Malcolm X

Ich bin der Meinung, dass jeder junge Mann sich mit Malcolm X auseinandersetzen, seine Autobiographie lesen und seine historische Relevanz verstehen sollte. Damit wäre viel Gutes getan und rein vorbildlich ist er – für das gesamte letzte Jahrhundert – einzigartig. Seine Geschichte ist eine Art Erfolgsgeschichte, die alles Menschliche und Unmenschliche in sich vereint. Das bedeutet jedoch nicht, dass er für Frauen keine Bedeutung hat. Im Gegenteil. Auch sie finden ein vortreffliches Vorbild in ihm. Allerdings erleben wir heutzutage eher eine Krise des männlichen Geschlechts, eine zunehmend patriarchalisierte Gesellschaft, weltweit, die das Fundament des Menschseins zerstört und aushöhlt.

In diesem Text möchte ich den Menschen Malcolm X (Malik El Shabazz) ausleuchten, denn er hat als Mensch eine sehr wichtige Rolle eingenommen. Es geht dabei nicht um seine abenteuerliche Biographie, sondern viel mehr um die Erkenntnis, zu die er gekommen ist und für die er gelebt hat.

Wir leben in rassistischen Gesellschaften. Die Industrialisierung und die Wirtschaftswelt haben ein rassistisches Weltbild weitergetragen und verbreitet. Wir hinterfragen es nicht. Wir sind darin gefangen, und noch heute spüren wir ihre Existenz. Dieser Rassismus geht nicht etwa von einem Hass auf andere Völker aus, sondern von einem Hass auf dunkelhäutigere Völker. Je heller man ist, desto weniger Rassismus wird man erfahren. Viele viele Ideologien, Theorien und sogar die Christenheit haben diesen Rassismus gefördert und erhalten ihn teilweise. Es ist die Idee von der angenommenen Überlegenheit des weißen Mannes.

Nicht das Aussehen weißer Menschen wird in Frage gestellt, sondern das Aussehen aller anderen Menschen. Der schwarze Buschmann, die nubische Königin, die Sultaninin (Scherz!), der blutrünstige Scheich, der Edle Wilde, die Rothaut, usw. Ich könnte fast endlos fortfahren. Diese jahrhundertalten Bilder existieren noch immer. Rassistische Bilder europäischer Kolonialgeschichte. Nichts weiter!

Der Rassismus – mit tiefen Wurzeln im Europa der Aufklärung – bestimmt, dass die Menschen nicht gleich seien. Ein weißer Mensch könne alles werden und schaffen. Ein dunkler eher weniger. Und wenn er ganz schwarz ist, dann tauge er nur für körperliche Arbeit, wenn überhaupt. Es sei dies aufgrund ihrer niederen Anlage der Fall. So meinten die alten Europäer (weiße Männer, Philosophen, Theologen, etc.), dass Gott bestimmt habe, die weißen Menschen stünden über alle anderen. Natürlich ist das Blödsinn. Ein großer Unfug, den die Zeit allmählich für uns enthüllt.

Malcolm X hat dies begriffen und gelernt. Infolgedessen begann er mit seiner Analyse und er verstand, dass die Afro-Amerikaner ihrer Geschichte beraubt wurden, ihrer Namen, ihrer Identitäten, und ihres Verstandes. Insbesondere ihres Verstandes, denn er legte sehr viel Wert auf den Verstand. Und er verstand es, zu den Schwarzen so zu reden, dass sie ihn verstanden. Und Gott weiß, sie haben ihn verstanden.

Malcolm X war nicht gewalttätig und er rief niemanden zur Gewalt auf. Einige Menschen bezeichnen ihn als gewalttätig, weil er kompromisslos war. Und das war er zurecht. Wir sind alle Menschen, haben die gleichen Rechte. Da gibt es nichts zu verhandeln. Ein weißer Amerikaner hat das Recht, sich selbst zu verteidigen, dann hat es auch der schwarze Amerikaner. Sie sind beide Menschen. Wer damit ein Problem hat, der ist ein Rassist.

Malcolm X war unangenehm, weil er selbstständig dachte und sich auszudrücken wusste. Er hat es mit jedem aufgenommen und er hat argumentiert, wie die alten Römer davon nur geträumt haben können. Seine Redegewalt war so außergewöhnlich und unwiderstehlich, dass man ihm nicht widersprechen konnte (argumentativ). Er hat alles in allem gesagt, dass er ein Mensch ist, seine Leute Menschen sind, sie die gleichen Rechte haben und, dass das alles nicht verhandelt wird. Am Ende seines Lebens wollte er den Rassismus vor weltweitem Publikum anklagen. Leider kam er nicht mehr dazu.

Aber er hat uns etwas hinterlassen, von dem wir Vieles lernen können. Benutze deinen Verstand! Bilde dir ein Wissen, erziehe dich durch Lesen, entwickle deine geistigen Fähigkeiten! Benutze deinen Verstand, und bedenke, dass du nicht nur aus einem Körper bestehst! Die Relevanz des Geistes lag ihm sehr am Herzen, denn er wusste selbst – als Afro-Amerikaner mit krimineller Vergangenheit -, dass der schlafende Verstand, die Unwissenheit, der Selbsthass Ursachen vieler Probleme sind.

Die Unvollständigkeit des persönlichen Menschseins. Du kannst kein Mensch sein und ein ganzheitliches Selbstempfinden entwickeln, wenn du deinen Verstand ignorierst und geringschätzt. Zudem wirst du alle Projektionen von außen (damals noch sehr rassistische) für dich selbst übernehmen, ohne sie zu hinterfragen. Du wirst dich so sehen, wie dich der weiße Mensch sieht. Und du wirst dich infolgedessen selbst hassen, denn sein Bild vom schwarzen Menschen war/ist rassistisch. Der Rassismus sagt nämlich, dass du kein wirklicher Mensch bist. Das verstehst du aber nur, wenn du deinen Verstand benutzt.

Nicht Bodybuilding, Singen und Tanzen, Basketball und Baseball, Boxen und Swingen, sondern dein Verstand hilft dir, Du zu sein, Du zu werden. Damals wie heute, sehr wichtig, wie ich finde. Die genannten Sportarten und Vergnügungen sehe ich nicht als schlecht an. Im Gegenteil, sie sind sehr wichtig und schön. Vergnügen und Verstand schließen sich nicht aus. Jedoch brauchen die Menschen auch ein geistiges Selbstbewusstsein. Das gehört unbedingt dazu, wenn man sich rassistischer Gewaltherrschaft entziehen will. Vorher passiert das nicht. Und es gehört schlicht und einfach auch zum Menschsein dazu, um ein erfülltes Leben zu leben.

Das hat Malcolm X begriffen, und er hat es Frauen wie Männern gesagt. Allen Menschen zum Ende seines Lebens hin, die sich für seine Worte begeisterten und die gemeinsam mit ihm, für ein besseres Miteinander antreten wollten. Ich bin ein Mensch, wir sind Menschen. Höre mir zu, oder lass es, aber ich bin ganz sicher nicht (mehr) dein Sklave! Unterwerfe dich nicht!

Es gibt keine gefährlichere Revolution als die geistige Revolution, das geistige Erwachen. Und Malcolm gab sein Leben dafür, weil er seinesgleichen liebte, von ganzem Herzen, und wir wissen das alle.

Allah yar7am Malik El Shabazz, Malcolm X,
möge dieser liebenswürdige Mensch in Frieden ruhen!

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