. Es macht allerdings wenig Sinn, wenn Sie mit herrlichem Marketing eine Vorlesung verkaufen. Das ruiniert Ihren Ruf und die Teilnehmer gehen mit Ärger nach Hause.

Wenn Sie den Menschen etwas beibringen, dann verlieren Sie nie. Sie müssen Meister Ihres Fachs sein. Das heißt nicht, dass Sie einen Abschluss oder ein Zertifikat brauchen, aber Sie sollten Ihr Seminar wirklich ernst meinen. Es wäre unverschämt, Geld zu verlangen, weil sie mit Ihrem Akademikertitel etwas begreiflich machen zu wollen, was jeder weiß. Das ist zu wenig, und sollte eher ein kleiner Vortrag als ein Seminar werden. Bedenken Sie, dass Sie als Akademiker die Gefahr mitbringen, dass Sie Ihre ganze Zunft in Verruf bringen. Das wäre nicht so angenehm. Wenn Sie ein Autodidakt sind, dann haben Sie die besten Voraussetzungen dafür, Seminare zu machen. Sie wissen nämlich, wie man lernt und bestens lernt. Das müssen Sie in Ihre Didaktik und bei Ihren Seminaren miteinbringen. Viele Menschen wissen nicht, wie sie lernen sollen. Vielleicht machen Sie auch darüber ein Seminar.